Noch in den 70er-Jahren zahlreich auf Ackerflächen der Jülich-Zülpicher Börde verbreitet und regional als Schädling „Kornwolf“ genannt und verfolgt, ist der Feldhamster (Cricetus cricetus) heute sehr selten geworden.

Feldhamster
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Peter Schütz

Wieso braucht der Feldhamster eine neue Chance in NRW?

In den letzten Jahrzehnten nahm die Zahl der Feldhamster in Europa, Deutschland und auch NRW-weit konstant ab, bis Anfang der 2000er Jahre in NRW von den ursprünglichen Populationen nur noch drei kleine, voneinander isoliert liegende Vorkommen bei Zülpich, Rommerskirchen und Pulheim mit insgesamt wenigen hundert Tieren übrig blieben. Diese unterhalb der Schwelle einer dauerhaften Überlebensfähigkeit liegenden Populationen brachen trotz eingeleiteter Fördermaßnahmen innerhalb weniger Jahre zusammen.

Als Gründe für das Verschwinden des Feldhamsters werden vor allem der Verlust von besiedelten Ackerflächen, deren Zerschneidung, der Einsatz von Rodentiziden und der Strukturwandel in der Landwirtschaft vermutet. Die frühere Ernte des Getreides, der geringere Anbau von Getreide, immer effizientere Erntemaschinen und die fehlende Stoppelruhe führen dazu, dass im Sommer nach der Ernte kaum Deckungsschutz vor natürlichen Feinden wie Fuchs, Marder, Hauskatze oder Greifvögeln und letztlich zu wenig Nahrung vorhanden sind. Auch das „Hamstern“ von Getreide, Wildkrautsamen oder Hülsenfrüchten als Wintervorrat ist kaum mehr möglich.

Inzwischen können nur noch selten einzelne Tiere nachgewiesen werden. In Nordrhein-Westfalen ist der Feldhamster vom Aussterben bedroht.

Wie lebt der Feldhamster?

HamsterquartierDer etwa meerschweinchengroße Nager lebt in NRW in tiefgründigen und grundwasserfreien Löss-Äckern der rheinischen Bördelandschaften, baut dort bis zu 2 Meter tiefe verzweigte Bausysteme mit senkrechten Fall- und schrägen Laufröhren und ernährt sich überwiegend von Getreidekörnern, Hülsenfrüchten, anderen Samen und grünen Pflanzenteilen. Schnecken, Regenwürmer und Insekten zählen auch zum Nahrungsspektrum.

Im Spätsommer beginnt der Feldhamster mit dem Sammeln des Wintervorrats. Ab September/Oktober beginnt der ca. 6-monatige Winterschlaf, der bis April/Mai des Folgejahres dauert. Währenddessen wacht der Feldhamster immer wieder auf, um vom Wintervorrat zu fressen und die separate Kotkammer aufzusuchen. Feldhamster sind Einzelgänger und kommen nur in der Paarungszeit zusammen. Sie sind ausgesprochen standorttreu und die Weibchen leben in kleineren Revieren (0,1-0,5 ha) als die Männchen.

Entscheidend für das Überleben des überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Feldhamsters sind daher der Erhalt seiner Ackerflächen, möglichst durchgehender Deckungsschutz und genügend Nahrung.

Planung der Stützungsansiedlungen

2015-2017 konnten noch einige der letzten frei lebenden Feldhamster bei Zülpich für den Start einer sehr erfolgreichen Nachzucht im Artenschutzzentrum Metelen des LANUV NRW gefangen werden. Ab 2019 können dadurch erstmalig Feldhamster in den letzten ursprünglichen Vorkommensgebieten in NRW angesiedelt werden. Langfristig sollen damit in NRW wieder überlebensfähige Populationen des Feldhamsters entstehen. Dabei handelt es sich nach den international geltenden IUCN-Kriterien nicht um Wiederansiedlungen, sondern um Bestandesstützungen oder Stützungsansiedlungen, da in den letzten Jahren vereinzelt noch Tiere gesichtet werden konnten.

Die erste Ansiedlung in NRW im Mai 2019 umfasst die Aussetzung von insgesamt 128 Feldhamstern im Rhein-Erft-Kreis bei Pulheim auf Teilflächen des dort ursprünglichen Populationszentrums, die seit 2007 feldhamsterfreundlich bewirtschaftet werden.

Mit Hilfe der beteiligten Landwirte und fachlich begleitet von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft werden die Aussetzungsflächen in Pulheim erstmalig in NRW durch eine sehr hohe Fruchtartenvielfalt mit einem Maximum an ständigem Nahrungsangebot und an einer möglichst durchgehenden Deckung zum Schutz vor natürlichen Feinden bewirtschaftet.

Die Landwirte erhalten für ihren Ernteausfall und den mit der Ansiedlung verbundenen Mehraufwand eine Entschädigung. Umgeben sind die aktuellen Aussetzungsflächen überwiegend von Flächen, die ebenfalls langjährig im Feldhamster-Vertragsnaturschutz bewirtschaftet werden.

Wie geht es mit dem Feldhamster in NRW weiter?

Die 1-2-malige Aussetzung von Tieren pro Jahr ist auf eine vorerst 5- und perspektivisch 10-jährige Laufzeit ausgerichtet. Nach der Ansiedlung von Tieren in Pulheim ist eine weitere Ansiedlung im benachbarten Rhein-Kreis Neuss bei Rommerskirchen vorgesehen. Künftig sind im Rhein-Erft-Kreis weitere Vertragsnaturschutz- und Ansiedlungsflächen im landwirtschaftlich geprägten Korridor von Pulheim über Bergheim Richtung Rommerskirchen vorgesehen, um die Ansiedlungsgebiete untereinander zu vernetzen und eine sich langfristig selbst tragende Gesamtpopulation aufzubauen. Auch Ansiedlungsbereiche im ursprünglichen Vorkommensgebiet Zülpich können hinzukommen. Ein Monitoring aller Ansiedlungen mit Kartierung der Frühjahrs- und Sommerbaue und mit Fang-Wiederfang-Erfassungen durch die Biostationen, das LANUV NRW und mit vielen Helfern wird den Erfolg der Ansiedlung des Feldhamsters beurteilen.

Kann man sich am Schutz der Feldhamster im Rhein-Erft-Kreis beteiligen?

Als Landwirt sind Sie herzlich willkommen, am Feldhamster-Vertragsnaturschutz teilzunehmen. Weitere Informationen hierzu auch unter:

  • www.BioStation-Bonn-Rheinerft.de

Darüber hinaus ist jede Spende herzlich willkommen. Sie trägt dazu bei, mehr Maßnahmen für den Feldhamster im Rhein-Erft-Kreis umzusetzen und seine Überlebenschance zu vergrößern.
Spenden können eingereicht werden bei:

  • Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V.
    Spendenkonto 32 169
    Sparkasse KölnBonn
    IBAN: DE25 3705 0198 0000 0321 69
    Verwendungszweck „Feldhamster“

Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V. ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich absetzbar.

Die Partner im Rhein-Erft-Kreis:

An der Hilfe für den Feldhamster sind viele Institutionen und Einzelpersonen beteiligt. Besonderer Dank gilt den feldhamster-freundlichen Landwirten vor Ort. Außerdem arbeiten die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft, die Stadt Pulheim, der RLV NRW e.V., das LANUV NRW, die LWK NRW, das MULNV NRW und der Rhein-Erft-Kreis zusammen.