[ Stand: 13 Februar 2020 - 14:40 Uhr ]

45 Ehrenamtliche und Fachkräfte der kommunalen Pflegeberatung, der Integrationsbeauftragten der Kommunen, der Migrantenorganisationen sowie ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen haben gestern an einem Workshop im Kreishaus Bergheim teilgenommen.

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Rhein-Erft-Kreis

Dr. Dietrich Engels (l.), Hauptreferent des Tages, mit dem Sozial- und Gesundheitsdezernenten des Kreises, Dr. Christian Nettersheim.

Im Fokus stand der Austausch, wie Pflegeeinrichtungen mit den besonderen Belangen und Bedarfssituationen von pflegebedürftigen Migranten umgehen können, deren Anzahl in den kommenden Jahren deutlich steigen wird.

Zahlen des ifo-Instituts machen die Lage deutlich: Unterstellt man für Migranten dieselben Pflegequoten wie für die Gesamtbevölkerung, so waren bereits im Jahr 2013 fast 260.000 Migrantinnen und Migranten pflegebedürftig. Davon waren 65 % über 60 Jahre alt. Bis zum Jahr 2030 wird die Anzahl pflegebedürftiger Migranten auf über 480.000 Personen anwachsen. Davon werden 77 % über 60 Jahre alt sein.

In seiner Begrüßung verdeutlichte der Sozialdezernent des Kreises, Christian Nettersheim, die Aufgabe vor der alle Pflegeeinrichtungen in Deutschland stehen und warum der Rhein-Erft-Kreis aktiv werde: „Menschen mit Migrationshintergrund werden im Durchschnitt 10 Jahre früher pflegebedürftig. Jedoch werden die Leistungen der Pflegeversicherung nur relativ selten von diesen Menschen in Anspruch genommen. Hier gilt es Zugangsbarrieren abzubauen, Wissens- und Informationsdefizite auszuräumen, sprachbedingte Barrieren auszugleichen aber auch Angebote entsprechend den ethnischen und interkulturellen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen anzupassen oder aufzubauen.“ Gleichzeitig gelte es durch gezielte Informationen kulturell tradierte Stigmatisierungen in Bezug auf verschiedene Krankheitsbilder, z.B. bei psychiatrischen Erkrankungen oder demenziellen Veränderungen, vorzubeugen.

Als Hauptreferent des Tages bot Dr. Dietrich Engels anschließend einen fachlichen Überblick, der sich an der konkreten Pflegesituation im Rhein-Erft-Kreis orientierte. Herr Engels ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln, das 2017 und 2019 mit der Erarbeitung der kommunalen Pflegeplanung des Kreises beauftragt wurde. Die Pflegeplanung ist so angelegt, dass sie in einem kontinuierlichen Planungsprozess fortgeführt werden kann, um das Versorgungssystem des Kreises auch in Zukunft passgenau gestalten und verbessern zu können. Einer der Bausteine dieses Prozesses ist die kultursensible Pflege. Anschließend übernahm Herr Engels auch die Moderation und Einordnung der weiteren Beiträge.

So berichteten ambulante und stationäre Einrichtungen aus dem Kreisgebiet von tagesaktuellen Erfahrungen im Umgang mit pflegebedürftigen Migrantinnen und Migranten.

Als Netzwerkpartner stellten das Kommunale Integrationszentrum (KI) des Rhein-Erft-Kreises und das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz ihre Unterstützungsangebote für Pflegeeinrichtungen vor. Für viele Migrantinnen und Migranten bestehen etwa erhebliche sprachliche und kulturelle Barrieren beim Zugang zu den Versorgungsangeboten des Gesundheits- und Pflegewesens. Das KI kann hier mit Sprachmittlern aus einem Pool ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer unterstützen, während das Regionalbüro auch Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen und zielgruppenspezifische Schulungsprogramme vorhält.