[ Stand: 08 April 2022 - 09:51 Uhr ]

Aufgrund eines Beitrages eines öffentlich-rechtlichen Senders besteht aktuell teilweise eine Verunsicherung in Bezug auf potentielle Umweltgefährdungen im Raum Hürth und Erftstadt sowie Geruchsbelästigungen im Raum Hürth und Brühl

© Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat

Hintergrund sind einerseits die seit mehreren Monaten auftretenden Geruchsbeschwerden auf den Gebieten der Städte Brühl und Hürth. Andererseits steht eine Altablagerung im Raum Erftstadt/Hürth in Rede.

In Bezug auf die Geruchsbeschwerden wurde in der Presse bereits mehrfach berichtet. Aktueller Sachstand ist, dass derzeit alle zuständigen Behörden eng zusammenarbeiten und bei der Bezirksregierung Köln eine Koordinierungsstelle eingerichtet worden ist. Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) ist eingeschaltet. Nach der aktuellen Erkenntnislage ist derzeit davon auszugehen, dass für die Geruchsbeschwerden mehrere verschiedene Geruchsemittenten verantwortlich sind. Die zuständigen Behörden haben bisher eine Vielzahl an Anlagenbegehungen durchgeführt und sind einer großen Anzahl an Beschwerden unmittelbar durch Ortsbegehungen nachgegangen. Weiterhin finden derzeit qualifizierte umfangreiche Rasterbegehungen zur Ermittlung der vorliegenden Geruchsbelästigungen statt. Diese dauern mehrere Monate an und sollen fundierte Aussagen für die Beurteilung der auftretenden Geruchsimmissionen liefern.

Hier finden Sie die letzten Pressemitteilungen:

https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/presse/2022/005/index.html

https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/presse/2021/058/index.html

Darüber hinaus wird eine Altablagerung (rot umrandete Fläche) im ehemaligen Tagebau Ville im Bericht thematisiert, extrem verkürzt dargestellt und skandalisiert.

Es handelt sich dabei um eine seit 2004 öffentlich bekannte Altlast, die bestens dokumentiert ist. Es wurden damals umfangreiche Erstuntersuchungen und Maßnahmen durchgeführt. Der Bereich wird noch heute regelmäßig mehrfach im Jahr durch Proben gemonitort und durch vier Aufsichtsbehörden kontrolliert. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht.

Bei der in Rede stehenden Altablagerung handelt es sich um einen ehemaligen Braunkohletagebau. Hier wurden, wie sich später herausstellte, in den 1960er Jahren cyanidhaltige Abfälle abgelagert. Aufgrund von Grundwasseruntersuchungen auf unter Bergrecht stehenden Flächen wurde dem Rhein-Erft-Kreis im Dezember 2004 mitgeteilt, dass eine Cyanidbelastung festgestellt worden ist. Die Öffentlichkeit wurde umgehend informiert.

Link zur Kölnischen Rundschau: https://www.rundschau-online.de/cyanid-im-wasser-11154550?cb=1649398972890&cb=1649398911805&

Allein im Rahmen der Erstbewertung des Gefahrenpotentials wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • 8 Grundwassermessstellen neu errichtet
  • 16 Grundwasseruntersuchungen durchgeführt
  • 264 Bodenuntersuchungen
  • 4 Bodenluftuntersuchungen
  • 28 Oberbodenuntersuchungen
  • 2 Sedimentuntersuchungen aus dem „Klärteich A“
  • 35 Oberflächenwasseruntersuchungen an diversen Punkten
  • Vielzahl an Untersuchung von Feldfrüchten (Weizen, Zuckerrüben)
  • Untersuchung von 5 Fischen
  • Toxikologische Bewertung durch entsprechenden Fachgutachter

Zur unmittelbaren Gefahrenabwehr wurden offene kleine Wasserflächen verfüllt, da diese hohe Cyanidgehalte aufwiesen und die mögliche Gefahr bestand, dass wildlebende Tiere über die Wasseraufnahme geschädigt werden könnten.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die übrigen Gewässer keine Gefahr für Mensch oder Tier darstellen. Vielmehr finden in den Gewässern natürliche Abbauprozesse statt, so dass das Cyanid abgebaut wird. Diese Abbauprozesse wurden forciert durch die Bepflanzung cyanidabbauender Pflanzen. Keiner der angrenzenden Seen Dinnendahlsee (Roddersee), Köttinger See oder Concordiasee, die zur Naherholung genutzt werden, weist eine Cyanidbelastung auf.

Der gesamte belastete Bereich ist klar abgegrenzt und eine Ausdehnung des Schadens ist ausgeschlossen. Auch ist ausgeschlossen, dass hierdurch ein Einfluss auf eine Trinkwasserförderung gegeben ist, da das vorhandene Grundwasser nicht für die Trinkwassergewinnung genutzt wird und eine Ausbreitung über das Grundwasser aus hydrogeologischen Gründen nicht möglich ist.

Auch eine Belastung der Feldfrüchte und Fische besteht de facto nicht. Alle Cyanidgehalte der untersuchten Proben lagen weit unterhalb der lebensmittelrechtlich zulässigen Werte. Hierbei ist festzuhalten, dass bestimmte Pflanzen natürlicherweise Cyanid enthalten und dies selbst bilden können (z.B. Mandel- und Aprikosenkerne, rohe Bambussprossen). So wurde bei der Untersuchung der auf der Fläche angebauten Zuckerrüben zwar Cyanide festgestellt, die festgestellten Gehalte waren jedoch vergleichbar mit Cyanidgehalten in Zuckerrüben auf unbelasteten Flächen und lagen weit unterhalb der Grenzwerte.

Seit 2004 wird der gesamte Bereich intensiv durch mehrmalige Untersuchungen pro Jahr überwacht. Hierbei werden durch zertifizierte Probenehmer und Labore Proben gezogen und analysiert. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt durch ein renommiertes Gutachterbüro. Die durch dieses Büro erstellten Gutachten incl. der Probenahme- und Analysenprotokolle werden durch die am Monitoringprozess beteiligten Aufsichtsbehörden und Stellen geprüft und kontrolliert. Hierbei handelt es sich um die Bezirksregierungen Köln und Arnsberg, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), dem Erftverband und dem Rhein-Erft-Kreis, die seit Anbeginn in den Monitoringprozesses eingebunden sind und mit denen dieser abgestimmt wurde.

Die Beprobung des Bereichs und die Überwachung laufen bis heute fort.

Obwohl von allen Beteiligten versucht worden ist, den Verursacher der cyanidhaltigen Abfälle zu ermitteln, konnte dieser Jahrzehnte später nicht mehr identifiziert werden. Damit muss RWE - als Nachfolgeunternehmen des dortigen ehemals tätigen Bergbautreibenden - das Monitoring (durch das Gutachterbüro) sicherstellen und alle Kosten im Zusammenhang mit dieser Ablagerung tragen..

Die Verwaltung wird im zuständigen (öffentlichen) Ausschuss für Umwelt, Kreisplanung und Energie am 04.05.2022 die Themen ausführlich in einer Präsentation behandeln.