[ Stand: 06 April 2021 - 10:00 Uhr ]

Biodiversität bei landwirtschaftlicher Nutzung - eine Chance für Landwirtschaft und Naturschutz

Bild zum Vertragsnaturschutz
©

Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat

Seit 2004 besteht im Rhein-Erft-Kreis für landwirtschaftliche Betriebe die Möglichkeit, auf Basis der Rahmenrichtlinien Vertragsnaturschutz und des Kreiskulturlandschaftsprogramms am Vertragsnaturschutz teilzunehmen und so einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz und zur Förderung der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen im Rhein-Erft-Kreis zu leisten.

Die Ertragseinbußen durch die Berücksichtigung naturschutzfachlicher Belange bei der Bewirtschaftung werden anteilig aus Mitteln der EU, des Landes NRW und des Rhein-Erft-Kreises ausgeglichen. In Zeiten sinkender Erzeugerpreise kann der Vertragsnaturschutz durch Integration von Nutzung und Naturschutz auch einen Beitrag zur Sicherung landwirtschaftlicher Einkommen leisten.

Im Laufe der Geschichte hat der Mensch das Gesicht der Landschaft umfassend verändert. An die Stelle der natürlichen ausgedehnten Wälder trat eine vielfältige Kulturlandschaft. Ihre Wurzeln reichen z.T. weit in die Geschichte von Ackerbau und Viehzucht zurück, womit sie nicht nur Natur-, sondern auch Kulturerbe ist. Ob Heiden, Orchideenrasen, blumenbunte Wiesen oder artenreiche Ackerfluren, ohne landwirtschaftliche Nutzung sind die bedrohten Elemente der Kulturlandschaft nicht zu erhalten.

Wer und was wird gefördert?

Anträge können Landwirte*innen stellen, deren Wirtschaftsflächen (Pacht oder Eigentum) im Rhein-Erft-Kreis liegen. Förderfähig sind landwirtschaftliche Nutzflächen, die bereits eine hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz haben oder ein entsprechendes Entwicklungspotential aufweisen.

Gefördert wird z.B.:

  • die extensive Ackernutzung zum Schutz von Acker-Lebensgemeinschaften mit Insekten und Feldtieren wie Grauammer, Feldlerche, Rebhuhn, Kiebitz oder Feldhase

  • die extensive Ackernutzung zum Schutz europaweit gefährdeter Arten wie Feldhamster oder Knoblauchkröte

  • die Extensivierung und Pflege von artenreichen Wiesen oder Weiden.

Die Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von 5 Jahren. Die Auszahlung erfolgt jährlich durch die EU-Zahlstelle der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Höhe der Förderung richtet sich nach den festgelegten Bewirtschaftungsmaßnahmen bzw. Einschränkungen.

Ziele

Ziel des Kulturlandschaftsprogramms im Rhein-Erft-Kreis ist neben dem Erhalt bereits naturschutzfachlich wertvoller Flächen wie z.B. des ehemaligen Munitionsdepots im Friesheimer Busch vor allem die Wiederherstellung und der Erhalt artenreichen Grünlandes auf ehemaligen Grünlandstandorten und die Förderung stark gefährdeter Tier- und Pflanzenarten der offenen Ackerlandschaft. Die Zielgebiete konzentrieren sich in einer Gebietskulisse vor allem entlang der Fließgewässer, in Naturschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Gebieten als auch auf weite Bereiche der Jülich-Zülpicher Börde im Kreisgebiet.

Auf ehemaligen oder artenarmen Grünlandstandorten steht die Wiederansiedlung von typischen blütenreichen Wiesenkräutern aus der Region im Vordergrund, wohingegen die Ackerextensivierung dem Schutz und der Förderung stark gefährdeter Tierarten wie beispielsweise Grauammer, Feldlerche, Rebhuhn, Feldhamster, Kiebitz, Knoblauchkröte oder Rohr- und Wiesenweihe dient.

Die Erfolge

Im Jahr 2004 konnten bereits mit 24 Landwirten Verträge auf etwa 100 ha Fläche geschlossen werden, die den Erhalt und die Aufwertung von alten Grünlandstandorten durch Extensivierung zum Ziel hatten.

Seitdem hat sich die Zahl der teilnehmenden Landwirte*innen auf ca. 100 erhöht und die Vertragsnaturschutzflächen verteilen sich mit inzwischen ca. 1.200 ha über das ganze Kreisgebiet (Stand 2021). Die extensive Nutzung von Grünlandfächen konnte auf ca. 250 ha mehr als verdoppelt werden. 600 ha Ackerflächen werden inzwischen feldhamsterfreundlich bewirtschaftet und auf weiteren ca. 350 ha legen die landwirtschaftlichen Betriebe v.a. für Insekten und Vogelarten der freien Feldflur artenreiche und bunte Blühstreifen, Brachflächen oder Ernteverzichtsstreifen an.

Grundlage der Einbindung von Landwirten*innen in Naturschutzmaßnahmen und der angemessenen Honorierung naturschutzfachlicher und landschaftspflegerischer Leistungen ist neben dem Kreiskulturlandschaftsprogramm und den Rahmenrichtlinien Vertragsnaturschutz auch die Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz, die im Juni 2001 zwischen der Kreisbauernschaft, der Landwirtschaftskammer Rheinland und dem Rhein-Erft-Kreis abgeschlossen und 2018 um die Themen Siedlungsentwicklung und Biodiversität ergänzt wurde.

Die Honorierung der Vertragsnaturschutzmaßnahmen auf Acker- und Grünlandflächen des Rhein-Erft-Kreises stellt eine verlässliche Einnahmequelle der teilnehmenden Landwirte*innen dar, die bei einer Förderquote von ca. 99 % (Stand 2021) durch EU- und Landesmittel eines nur geringen Eigenanteils des Kreises bedarf.

Betreuung und Umsetzung

Im Auftrag des Rhein-Erft-Kreises hat die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft die Beratung, Vertragseinwerbung und fachliche Betreuung der Landwirte*innen im Kreiskulturlandschaftsprogramm übernommen.

Falls Sie grundsätzlich Interesse an der Teilnahme im Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis haben, wenden Sie sich bitte an die

Biologische Station Bonn/Rhein-Erft
Auf dem Dransdorfer Berg 76
53121 Bonn
Tel: 0228 2495-799
info@BioStation-Bonn-Rheinerft.de
www.BioStation-Bonn-Rheinerft.de

Zweigstelle Rhein-Erft-Kreis im Umweltzentrum Friesheimer Busch 
Friesheimer Busch 1 
50374 Erftstadt
B.Arnold@BioStation-Bonn-Rheinerft.de
Mobil: 0177 3081170
M.Schindler@BioStation-Bonn-Rheinerft.de
Mobil: 0176 78621112
k.Jungmann@biostation-bonn-rheinerft.de
Mobil: 0176 96973828

Bitte beachten Sie, dass Förderanträge bis zum 30.06. eines Jahres über ELAN bei der Landwirtschaftskammer NRW eingereicht werden müssen.

Der Rhein-Erft-Kreis ist Bewilligungsbehörde für den Vertragsnaturschutz. Ansprechpartner in der Kreisverwaltung ist das Amt für Kreisentwicklung, Ökologie und Klimafolgenanpassung, Team Kreisplanung (Tel. 02271-83-16124, -16127 oder -16128).