Mehr als 160 geladene Gäste trafen sich am Montagabend auf Einladung von Landrat Michael Kreuzberg zum diesjährigen Empfang der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus auf Schloss Bedburg.

Vertreter von Kreis, Kreisbauernschaft und Landwirtschaftskammer unterzeichnen die aktualisierte Kooperationsvereinbarung
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Rhein-Erft-Kreis/Schall

Vertreter von Kreis, Kreisbauernschaft und Landwirtschaftskammer unterzeichnen die aktualisierte Kooperationsvereinbarung

Die Begrüßung und Eröffnung nahm jedoch ein anderer vor: Der stellvertretende Landrat Bernhard Ripp vertrat Michael Kreuzberg, der in dieser Woche zu einer weiteren Verhandlungsrunde der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung in Berlin weilt.

Das Programm war dicht, aber auch sehr stark mit aktuellen Themen der Landwirtschaft verknüpft. Vor dem inhaltlichen Teil des Abends zeichnete der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Willy Winkelhag, den Buirer Landwirt Wolfgang Dahmen für sein 50. Meisterjubiläum aus. Außerdem wurde die langjährige Vorsitzende der Rheinischen Landfrauen im Kreis, Marlies Kolping, für ihr jahrzehntelanges Engagement mit der Ehrenurkunde der Rheinischen Landfrauen geehrt. Frau Kolping war sichtlich gerührt, als ihr die vorher nicht angekündigte Präsidentin der Rheinischen Landfrauen, Margret Voßeler-Deppe, die Urkunde überreichte. Mit sehr persönlichen Worten würdigten Voßeler-Deppe und Elisabeth Neiße, die aktuelle Kreisvorsitzende der Landfrauen, Frau Kolpings Arbeit im Verband.

Inhaltlich war der ‚Landwirteempfang‘ in diesem Jahr ganz vom Thema Flächenverbrauch geprägt. Die Bevölkerungsprognosen für den linksrheinischen Raum um Köln sagen bis 2030 ein starkes Bevölkerungswachstum voraus. Der Rhein-Erft-Kreis wird demnach auf über 500.000 Einwohner wachsen.

Auf diese Entwicklung hat der Rhein-Erft-Kreis reagiert und erarbeitet interkommunal abgestimmte Wachstumskonzepte, um eine fortgesetzte Zersiedlung mit negativen Folgen zu verhindern. Im Rahmen des Stadt Umland Netzwerks (S.U.N.), in dem der Kreis und seine Kommunen, die Städte Köln und Dormagen sowie die Gemeinde Rommerskirchen bereits seit 2016 kooperieren, wird nun das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt NACHWUCHS aufgelegt. NACHWUCHS steht für ‚Nachhaltiges Agri-Urbanes ZusammenWachsen‘ und hat das Ziel, innovative Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung durch neue Siedlungs- und Bauformen in der Wachstumsregion Rhein-Erft zu finden. Nachhaltig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der landschaftliche Freiraum erhalten werden muss, der nicht nur landwirtschaftlicher Produktionsraum auf fruchtbarsten Böden ist, sondern auch Lebensraum für Natur und Erholungsraum für die Menschen in der Region.

Die Zusammenhänge zwischen den Folgen des Wachstums erläuterte der Projektkoordinator Prof. Dr. Theo Kötter von der Universität Bonn. In einem sehr plastischen Vortrag zu den Landnutzungskonflikten zwischen Siedlungsentwicklung und Landwirtschaft im Rhein-Erft-Kreis machte er deutlich, dass die Zunahme der Siedlungsflächen um 50 % in den letzten 30 Jahren nicht fortgeführt werden kann, um die prognostizierten 167.000 neuen Einwohner zwischen Dom und Tagebauen bis 2030 mit Wohnraum zu versorgen.

Die Notwendigkeit, sich auf diese Entwicklung planerisch einzustellen, ist nicht nur dem Kreis und den Städten an Rhein und Erft, sondern besonders auch der Landwirtschaft bewusst. Es ist dieser Wirtschaftszweig, der einerseits einen Großteil der noch vorhandenen Freiflächen der Region bewirtschaftet, andererseits mit diesen Flächen aber auch Erholungsraum und Lebensraum für die heimische Tierwelt bietet.

In seiner Ansprache betonte Bernhard Ripp daher, wie verantwortungsbewusst die Landwirtschaft im Kreis mit dieser wichtigen Position umgehe und dass ihr „positiver Beitrag zu unserer räumlichen Entwicklung auch ins breite öffentliche Bewusstsein rücken sollte“.

Die Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft und dem Bereich Kreisplanung bei der Kreisverwaltung beruht dabei seit 2001 auf der ‚Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz‘, welche die Kreisbauernschaft, die Landwirtschaftskammer und der Kreis in einer aktualisierten Fassung am Montagabend erneuert haben. Die Vertragspartner haben die Vereinbarung nun um die Themenbereiche ‚Siedlungsentwicklung‘ und ‚Förderung der Biodiversität‘ ergänzt. Damit wird sie auch in den kommenden Jahren die Grundlage der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Rhein-Erft-Kreis sein.