[ Stand: 19 März 2019 - 10:40 Uhr ]

Das dem Bundesgesundheitsministerium unterstellte Robert Koch-Institut (RKI) hat als Bundesinstitut auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention dieses Jahr erstmalig den "Tag des Gesundheitsamtes" ausgerufen.

Schuba
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Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat

Dr. Franz-Josef Schuba, Leiter des Gesundheitsamtes

Der 19. März ist dafür nicht zufällig gewählt. An diesem Tag jährt sich ist der Geburtstag des Arztes Johann Peter Frank (1745-1821), der als Begründer des Öffentlichen Gesundheitswesens gilt.

Der Gesundheitsdezernent des Kreises, Dr. Christian Nettersheim, unterstützt das Ziel des RKI, die Bedeutung der kommunalen Gesundheitsämter stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken: „Das Kreisgesundheitsamt ist besonders für jene Bevölkerungsgruppen da, die keinen oder nur erschwerten Zugang zur medizinischen Regelversorgung haben und übernimmt hier insbesondere eine Lotsenfunktion. Wir unterstützen und beraten in allen Lebenslagen und in jedem Alter. Das reicht von der zahnärztlichen Profilaxe im Kindergarten bis hin zur sozialpsychatrischen Beratung von Suchtkranken. Wir leisten damit einen wichtigen gesellschaftlichen Dienst, der über die Behandlung oder Beratung von Einzelpersonen weit hinausgeht.“

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Franz-Josef Schuba, betont die Stellung seines Amtes in der Gesundheitslandschaft: „Das Öffentliche Gesundheitswesen ist neben den ambulanten und stationären Diensten die dritte Säule des Gesundheitswesens. Wir nehmen dabei nicht nur die Bürgerinnen und Bürger selbst in den Blick, sondern sehen den Rhein-Erft-Kreis als Gesundheitslandschaft. Deshalb beteiligen wir uns an der Facharztausbildung von Allgemeinmedizinern, sind Kontroll- und Eingreifbehörde, leisten aber auch eine engagierte Netzwerkarbeit.“

Das Kreisgesundheitsamt gliedert sich in fünf Abteilungen, die teilweise mehrere Dienstbereiche zusammenfassen. Einige der Kolleginnen und Kollegen stellen hier nun die größten Arbeitsbereiche des Amts mittels eines kleinen Fragebogens vor:

Der Amts- und Sozialärztliche Dienst, Dr. Peter Henzel

Henzel

Wer bin ich und was mache ich?

Ursprünglich habe ich nach Abschluss meines Studiums eine psychiatrisch-neurologische Weiterbildung mit Schwerpunkt Reha und Sozialmedizin begonnen, wechselte dann aber in den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Heute bin ich Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen mit Sozialmedizin, Abteilungsleiter der Amts- und Sozialärztlichen Dienstes sowie stellvertretender Amtsleiter.

Wann und wo begegnen Sie mir?

Da gibt es viele Möglichkeiten: In der Sprechstunde des Amts- und Sozialärztlichen Dienstes, bei Hausbesuchen, z. B. für Pflegegutachten oder die Behindertenberatung, bei anderen Beratungsangeboten (AIDS, Prostitution, Besondere Notlagen/Frühe Hilfen), aber auch bei Prüfungen von Fachkräften (Rettungssanitäter, Notfallassistenten, Krankenpfleger etc.) oder der Begehungen von Praxen. Außerdem arbeite ich in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen mit.

Wie viele und welche Untersuchungen erledigt meine Abteilung?

Die Vielfalt der Aufgaben meiner Abteilung führt dazu, dass wir auch viele Untersuchungen vornehmen. Ich beschränke mich daher auf einen Ausschnitt unserer Leistungen. In einem Jahr schreiben wir über 1.000 amtsärztliche Gutachten, über 300 sozialärztliche Gutachten, beraten bei über 150 Terminen über HIV/AIDS und leisten fast 1.000 Behindertenberatungen. Eine relativ neue Aufgabe sind die Beratungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz. Das sind etwa 250 pro Jahr.

Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Dr. Karin Moos

Moos

Wer bin ich und was mache ich?

Mein Medizinstudium habe ich an der Universität Düsseldorf absolviert und dort auch den Masterstudiengang Public Health abgeschlossen. Nach Stationen in Krankenhäusern und hausärztlicher Tätigkeit wechselte ich 2007 als Abteilungsleiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes zum Rhein-Erft-Kreis. Nebenher bin ich noch Dozentin an der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf

Wann und wo begegnen Sie mir?

Der klare Schwerpunkt der medizinischen Arbeit liegt in der Untersuchung von Einschul- und Kindergartenkindern. Bei den Untersuchungen prüfen wir die altersgerechte Entwicklung der kognitiven und motorischen Fähigkeiten mittels standardisierter Testverfahren. Die Ergebnisse dienen der Elternberatung und der Vermittlung von Förderangeboten in Frühfördereinrichtungen und sozialpädagogischen Einrichtungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Erstellung von Gutachten im Rahmen der Eingliederungshilfe und Inklusion in Kindergärten und Schulen. Dies betrifft insbesondere Kinder mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen. Der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst beteiligt sich als Netzwerkpartner an langfristigen Projekten in verschiedenen Kommunen des Kreises und initiiert über seine Datenerhebung regelmäßig anlassbezogene Berichte im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung

Wie viele und welche Untersuchungen erledigt meine Abteilung?

Der Rhein-Erft-Kreis ist ein großer Kreis, in dem viele Kinder leben. Daher kommen einige Untersuchungen zusammen. Das sind jedes Jahr etwa 4.500 Einschulungsuntersuchungen, über 1.100 Kindergartenreihenuntersuchungen, über 1.300 sozialärztliche Gutachten und fast 3.000 J1-Untersuchungen bei 6.-Klässlern. Natürlich arbeiten wir auch anlassbezogen mit Schulen zusammen. So erstellten wir zuletzt noch über 100 AOSF-Gutachten für Förderschülerinnen und -schüler oder über 380 Seiteneinsteigeruntersuchungen von Kindern, die aus dem Ausland an eine Schule im Kreis wechseln. Alles in allem kam meine Abteilung im letzten Jahr auf über 11.000 Untersuchungen.

Der Sozialpsychatrische Dienst, Peter Lüdigk

Lüdigk

Wer bin ich und was mache ich?

Ich bin Facharzt für Psychiatrie und Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes. Meine Abteilung berät und begutachtet Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreisgebiet. Ein wichtiger Baustein ist aber auch die Netzwerkarbeit in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, bei der wir Einrichtungen und Institutionen bezogen auf die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen unterstützen.

Wann und wo begegnen Sie mir?

Neben den Untersuchungen und Beratungen im Kreishaus in Bergheim und der Nebenstelle in Hürth trifft man uns bei Hausbesuchen, bei Einsätzen nach dem Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG) zusammen mit Ordnungsämtern und der Polizei. Im Netzwerk arbeiten wir u.a. in der PSAG (Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft) sowie mit weiteren kommunalen Stellen und Einrichtungen im Kreis.

Wie viele und welche Untersuchungen erledigt meine Abteilung?

Jährlich leisten wir rund 1.500 Beratungsgespräche und zwischen 250 und 300 ärztliche Begutachtungen.

Umwelthygiene und Infektionsschutz, Dr. Jens Nickel

Nickel

Wer bin ich und was mache ich?

Ich bin Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie. Vor meiner Tätigkeit beim Gesundheitsamt war ich im Krankenhaus tätig und leite heute die Abteilung für Infektionsschutz und Umwelthygiene.

Wann und wo begegnen Sie mir?

