[ Stand: 11 Dezember 2019 - 15:51 Uhr ]

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Herrn Prof. Dr. Manfred Lämmer aus Frechen mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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Rhein-Erft-Kreis

Prof. Dr. Manfred Lämmer (r.) erhielt das Verdienstkreuz 1. Klasse von Landrat Michael Kreuzberg.

Im Rahmen einer Übergabezeremonie im Kreishaus hat Professor Dr. Lämmer die Auszeichnung an diesem Montag aus den Händen von Landrat Michael Kreuzberg überreicht bekommen.

In seiner Rede betonte der Landrat: „Beharrlichkeit in der Verfolgung seiner Ziele gepaart mit herausragendem Fachwissen, überragendem Verhandlungsgeschick und einem riesigen Herzen für den Sport: das zeichnet Prof. Dr. Lämmer aus. Sie sind ein Bürger des Rhein-Erft-Kreises, der über mehrere Jahrzehnte ehrenamtliche Tätigkeit vorzuweisen hat. Eine beachtliche Leistung, der wir unseren Respekt ausdrücken. Wir sind stolz auf Sie!“

Herr Lämmer hat aufgrund seines jahrzehntelangen Engagements im sportlichen und sportwissenschaftlichen Bereich sowie auf dem Gebiet der Völkerverständigung, auch in Anerkennung seines Lebenswerkes, Verdienste erworben, die eine Würdigung mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse im Wege der Erstauszeichnung rechtfertigen.

Prof. Dr. Lämmer hat Sportwissenschaft und klassische Philologie mit Abschlüssen in Latein, Griechisch und Geschichte studiert. 1975 wurde er auf den Lehrstuhl für Sportgeschichte an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) berufen und zum Leiter des Instituts für Sportgeschichte ernannt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten die Geschichte des antiken Sports und ihr Einfluss auf die moderne Olympische Bewegung. Im Jahr 2008 trat er in den Ruhestand. Sein Fachwissen hat er in ungezählten Publikationen und Beiträgen veröffentlich. Seit 1975 ist er Herausgeber der internationalen Zeitschrift für Geschichte des Sports „STADION“.

Bereits 1963, d.h. noch vor Aufnahme von diplomatischen Beziehungen, gehörte Prof. Dr. Lämmer als Student der ersten Gruppe von Sportlern an, die nach dem Zweiten Weltkrieg einer Einladung nach Israel folgte. Ihr sollten noch viele folgen, denn mit diesem Besuch begann sein jahrzehntelanges Engagement um die Entwicklung und Festigung der deutsch-israelischen Beziehungen. So war er von 1971 bis 2009 Koordinator der Partnerschaft zwischen der DSHS und dem „Wingate Institute for Physical Education and Sport“ in Netanya, dem nationalen Zentrum für Sport und Sportwissenschaft Israels. In dieser Zeit ist es ihm gelungen, sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf sportlicher Ebene ein außerordentliches Netzwerk aufzubauen und den Austausch von Lehrenden, Studierenden und Sportlerinnen und Sportlern beider Länder zu fördern. Nach seiner Emeritierung lehrt Prof. Dr. Lämmer, der die Landessprache spricht, bis heute in Israel, vor allem an der Universität in Haifa. In Kreisen des israelischen Sports ist er bekannt wie kein anderer Vertreter des deutschen Sports.

Seit 2009 leitet Prof. Dr. Lämmer das Forschungsprojekt „Der Beitrag des Sports zur Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen“. In diesem Rahmen hat er nicht nur umfangreiche Archivbestände in Israel und in Deutschland ausgewertet, sondern auch eine Vielzahl von Interviews mit Politikern, Funktionären und Sportlern geführt. Ergebnisse dieser Arbeit erschienen unter anderem im Jahr 2018 in seinem Buch „Deutsch-israelische Fußballfreundschaft“.

Darüber hinaus war Prof. Dr. Lämmer zeitlebens leidenschaftlicher Unterstützer der Olympischen Bewegung. Bereits seit 1963 ist er Mitglied der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), die sich für die Verbreitung des Olympischen Gedankens einsetzt. In den Jahren von 1983 bis 2000 war er Mitglied bzw. Vizepräsident im Bundespräsidium, in der Regionalgruppe Rheinland von 1969 bis 2017 Stellvertretender Vorsitzender. Als Beauftragter der Fair-Play-Initiative des deutschen Sports hat er maßgeblichen Anteil an der Förderung des Fair-Play-Gedankens und am Kampf gegen Doping, Gewalt und Rassismus auf nationaler und auf europäischer Ebene.

Seit 1993 gehörte Prof. Dr. Lämmer zunächst dem Direktorium des Deutschen Olympischen Instituts in Berlin an, seit 2007 ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) in Frankfurt, die sich mit Grundsatzfragen der Olympischen Bewegung beschäftigt. Mit seinem sporthistorischen Wissen und seinem besonderen Engagement um die deutsch-israelische sowie die gesamteuropäische Zusammenarbeit ist Prof. Dr. Lämmer für zahlreiche Projekte und Veranstaltungen der DOA verantwortlich.

In den Jahren 1972 bis 2008 war Prof. Dr. Lämmer zunächst für das Nationale Olympische Komitee für Deutschland und danach für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an der inhaltlichen Vorbereitung und der wissenschaftlichen Begleitung der Olympischen Spiele beteiligt. Bei der Gründung des Dachverbandes von 23 Nationalen Olympischen Akademien in Europa, „European Olympic Academies“ (EOA) im September 2018 wurde er zum ersten Präsidenten gewählt.

Eine besondere Rolle ist ihm auch bei der Veranstaltung der 14. European Maccabi Games im Sommer 2015 in Berlin zuzuschreiben, dem großen Fest des jüdischen Sports, das erstmals in Deutschland stattfand. Prof. Dr. Lämmer hat auch daran mitgewirkt, den Kooperationsvertrag des DOSB mit dem Nationalen Olympischen Komitee von Israel durch vielfältige Initiativen und Veranstaltungen mit Leben zu füllen. Zudem ist ihm die Entstehung des Deutschen Sport & Olympia Museums in Köln, das vor wenigen Tagen sein 20-jähriges Bestehen feierte, zu verdanken. Bis heute ist er Stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins.

Darüber hinaus engagierte sich Prof. Dr. Lämmer in der Internationalen Gesellschaft für die Geschichte der Leibeserziehung und des Sports (ISHPES), deren Vorläuferorganisation er 1973 mitbegründete. In den Jahren von 1972 bis 2004, d.h. über drei Jahrzehnte, hatte er verschiedene verantwortungsvolle Ämter in dieser weltweiten Vereinigung inne.

Für seine Verdienste wurde Prof. Dr. Lämmer im Jahre 2010 mit dem ISHPES-Award geehrt, 2012 erhielt er den ISOH Award, die höchste Auszeichnung der International Society of Olympic History. Die DOG zeichnete ihn 1997 mit der Ehrenurkunde, 2007 mit der Goldenen Ehrennadel und 2008 mit der bronzenen Ehrenplakette aus. Von der Internationalen Olympischen Akademie (IOA) erhielt er 2018 die silberne Ehrennadel.

Das Auswärtige Amt bestätigt, dass das Wirken von Herrn Prof. Dr. Lämmer das Ansehen von Deutschland in Israel positiv beeinflusst hat und befürwortet die Auszeichnung mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.