Unter Koordination der Universität Bonn untersuchen der Rhein-Erft-Kreis und seine 10 kreisangehörigen Kommunen, die Stadt Köln, die Stadt Dormagen und die Gemeinde Rommerskirchen Möglichkeiten zur Vermeidung von Landnutzungskonflikten.

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Rhein-Erft-Kreis

Bei der Vorstellung der NACHWUCHS-Zwischenergebnisse diskutierten Experten auch über Wege zur Umsetzung moderner Stadtentwicklungskonzepte.

Das Forschungsprojekt unter dem Titel NACHWUCHS ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des ‚Stadt Umland Netzwerk‘ (S.U.N.), in dem sich die 14 Gebietskörperschaften zusammengeschlossen haben.

Anlass des Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,4 Mio. Euro gefördert wird, ist der verstärkte Zuzug in den Ballungsraum rund um Köln. Deshalb verzeichnen die Kommunen vor den Toren der Großstadt ein teilweise stark steigendes Bevölkerungswachstum. Da Land nur begrenzt zur Verfügung steht, nimmt der Druck auf die Fläche immer weiter zu.

Bei einer Tagung im Kreishaus wurde rund 50 Fachleuten am Montag unter dem Titel „Status und Perspektiven für nachhaltiges Zusammenwachsen“ im Kreishaus Bergheim ein Analysetool zur Bestimmung der Nachhaltigkeit von städtebaulichen Entwicklungen präsentiert. Mit Indikatoren zu ökologischen, städtebaulichen und landwirtschaftlichen Themen können alle Flächen in der S.U.N.-Region hinsichtlich ihrer aktuellen und der zukünftigen multifunktionalen Gestaltung untersucht werden. Die Qualität nachhaltiger Raumentwicklung kann damit nun objektiv messbar gemacht werden. Das Tool stößt angesichts der hohen Nachfrage nach neuen Bauflächen in der Region auf großes Interesse bei den Kommunen.

Die Wissenschaftler der Uni Bonn sind aber nicht nur angetreten, um den Status Quo zu dokumentieren, sondern möchten mit den Kommunen und weiteren Akteuren aufzeigen, wie die Wohnflächenentwicklung zukunftsweisend gestaltet werden kann. Wichtige Ziele wie die Reduzierung der Verkehrsbelastung, der Erhalt der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft und ein breites Angebot für den individuellen Wohnraum werden dafür in regionalen Raumbildern mit innovativen Entwicklungsstrategien umgesetzt.

Im nächsten Schritt werden in den in den kommenden Monaten Workshops und bilaterale Gespräche mit den Kommunen geführt, um die bisher theoretischen Überlegungen mit realen Maßnahmen zu verbinden.

Stellvertretend für die S.U.N.-Kommunen formulierte Ralf Ritter, Abteilungsleiter des Amts für Stadtentwicklung, Statistik und Demografie Pulheim, die Leitfrage der anstehenden Arbeitsphase: „Wie können wir diese tollen Instrumente in die Realität übersetzen?“

Ein erstes praktisches Beispiel aus der Landwirtschaft präsentierte dabei die Landwirtschaftskammer in Form von Stadtfarmen. Auf ihnen können sich Bewohner der benachbarten Stadtquartiere an der Produktion von Gemüse und Obst beteiligen. Diese ökologische Produktion für lokale Märkte stärkt gleichermaßen die Einkommensbasis der Landwirte wie auch die Identifikation der Bewohner mit der Kulturlandschaft.

Projektkoordinator Prof. Dr. Theo Kötter von der Universität Bonn ist sich sicher, dass solche guten Beispiele und konkrete Lösungsvorschläge wichtig sind: „Mit innovativen Siedlungsmodellen wollen wir auch die Diskussion in der Kommunalpolitik anregen und Gemeinden überzeugen, dass Stadtquartiere auch mit höherer Dichte und grüner Infrastruktur eine hohe Lebensqualität bieten.“