Den Menschen an Rhein und Erft begegne ich überwiegend bei Begehungen von Einrichtungen des Gesundheitswesens wie Krankenhäusern, Einrichtungen des ambulanten Operierens oder Einrichtungen der außerklinischen Beatmungspflege. Wir prüfen aber nicht nur, wir beraten auch Einrichtungen im Falle des Ausbruchs von Infektionskrankheiten (z.B. bei Durchfallerkrankungen in Pflegeeinrichtungen). Die Kolleginnen und Kollegen, die als Hygienekontrolleure tätig sind, prüfen fast täglich Einrichtungen wie Kitas, Pflegeeinrichtungen oder Tätowierstudios, wo sie regelmäßige Kontroll- und Beratungstätigkeiten durchführen. Im Bereich der Tuberkuloseüberwachung beraten wir auch im konkreten Einzelfall behandelnde Ärzte, Kontaktpersonen von Erkrankten sowie Bürgerinnen und Bürger. Auch umwelthygienische Stellungnahmen, beispielsweise zu Bauvorhaben von Industrieunternehmen, gehören zur Tätigkeit der Abteilung.

Wie viele und welche Untersuchungen erledigt meine Abteilung?

Meldepflichtige Infektionskrankheiten werden uns in über 2.000 Fällen im Jahr angezeigt, die anschließende Beratung von Bürgerinnen und Bürgern gehört dazu. Zu den meldepflichtigen Krankheiten gehören mit jahreszeitlichen Schwerpunkten Noroviren, Influenzaviren oder Campylobacter-Bakterien.

Aufwendiger ist das Verfahren bei den 40 bis 50 Tuberkulose-Neufällen pro Jahr. Diese lösen aus, dass wir jährlich über 2.000 Kontaktpersonen der Erkrankten ermitteln und auf eine Ansteckung hin untersuchen.

Wir schulen über 3.000 Menschen, die beruflich mit der Herstellung, Verarbeitung oder dem Verkauf von Lebensmitteln zu tun haben im hygienisch korrekten Umgang mit den Lebensmitteln.

Bei fast 300 Einrichtungen wie podologischen Praxen, Piercingstudios oder Tätowierstudios führen wir Hygieneuntersuchungen durch. Hinzu kommen über 300 Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen, die wir im Rahmen von Begehungen hygienisch überwachen.

Ein ganz eigener Bereich ist die Überwachung des Trinkwassers und von Badegewässern. Es fallen alleine 1.200 Trinkwasseranlagen unter diese Kontrollen. Zudem prüfen wir die Schwimmbäder und Badeseen im Kreis über 470 Mal auf ihre Wasserqualität.

Gesundheitsaufsicht und -verwaltung, Rolf Kollmetz

Wer bin ich und was mache ich?

Anders als die anderen Abteilungsleitungen bin ich kein Arzt, sondern habe eine Verwaltungsausbildung und bin heute Leiter der Gesundheitsaufsicht und -verwaltung.

Wann und wo begegnen Sie mir?

Meine Aufgaben dienen vor allem dem inneren Betrieb des Gesundheitsamtes, weshalb ich überwiegend im Kreishaus tätig bin. Gleichwohl kommt es gelegentlich zu Begegnungen, beispielsweise mit Menschen anderer Nationalität, welche ihre medizinische Ausbildung in ihrem Heimatland für eine berufliche Tätigkeit in Deutschland anerkennen lassen möchten. Auch Krankenpflegedienste müssen sich bei meiner Abteilung anmelden. Die Apothekenaufsicht liegt in meiner Abteilung und ist nicht nur bei der Aufsicht selbst gefragt, sondern auch bei der Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im Rahmen einer ärztlichen Behandlung. Zudem organisieren wir die Gesundheitskonferenz des Kreises unter Vorsitz des Landrats, in der sich Fachkräfte aller Bereiche des Gesundheitswesens im Kreis austauschen.

Wie viele und welche Untersuchungen erledigt meine Abteilung?

Den Schwerpunkt machen fast 1.000 Prüfungen bei bereits niedergelassenen Angehörigen von Gesundheitsfachberufen aus. Hinzu kommen etwas mehr als 300 Neuprüfungen und zusätzlich 150 Anträge im Bereich der nichtärztlichen Heilberufe. Im Bereich der Arzneimittel- und Apothekenaufsicht nehmen wir rund 130 Begehungen vor.