„Es ist der häufigste Wunsch, den die Beraterinnen bei den Hausbesuchen hören: Ich möchte in meinem Haus bleiben!“ – mit diesen Worten fasste der Sozialdezernent des Rhein-Erft-Kreises, Dr. Christian Nettersheim, gestern auf einer Pressekonferenz im Kerpener Rathaus Anlass und Ziel des Projekts ‚Präventive Hausbesuche bei Seniorinnen und Senioren‘ zusammen.

©

Rhein-Erft-Kreis

v.l.n.r.: Bürgermeister Dieter Spürck, AWO-Pflegedienstleiterin Karin Loran, Kreissozialdezernent Christian Nettersheim.

Bei den Hausbesuchen sollen ältere Menschen beraten werden, wie sie möglichst lange selbständig in der eigenen häuslichen Umgebung leben können.

Nach dem Pilotprojekt in Wesseling im vergangenen Jahr legt der Rhein-Erft-Kreis auf Beschluss des Kreistags das Programm in jeweils zwei Städten in den Jahren 2019 und 2020 erneut auf. In Summe stehen dafür 175.000 Euro zur Verfügung. Neben den anlaufenden Besuchen in Kerpen prüft aktuell die Stadt Brühl, ob sie das Projekt verwaltungsseitig noch 2019 begleiten kann.

In Kerpen wurden Anfang Juli die ersten 500 Briefe an Seniorinnen und Senioren im Stadtteil Sindorf verschickt. Die weiteren Stadtteile folgen nacheinander, um die Nachfrage zeitnah bedienen zu können. Innerhalb der kommenden 12 Monate sollen dann alle ca. 6.400 Menschen über 75 Jahren in der Kolpingstadt angeschrieben worden sein. Die Briefe stehen unter den offiziellen Briefköpfen der Stadt und des Kreises, zudem werden die Beraterinnen mit Foto vorgestellt, um die Seriosität des Angebots zu verdeutlichen.

Für die Stadt betonte Bürgermeister Dieter Spürck die Bedeutung des Angebots als ergänzende Säule neben dem Senioren-Beirat, dem Behinderten-Beirat und dem Netzwerk 55+. Besonders dankte er dem AWO Regionalverband Rhein-Erft & Euskirchen als örtlichem Kooperationspartner, der in Person von Karin Loran und Annalisa Fritsch die Hausbesuche durchführen wird. Auf diese Weise könnten zum einen Netzwerke außerhalb der familiären Sphäre geschaffen werden, die Seniorinnen und Senioren im Alltag Unterstützung böten. Außerdem sei der Kontakt zur AWO niederschwelliger als die Anfrage beim Sozialamt, von dem manche Ältere fälschlich befürchteten, das Amt könne sie in einem Heim unterbringen.

Die AWO-Pflegedienstleiterin Karin Loran, welche eine von zwei Ansprechpartnerinnen ist, berichtete anschließend von den ersten telefonischen Kontaktaufnahmen in den vergangenen Tagen. Die Bandbreite der Fragen reiche vom Lob und Dank, dass es ein solches Angebot gäbe, über die Bitte zur Suche einer Putzfrau, bis hin zum Beratungswunsch, wie die Wohnung barrierearm umgebaut werden könnten.

Die Erfahrungen der Pilotphase in Wesseling zeigen, dass die ‚Präventiven Hausbesuche‘ regelmäßig nur der erste Kontakt vor einer Vermittlung an Fachstellen sind. Zudem geht es nicht nur, sondern auch um Pflege. Das bestimmende Thema ist vielfach die Vereinsamung älterer Menschen, die häufig keinen Hausbesuch, sondern eher die Vermittlung zu Gleichgesinnten außerhalb der eigenen vier Wände suchen.

Herr Nettersheim zog noch einen anderen Schluss aus den Hausbesuchen in Wesseling: „Letztes Jahr meldeten sich je nach Stadtteil 5 bis 7 Prozent der Angeschriebenen zurück. Wir haben den Ehrgeiz, diese Quote zu erhöhen.“ Dem schloss sich Bürgermeister Spürck ausdrücklich an, der mindestens 10 Prozent als Zielmarke nannte. Dafür werde seine Verwaltung das Angebot sehr aktiv in allen Gremien und Initiativen bewerben, die in der Kerpener Seniorenarbeit aktiv sind.

Kontaktdaten zur Terminvereinbarung für einen Hausbesuch:

  • Das Kontakttelefon der AWO ist 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 02271/799600 zu erreichen.
  • Alternativ kann man auch eine E-Mail an leitunghp [at] awo-bm-eu.net schreiben.