[ Stand: 06 Juli 2020 - 10:52 Uhr ]

Bei einer gemeinsamen Flächentour ortsansässiger Landwirte aus Pulheim-Geyen und Vertretern der Landwirtschaftskammer NRW, der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, der Kreisbauernschaft sowie des Rhein-Erft-Kreises stand kürzlich nicht nur die erfolgreiche Umsetzung des Vertragsnaturschutzes im Feldhamsterschutz im Mittelpunkt.

© Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat

Sondern es fand auch wieder ein reger Austausch zu anderen Themen des Naturschutzes und der Landwirtschaft statt.

Der "Runde Tisch zur Förderung der Biodiversität in der Ackerlandschaft des Rhein-Erft-Kreises" wurde Anfang 2017 auf Initiative des Rhein-Erft-Kreises gegründet und hat vorrangig die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der teilweise vom Aussterben bedrohten Arten wie Feldlerche, Rebhuhn und anderen zum Ziel. Ein wichtiger Baustein ist seitdem auch die regelmäßige Durchführung von Informationsveranstaltungen zu diesen Arten und zu möglichen Fördermaßnahmen für beteiligte Landwirte.

Zum Vertragsnaturschutz berät die Biologische Station die Landwirte im Kreis und wird dabei seit 2017 von der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer unterstützt. Inzwischen ist daraus eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft entstanden. Kreislandwirt Willy Winkelhag betont dazu: „Es geht nur zusammen und man muss miteinander reden – das funktioniert hier im Kreis spitze!“

Aktuell werden im Rhein-Erft-Kreis ca. 580 Hektar landwirtschaftliche Fläche (Acker und Grünland) von Landwirten naturschutzfreundlich im Vertragsnaturschutz bewirtschaftet, die puzzleartig in der Landschaft verteilt und in ihrer Summe einen ersten fördernden Effekt für Insekten und die heimischen Tiere der Feldflure zeigen.

Im Raum Pulheim stehen von diesen Vertragsnaturschutzflächen ca. 380 Hektar für den Schutz des Feldhamsters zur Verfügung, eine der Verantwortungsarten des Rhein-Erft-Kreises.

Zum Schutz des Feldhamsters werden landwirtschaftliche Flächen zwar regulär bewirtschaftet, doch verzichten die teilnehmenden Landwirte auf das tiefe Pflügen der Flächen, beschränken den Pflanzenschutzmitteleinsatz und halten die Fruchtfolge mit einem dreimaligen Getreideanbau innerhalb von fünf Jahren sowie eine Stoppelruhe nach der Getreideernte ein.

Die Teilnehmer des Runden Tisches machten sich ein Bild von diesen „normalen“ Flächen, die teils in diesem Jahr mit Zuckerrübe und Kartoffeln bestellt sind. Aber auch von denjenigen Flächen, auf denen im Frühjahr 2019 die Stützungsansiedlung des Feldhamsters erfolgte und die viele unterschiedliche Anbaukulturen wie Luzerne, Blühstreifen oder reine Wintergerste aufweisen, wurden ins Auge genommen. Groß war ebenfalls das Interesse am aktuellen Stand und überdurchschnittlichen Erfolg der Auswilderung des „Kornwolfs“, wie noch einige der teilnehmenden Landwirte den plattdeutschen Namen des Feldhamsters kennen, die aktuell im Juni fortgesetzt worden war.

Die Vertreter des Runden Tisches sind sich einig: Vor allem der guten Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft und dem Naturschutz ist es zu verdanken, dass sowohl die Stützungsansiedlung des Feldhamsters als der Vertragsnaturschutz im Kreis so erfolgreich ist. Die Landwirte der Region zeigen sich nicht nur kooperativ und aufgeschlossen, sondern bewirtschaften ihre Flächen auch mit überdurchschnittlichem Engagement naturschutzfreundlich.

Im Herbst 2020 wird der Runde Tisch wieder zusammenkommen, sich den nächsten Themen widmen und die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit weiterführen.