[ Stand: 12 März 2020 - 17:14 Uhr ]

Am vergangenen Samstag fand auf Veranlassung des Krisenstabs des Rhein-Erft-Kreises an der Feuer- und Rettungswache in Kerpen erstmals eine kurzfristig organisierte Drive-in-Testung von neun Corona-Verdachtsfällen aus dem Kreisgebiet statt.

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Rhein-Erft-Kreis

Michael Vogel (r.) und Christian Nettersheim (2.v.l.) besprechen mit Hubert Titz (2.v.r.) und einem Mitarbeiter der Leitstelle den Ablauf der anstehenden Testungen.

Dies war ein erfolgreicher Testlauf, um das Verfahren zu verfeinern. Am gestrigen Mittwoch wurden dann erneut 22 Personen an gleicher Stelle getestet.

Alle zu testenden Personen fuhren in ihren privaten Fahrzeugen an eine Teststation im Innenhof der Wache, an welcher der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Dr. Hubert Titz, sowie eine weitere medizinische Fachkraft der Feuerwehr Kerpen Abstriche nahmen. Auf diese Weise gab es keine längeren Wartezeiten für die Verdachtsfälle und das Risiko einer gegenseitigen Ansteckung von Patienten oder medizinischem Personal wurde extrem minimiert. Bei der Samstagstestung war keine der getesteten Personen mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert, die Ergebnisse des gestrigen Tests stehen noch aus.

Obwohl die Testung von Verdachtsfällen eine Leistung im Rahmen der Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung durch niedergelassene Kassenärzte ist (Sicherstellungsauftrag), kann es dazu kommen, dass Hausärzte im Einzelfall keine Abstriche von Patienten in ihrer Praxis nehmen können. Neben Urlaubsschließungen von Praxen sind vor allem fehlende Schutzausrüstungen ein limitierender Faktor.

Der Rhein-Erft-Kreis hat deshalb kurzfristig reagiert und bei jenen Verdachtsfällen Abstriche genommen, die nachweislich keine Möglichkeit hatten, sich bei einem niedergelassenen Arzt testen zu lassen.

„Als Gesundheitsamt ist es unsere Aufgabe, die Kontaktpersonen im Umfeld von Corona-Patienten über das richtige Verhalten in ihrer Situation aufzuklären. Dies betrifft insbesondere die Menschen im Kreis, die sich in häuslicher Quarantäne befinden. Die eigentliche Behandlung von Patienten ist dann Aufgabe der niedergelassenen Ärzte. Da in einigen Fällen aber nicht die Möglichkeit bestand, den von uns empfohlenen Corona-Test durchzuführen, sah sich der Rhein-Erft-Kreis in der Pflicht, diesem begrenzten Personenkreis eine Alternative und damit Gewissheit über den eigenen Gesundheitszustand zu verschaffen“ erklärte Gesundheits- und Sozialdezernent Christian Nettersheim.

Künftige Testverfahren in diesem Modus sollen von Kassenärzten aus dem Kreisgebiet durchgeführt werden.

Ein Abstrich muss nur von jenen Personen genommen werden, die gemäß den Kriterien des Robert Koch-Instituts als Verdachtsfall gelten. Dieser Personenkreis steht bereits in Verbindung mit dem Kreisgesundheitsamt, weil er nach Kontakt mit einem bestätigten COVID-Fall unter häuslicher Quarantäne steht. Weitere Personen kommen für eine Testung nicht infrage; weder durch Hausärzte noch im Drive-in-Verfahren.

Verdachtsfall ist, wer nicht nur Erkältungssymptome zeigt, sondern auch im unmittelbaren Kontakt mit einer an COVID-19 erkrankten Person stand oder sich in einem der vom RKI definierten Risikogebiete aufhielt. Alle im Drive-in-Verfahren getesteten Personen gehören zu dieser Kategorie. Die Bestimmung erfolgt ausschließlich durch Ärzte des Gesundheitsamtes.

Kreisdirektor Michael Vogel: „Ich danke der Stadt Kerpen und namentlich dem Leiter der Feuerwehr Kerpen, Andre Haupts, dass er uns kurzfristig die Möglichkeit geboten hat, unseren Testlauf und den ersten Volleinsatz an der Wache durchzuführen. Da sich auch die Kreisleitstelle in diesen Räumlichkeiten befindet und wir als Kreis die dortige Infrastruktur nutzen konnten, hat sich diese Lösung angeboten. Künftige Drive-In-Testungen werden nun über das Kreisgebiet verteilt. Einladungen dazu werden nur von unserem Gesundheitsamt und nach klarer medizinischer Indikation verschickt.“