[ Stand: 02 September 2021 - 13:17 Uhr ]

Kreisbrandmeister Peter Fenkl zur Nachbereitung der Starkregen und Hochwasserkatastrophe: Als Kreisbrandmeister der Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis und im Namen aller Leiter der Feuerwehren möchten wir Ihnen einen Zwischenstand zur Nachbearbeitung der Starkregen- und Hochwasserkatstrophe vom 15.07.2021 geben.

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Zunächst möchten wir allen Einsatzkräften, die im Rhein-Erft-Kreis und insbesondere in der stark betroffenen Stadt Erftstadt im Einsatz waren, großes Lob und höchste Anerkennung aussprechen. Die Einsatzkräfte aller beteiligten Feuerwehren und Organisationen arbeiteten professionell und hoch diszipliniert, die Zusammenarbeit war vorbildlich. Besonders beeindruckend war für uns aber auch die Einsatzbereitschaft und Unermüdlichkeit aller Beteiligten um diese Lage erfolgreich zu bearbeiten.Viele haben ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit riskiert, um zahlreichen Bürgern das Leben zu retten. Und dies gilt für alle Kräfte, unabhängig von ihrer Organisation oder Funktion. Sie haben dadurch in einer bisher nicht gekannten kreisweiten Einsatzlage allen Bürgerinnen und Bürgern über Tage bestmöglich Hilfe geleistet. Alle Feuerwehren aus dem Kreis haben sowohl im eigenen Stadtgebiet als auch in Erftstadt ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Landes- und bundesweite Hilfskräfte waren in die gemeinschaftlichen Gefahrenabwehrmaßnahmen eingebunden. Herausstellen möchten wir auch das bürgerliche Engagement von Spontanhelfern, von Nachbarschaftshilfen und vielen weiteren Freiwilligen und Unternehmen. Auch hier wurde Hand in Hand gearbeitet. Unsere Erftstädter Feuerwehr ist bis heute mit Einsatzmaßnahmen aufgrund der Katastrophe beschäftigt. Die Leistung der Erftstädter Kameraden ist besonders zu würdigen – das möchten wir ausdrücklich betonen.

Die Leistungen aller Einsatzkräfte in die richtigen Worte zu fassen, ist kaum möglich. Dennoch möchten wir anhand einiger Zahlen darstellen, welchen Herausforderungen sich unsere Einsatzkräfte gestellt haben. Wir sind dankbar und stolz, dass wir alle gefährdeten Menschen in der Notlage retten konnten, und wir sind weiterhin dankbar, dass alle Einsatzkräfte den Einsatz ohne schwerere Verletzungen überstanden haben. Die psychischen Belastungen und die vielen tragischen Momente werden noch lange auf unsere Einsatzkräfte wirken.

Es wurden im gesamten Rhein-Erft-Kreis im Zusammenhang mit dem Hochwasser mehr als 3.300 Einsätze bearbeitet. Es wurden durch die Einsatzkräfte mehr als 500 Personen gerettet und mehr als 500 Tiere in Sicherheit gebracht. Es mussten in den ersten 48 Stunden der Katastrophe mehr als 8.000 Notrufe durch unsere Leitstelle bearbeitet werden (Normalerweise bearbeiten wir bis zu 350 Notrufe in 24 Stunden). Allein im Stadtgebiet Erftstadt wurden weit mehr als 1.500 Einsätze bearbeitet, dort waren zu Spitzenzeiten 1.200 Einsatzkräfte gleichzeitig im Einsatz. Hinzu kamen weitere Einsatzlagen wie die drohende Krankenhaus-Evakuierung in Wesseling, das übergelaufene Abwasserbecken des Chemieparks in Hürth, die freigespülten und beschädigten Gas- und Kerosin-Pipelines in Pulheim und Erftstadt. Wir haben in dieser Hochwasserkatastrophe unter schwierigen Rahmenbedingungen nach bestem Wissen gehandelt. Die Lage hat uns zeitweise bis an unsere Leistungsgrenzen gefordert. Die Kritik an einzelnen Abläufen geht nicht spurlos an uns vorüber. Aber Kritik muss auch offen und fair sein. Für eine sachliche Klärung aller aufgeworfenen Fragen stehen wir jederzeit zur Verfügung. Die Aufarbeitung dieses Einsatzes wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Aber wir sind sicher, wir werden die richtigen Maßnahmen für uns ableiten und gemeinsam den Katastrophenschutz weiter verbessern. Wir möchten aktiv daran mitwirken, den Schutz der Bürgerinnen und Bürger weiterzuentwickeln und die Sicherheit im Rhein-Erft-Kreis an den Herausforderungen der Zukunft orientiert zu optimieren. Dennoch können auch wir nicht alle Gefahren vorhersagen, Katastrophen folgen nicht immer einer Planbarkeit und die dramatischen Entwicklungen in Erftstadt haben auch wir im Vorfeld nicht für möglich gehalten. Auch können wir in einer derartig großen und komplexen Einsatzlage mit vielen Einsatzschwerpunkten nicht an allen Einsatzstellen gleichzeitig tätig werden. Gefahrenabwehr ist eine staatliche Aufgabe mit vielen Akteuren und beteiligten Organisationen. Sie lebt in der Katastrophe von der Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Feuerwehren mit den Spezialkräften aus der Region bzw. dem gesamten Bundesgebiet.Die Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Rhein-Erft-Kreis leben vom ehrenamtlichen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger der Region. Alleine bei den 10 städtischen Feuerwehren im Kreis engagieren sich über 3000 Einsatzkräfte, davon sind rund 2500 ehrenamtlich tätig.

Getragen wurden unsere Einsatzkräfte von dem vielfachen Dank und der Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger. Jeder kleine Dank stärkt uns und bildet eine wertvolle Kraftressource. Wir – die Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis – werden auch in Zukunft für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Rhein-Erft-Kreis einstehen.