[ Stand: 13 Juli 2020 - 09:57 Uhr ]

Abstand halten von Raupen und Nestern

Warnschild vor dem Eichenprozessionsspinner
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UT, Adobe Stock

Warnschild vor dem Eichenprozessionsspinner

Der Klimawandel macht sich in den letzten Jahren mit immer trockeneren und heißeren Sommern bemerkbar. Für einige wärmeliebende Tierarten wird so eine starke Verbreitung ermöglicht – wie auch für den Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea), kurz EPS.

Im Rheinland ist der EPS in den letzten Jahren an immer mehr Eichen anzutreffen. Auch im Rhein-Erft-Kreis werden im Sommer von den Bürgerinnen und Bürgern EPS-Nester gemeldet. Die Raupen ernähren sich vor ihrer Verpuppung von den Eichenblättern, sodass es bei einem starken Befall zum Kahlfraß am Baum kommen kann. Jedoch ist der EPS nur bei mehreren aufeinander folgenden Befallsjahren eine wirkliche Gefahr für die Eiche – einmaligen Kahlfraß kann sie durch den Johannistrieb wieder ausgleichen.

Bedenkenswerter ist ein möglicher Kontakt der Raupen, bzw. ihrer Brennhaare, mit dem Menschen. Das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift Thaumetopein kann allergische Reaktionen, wie Juckreiz, Hautentzündungen, aber auch Asthma, Schwindel und Fieber auslösen. Da der EPS während seiner Zeit als Raupe an der Eiche Gespinstnester baut, stellen diese ganzjährig (auch nach dem Ausfliegen der Falter) eine Gefahr dar, da in und an diesen Nestern durchaus noch Brennhaare verbleiben können.

Ein Entfernen der Nester wird an denjenigen Bäumen, die sich an besonders kritischen Stellen wie etwa an Spielplätzen, Kindergärten oder Altenheimen, befinden, vorgenommen. Meist geschieht dies durch Absaugen, was allerdings einen Befall im nachfolgenden Jahr nicht wirkungsvoll verhindert. Der Einsatz von Bioziden ist hier erfolgsversprechender, allerdings kann dieses nur während der ersten 8 Wochen nach Schlüpfen der Raupen eingesetzt werden. Da dieser Zeitraum recht kurz ist und ein Befall nicht immer rechtzeitig entdeckt wird, ist der Einsatz eines Biozids nur bei gezielten Bekämpfungen und begleitet durch ein Monitoring sinnvoll. Problematisch ist das Verwehen dieser Mittel in die angrenzende Umgebung. So werden möglicherweise nicht nur die Raupen des EPS bekämpft, sondern auch andere Lebewesen in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Bekämpfen des EPS ist aber auch nicht allerorts notwendig: bei bspw. freistehenden Bäumen in der freien Landschaft ist ein Aufstellen von Hinweisschildern zur allgemeinen Information der Bevölkerung oder aber ein Absperren gefährdeter Bereiche ausreichend. Im Sinne eines nachhaltigen Bekämpfens des EPS ist grundsätzlich die Förderung der Biodiversität in der Landschaft allen chemischen oder mechanischen Methoden vorzuziehen.

Verschiedene Singvogelarten oder auch räuberische Käferarten profitieren nicht nur von einer Aufwertung der Natur durch bspw. Blühstreifen, Wildblumenwiesen oder artenreiche Hecken, sondern können gleichzeitig durch das Nutzen der EPS-Larven als Nahrungsquelle zu einer natürlichen Regulation der EPS-Population beitragen.

Das Anlegen von Blühstreifen wird im Rhein-Erft-Kreis durch den Vertragsnaturschutz unterstützt. Dennoch ist die massive Ausbreitung des EPS in Folge des Klimawandels absehbar auch in den nächsten Jahren ein Thema, das die Kommunen und Kreise immer wieder beschäftigen wird.

Der Rhein-Erft-Kreis möchte in diesem Zusammenhang die Bürgerinnen und Bürger aufklären und um Verständnis bei Absperrungen und um das Einhalten von Verhaltensregeln auf Hinweisschildern an Befallsorten bitten. Befallene Bäume sind weiträumig zu meiden, auf gar keinen Fall sollten die Nester aus der Nähe betrachtet oder gar angefasst werden. Sollte dennoch ein Kontakt mit den Brennhaaren des EPS stattgefunden haben, ist ein umgehendes Wechseln der Kleidung im Freien und eine gründliche Reinigung dieser bei mind. 60° sowie eine gründliche Dusche mit Haarreinigung und Augenspülung mit Wasser anzuraten. Bei gesundheitlichen Problemen in Folge des Kontakts ist ein Arzt aufzusuchen.

Ansprechpartnerin für Rückfragen ist beim Amt für Kreisentwicklung und Ökologie des Rhein-Erft-Kreis, Frau Vanessa Rothkegel, (02271/83-16134,

vanessa.rothkegel [at] rhein-erft-kreis.de).