[ Stand: 12 März 2021 - 08:30 Uhr ]

Kreisveterinäramt warnt insbesondere in Corona-Zeiten vor unseriösen Tierhandel

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©Ermolaev Alexandr - stock.adobe.com

Der Lockdown hat es geschafft. Neuerdings wird viel darüber berichtet, wie gut die Natur sich erholt, weil die Menschen vermehrt zu Hause bleiben mussten. Viele von uns haben gleichzeitig entdeckt wie schön es ist, Tiere in der Natur oder im eigenen Garten zu beobachten. Es wurden Nistkästen und Vogelhäuser angeschafft, die den eigenen Garten nun zunehmend beleben.

Anderseits fällt den Menschen die kontaktarme Zeit immer schwerer und so fällt oft damit einhergehend spontan die Entscheidung, sich mit einem Haustier einen zugewandten Mitbewohner anzuschaffen. Dadurch boomt zur Zeit der Tierhandel. 

Der Wunsch nach einem Tier, beispielsweise nach einem Hund oder einer Katze, ist oftmals so groß, dass auch Geschäfte bei dubiosen Händlern in Betracht gezogen werden. Aufgrund der derzeit hohen Nachfrage gelingt es Händlern immer wieder Tiere aus dem Kofferraum oder auf der Straße zu verkaufen. Angeblich könne man die Käufer wegen Corona nicht in die Wohnung lassen. Dabei werden inzwischen Bargeldsummen bis zu mehreren Tausend Euro für Rassewelpen übergeben. 

Viele dieser Käufe enden dann mit großer Enttäuschung und hohen Folgekosten. Schlimmstenfalls dem schnellen Tod der Tiere, langwierigen Tierarztbehandlungen oder mit der amtlichen Sicherstellung des Tieres. Aufgrund fehlender Kaufverträge und anderer Unterlagen ist dann auch eine Strafanzeige gegen den Verkäufer praktisch nicht mehr möglich.

Das Kreisveterinäramt ist aktuell wieder zunehmend mit solchen Fällen befasst und warnt daher ausdrücklich davor Tiere aus dem Internet oder auf der Straße ohne Vertrag, Herkunftsnachweis und ohne die Möglichkeit das Tier und den Züchter kennenzulernen, zu kaufen. Häufig stammen diese Tiere von sogenannten „Vermehrern“, bei denen die Elterntiere unter extrem tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten werden. 

Über das Internet oder auf der Straße erworbene Welpen werden oftmals viel zu früh von der Mutter getrennt und erkranken wegen ihres instabilen Immunsystems immer wieder an Durchfällen, Staupe, Parvovirose und anderen Infektionskrankheiten. Oft sind sie auch mit Parasiten belastet, wodurch eine Ansteckung der Halterfamilie nicht ausgeschlossen ist. Impfungen oder Papiere gibt es oft nicht oder sie werden gefälscht.

Hunde und Katzen, die ohne einen gültigen Tollwutschutz aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind, können zudem vom Veterinäramt beschlagnahmt und in Quarantäne gebracht werden. Die Tollwutimpfung darf erst im Alter von 12 Wochen verabreicht werden, so dass die Tiere mit belastbarem Impfschutz innerhalb der EU erst frühestens im Alter von 15 Wochen über die Grenze gebracht werden dürfen. Alle Tiere, die jünger sind, sind illegal verbracht und tragen das Risiko in sich, möglicherweise die gefährliche Tollwut weiter zu verbreiten.

Das Veterinäramt empfiehlt daher Personen, die ernsthaft über die Anschaffung eines Tieres nachdenken, sich an Tierheime oder Züchter zu wenden, die gerne geeignete Tiere in gute Hände vermitteln. Wer beim Züchter kauft, sollte den Wurf unbedingt zu Hause bei ihm besichtigen und das Verhalten der Mutter zu den Jungtieren und den Umgang des Züchters mit den Tieren beobachten.

Welpen sollten bei der Abgabe mindestens zehn, besser zwölf Wochen alt sein und von einem in Deutschland ansässigen Tierarzt bereits gechipt und mit einem Heimtierausweis ausgestattet sein. Alle nötigen Impfungen sollten ebenfalls bereits zumindest erstmals verabreicht sein. Zusätzlich sollte der Nachweis der Entwurmung erfragt werden. Ein in dieser Weise grundversorgter Welpe, der ausreichend lange bei seiner Mutter bleiben konnte und durch menschliche Zuwendung sozialisiert wurde, kann später viel Freude bereiten.

Zu Ostern mag auch der eine oder andere auf die Idee kommen, Kaninchen oder andere Kleintiere anzuschaffen oder zu verschenken. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass nahezu alle Kleintiere nicht alleine gehalten werden dürfen und unbedingt Artgenossen brauchen. Zudem haben auch kleine Heimtiere hohe Ansprüche an die Pflege und vor allem artgerechte Bewegungsmöglichkeiten (gerne z.B. im Garten). Informationen über die korrekte Handhabung und Haltung der jeweiligen Tierarten sind in Büchern und im Internet zu finden. Ein seriöser Verkäufer wird gerne alle erforderlichen Informationen zusammenstellen.

„Bei dem verständlichen großen Bedürfnis nach einem tierischen Partner bedenken Sie bitte immer zuerst die Bedürfnisse der Tiere und fragen Sie sich ehrlich, ob Sie dem Tier über seine ganze Lebenszeit eine artgerechte Haltung bieten können. Dazu gehören nicht nur genügend Platz in der Wohnung oder im Haus sondern auch finanzielle Mittel für die Pflege, das Futter und den Tierarzt“, appelliert Kreisordnungsdezernent Martin Gawrisch. „Letztlich muss in der momentanen Ausnahmezeit auch die Frage beantwortet werden, wie das Tier versorgt werden kann, wenn der Lockdown vorbei ist und die Familie wieder regulär ins Büro und in die Schule gehen muss.“