[ Stand: 20 Juni 2022 - 10:29 Uhr ]

Der ein oder andere kennt es – das mulmige Gefühl im Vorfeld oder während des Zahnarztbesuchs. In Studien zeigte sich, dass 60-80% der Menschen unter Zahnbehandlungsangst leiden. Sollten Sie betroffen sein – Sie sind also nicht allein.

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Prodente e.V.

In der Wissenschaft definiert man diese Zahnbehandlungsangst als alle psychologischen und physiologischen Ausprägungen eines Gefühls, die eine vermeintliche oder tatsächliche Bedrohung in Verbindung mit einer Zahnbehandlung darstellen.

Grundsätzlich ist Angst nichts Schlechtes, unser Körper signalisiert uns eine mögliche oder tatsächliche Gefahr und hilft uns, diese zu vermeiden oder ihr zu entkommen. Objektiv betrachtet, stellt der Zahnarztbesuch jedoch keine Bedrohung für Leib und Leben dar, woher kommt also dieses Gefühl?

Wie entsteht Zahnbehandlungsangst

Diese Angst kann verschiedene Ursachen haben, wobei auch mehrere Faktoren zusammentreffen können.

Zum einen können (schlechte) Erfahrungen zu einer Konditionierung führen. In der Folge werden (unbewusst) z.B. der Geruch der Praxis oder der Zahnarztstuhl immer mit dieser Erfahrung verknüpft. Die gute Nachricht ist: Diese Muster kann man unterbrechen.

Bild zeigt Mann beim Zahnarzt
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Eine weitere Möglichkeit ist, dass Menschen durch das Miterleben von schmerzhaften Zahnbehandlungen anderer Personen (z.B. der Eltern) die Angst auf sich selbst übertragen. Hier spricht man von dem sogenannten Modelllernen, hierunter fällt auch das Verhalten, dass Kinder die Angstgefühle Ihrer Vorbilder „nachahmen“ (Mama hat Angst, also habe ich auch Angst). Seien Sie ein gutes Vorbild für Ihre Kinder, lassen Sie positive Neugierde auf den Zahnarztbesuch zu und vermeiden Sie, Ihr Kind zu längeren Behandlungen mitzunehmen.

Häufig entsteht die Furcht auch durch versteckte Androhungen wie beispielsweise „wenn du deine Zähne nicht gut putzt, muss der Zahnarzt bohren und das tut weh“. Der gut gemeinte Rat führt unbewusst zum negativen Bild des Zahnarztbesuchs. Sprechen Sie Zuhause davon, wie Zähne gesund erhalten werden können und davon, dass die Zahnärztin/der Zahnarzt Zähne (wieder) schön erstrahlen lassen.

Individuelle Eigenschaften jedes Menschen können sich zudem auf den Umgang mit dem Besuch in der zahnärztlichen Praxis auswirken.

Scham ist ein weiterer Aspekt, der das Unwohlsein vor dem Zahnarztbesuch steigert. Die Mundhöhle ist eine intime Zone und gerade Menschen, die bereits wissen, dass dort Behandlungsbedarf besteht schämen sich, ihre „Baustellen“ offen zu zeigen. Die Zahnarztpraxis Ihres Vertrauens weiß um diese Tatsache, dort wird Ihnen geholfen, ein gesundes Lächeln zu erhalten ohne über Sie zu urteilen.

Wie äußert sich Zahnbehandlungsangst

Es ist sehr individuell, wie Menschen auf den Zahnarztbesuch oder den Gedanken daran reagieren. Während manche „nur“ mit einem etwas mulmigen Gefühl in die Zahnarztpraxis gehen, sorgt bei anderen bereits der Gedanke an eine Zahnbehandlung für Schweißausbrüche und Panikattacken.

Werden durch Zahnbehandlungsangst Zahnarztbesuche aufgeschoben oder bleiben sie gänzlich aus, kann dies nicht nur zu Schäden an den Zähnen führen. Man weiß heute wie stark Mundgesundheit und Allgemeingesundheit zusammenhängen, es lohnt sich also, seine Zahnbehandlungsangst zu überwinden um auch Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen vorzubeugen und gesund zu bleiben.

Was können Sie dagegen tun?

Für alle Betroffenen empfiehlt sich ein offener Umgang mit der Angst so kann sich das gesamte zahnärztliche Team gut darauf einstellen und Ihre Ängste berücksichtigen. Geben Sie also bereits bei der Terminvereinbarung oder spätestens auf dem Anamnesebogen an, dass Sie unter Zahnbehandlungsangst leiden.

Vereinbaren Sie mit Ihrer Zahnärztin/Ihrem Zahnarzt ein Stopp-Signal wie z.B. Hand heben, so kann gezielt auf Ihre Bedürfnisse eingegangen werden.

Auch die Begleitung durch eine vertraute Person bietet Ihnen möglicherweise Sicherheit.

Sollte eine Behandlung notwendig sein, ist heutzutage durch die Verwendung von Lokalanästhesie eine schmerzfreie Behandlung möglich. Sprechen Sie bei Bedarf Ihren Zahnarzt auch auf eine mögliche Verabreichung weiterer Medikamente an.

Aber auch ganz einfache Methoden, wie das Hören von Musik bereits im Wartezimmer und auch während der Behandlung, zeigten sich in Studien als wirksam. Bringen Sie also Ihre Kopfhörer und Ihre Lieblingsmusik mit in die Zahnarztpraxis, das hilft um sich abzulenken, aber auch dabei, mögliche Geräusche zu „übertönen“.

Gut bewährt haben sich zudem Entspannungsverfahren. So zeigten Untersuchungen, dass beispielsweise der Einsatz von progressiver Muskelrelaxation sich positiv auf den Umgang mit Ängsten und Sorgen rund um den Zahnarztbesuch auswirken können. Einige Krankenkassen bieten kostenlose Anleitungen und Downloads zu diesem Thema an – fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach. Anbei finden Sie einen beispielhaften link der Techniker Krankenkasse: Audiodatei zur progressiven Muskelentspannung

Lohnenswert ist immer auch ein Blick auf die Homepage der Zahnarztpraxen, dort finden sich Informationen, ob Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt Angebote wie zahnärztliche Hypnose Akupunktur oder andere Unterstützungen bei Zahnbehandlungsangst anbietet.

Sollten Sie, wie ca. 5% der Bevölkerung, von einer echten Zahnbehandlungsphobie betroffen sein, wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt. Eine solche Phobie stellt eine Erkrankung dar und kann mit Hilfe von z.B. einer kognitiven Verhaltenstherapie gut behandelt werden. Vielleicht sind aber auch andere Methoden wie Lachgasbehandlung oder medikamentöse Unterstützung für Sie das Richtige.

Weiterführende Informationen finden Sie u.a. unter:

Unser Service:

Gerne beraten wir Sie auch individuell bei bestehender Zahnbehandlungsangst. Bei Bedarf senden Sie eine email mit dem Betreff Zahnbehandlungsangst an info@rhein-erft-kreis.de

Verlinkte Quellen: