[ Stand: 15 November 2022 - 11:31 Uhr ]

Der Rhein-Erft-Kreis und das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft des Landesbetriebs Wald und Holz NRW haben ein Konzept für die Naherholung im Königsdorfer Forst erstellt.

© Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat

Der Rhein-Erft-Kreis und das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft des Landesbetriebs Wald und Holz NRW haben ein Konzept für die Naherholung im Königsdorfer Forst erstellt. Vorangegangen war ein einstimmiger Beschluss des Kreistages im Juli dieses Jahres. „Für das einzigartige und besondere Waldnaturschutzgebiet bedeutet dieses Konzept einen großen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Verbesserung des ökologischen Zustands und der Naherholung in unserem Kreis“ so Landrat Frank Rock.

Forstamtsleiter Herrn Stephan Schütte und Umwelt- und Planungsdezernent Herrn Uwe Zaar unterzeichneten dazu in der vergangenen Woche bei einem Vor-Ort-Termin symbolisch die gemeinsame Ordnungspartnerschaft zwischen dem Regionalforstamt und dem Rhein-Erft-Kreis und stellten die begonnenen und auch die künftigen Maßnahmen vor.

Um den Erholungswert des Waldes zu erhalten und gleichzeitig seinen Schutzstatus aufrecht zu erhalten, wurde das Wegenetz im Königsdorfer Forst überarbeitet. Die Trampelpfade sowie die illegal errichteten Mountainbike-Strecken werden Schritt für Schritt zurückgebaut. Am Eingang des Parkplatzes am Ende der Alten Aachener Straße wurde ein inoffizieller Trampelpfad mit in das Wegenetz aufgenommen. Die offiziellen Wege erhalten eine entsprechende Beschilderung.

Im September 2022 hat das Amt für Kreisentwicklung, Ökologie und Klimafolgenanpassung schon mit der neuen Beschilderung der offiziellen Fußgängerwege, Radwege und Reiterwege begonnen. „Damit wurde nun die Umsetzung des Maßnahmenkonzepts eingeleitet,“ freut sich Uwe Zaar, Umweltdezernent beim Rhein-Erft-Kreis. Zeitgleich wurde die Instandsetzung des Reitwegenetzes sowie die Optimierung der Reitwegeführung umgesetzt und somit „ein weiterer wichtiger Beitrag zur Beruhigung des stadtnahen Naturschutzgebiets durchgeführt“ ergänzt Stephan Schütte, Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft.

Die wichtigste Maßnahme überhaupt, die zum nachhaltigen Erfolg der Maßnahmen verhelfen soll, ist die Einstellung von zwei Waldhüter/innen. Je eine Stelle wird durch das Regionalforstamt und durch den Kreis finanziert. Die Einstellungsgespräche erfolgen im November dieses Jahres. Die Waldhüterinnen und Waldhüter werden vor Ort für die Einhaltung der Regelungen sorgen, indem sie die Bevölkerung auf mögliche Fehlverhalten hinweisen und über Verstöße aufklären. Die Umweltbildung wird von den Waldhüterinnen und Waldhütern zusätzlich durch die Planung, Umsetzung und Dokumentation von Umweltbildungsangeboten gefördert. Anfallende Pflege- und Instandsetzungsarbeiten im Waldgebiet werden durch die neuen Waldhüter/innen ebenfalls eigenständig durchgeführt sowie ordnungsrechtliche Aufgaben zur Kontolle die vorgesehene Nutzung der gekennzeichneten Wege übernommen. Im Zuge dessen werden bei Nichteinhaltung der Reglungen auch Bußgeldern verhängt werden.

Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Anzahl an Besuchenden im Königsdorfer Forst deutlich zugenommen. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit dieses wertvollen Naturschutzgebiets für die Naherholung. Leider wird der Königsdorfer Forst durch das unerlaubte Begehen und Befahren abseits der offiziellen Wege immer stärker beeinträchtigt. Über die Zeit hat sich ein weit verzweigtes Netz von Trampelpfaden entwickelt. Die Nutzung inoffizieller Wege im Naturschutzgebiet ist nicht erlaubt und verursacht eine Beunruhigung und teilweise Zerstörung der geschützten Tier- und Pflanzenwelt. Zudem wird immer häufiger festgestellt, dass Hunde nicht an der Leine geführt werden. Dies trägt wie auch das Radfahren und Spaziergehen abseits der Wege, zu einer Gefährdung der Tiere und Pflanzen und deren Lebensraum bei. Es kommt während der Brutzeit zu einer starken Beunruhigung der am Boden brütenden Arten, wie beispielsweise dem Rotkehlchen. Zudem werden Rast- und Ruheplätze nicht mehr aufgesucht. Freilaufende Hunde werden von Wildtieren als Gefahr wahrgenommen und lösen Fluchtinstinkte aus. Zudem führen die Hinterlassenschaften der Hunde zu einem Nährstoffeintrag, der sensible Lebensräume und Pflanzen zurückdrängen kann. Ein weiterer, die Flora und Fauna stark beunruhigender Einfluss, ist das Befahren mit Mountainbikes abseits der offiziellen Wege. Es kommt zur Verdichtung des Bodens sowie massiven Schädigungen an den Bäumen und ihren Wurzeln.

Der Königsdorfer Forst ist ein Naturschutzgebiet mit einer Fläche von rund 330 ha. Das ehemals kurfürstliche Jagdgebiet bietet viele interessante Einblicke in abwechslungsreiche Stieleichen-Hainbuchenwälder und Waldmeister-Buchenwälder. Seit 2004 gehört das Naturschutzgebiet zu den besonders schützenswerten europäischen Flora-Fauna-Habitaten (FFH-Gebiet) und ist Bestandteil des länderübergreifenden Schutzgebietsnetztes Natura 2000. Das FFH-Waldnaturschutzgebiet Königsdorfer Forst bietet geschützten Vogel-, Fledermaus und Amphibienarten einen Lebensraum. Der Wald ist das letzte Relikt des ehemals den gesamten Villerücken bedeckenden Waldbestandes. Dies macht das Gebiet zu einem einzigartigen und seltenen Naherholungsort in unserer Region, der einen besonderen Schutz bedarf.

 

Wegenetz - Karte