Rhein-Erft-Kreis kooperiert mit Gold-Kraemer-Stiftung

Süßes, kleines Mädchen mit bemalten Händen
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Wie können wir unsere Heimat vor der eigenen Haustüre so gestalten, dass darin alle Menschen ein Zuhause finden, in dem sie uneingeschränkt teilhaben können, und das sie mit ihren Wünschen und Möglichkeiten mitgestalten können? Unter dieser Fragestellung fand gestern (15. Februar) die Auftaktveranstaltung der Fortbildungsreihe „Inklusion konkret – Besser gemeinsam“ im inklusiven Begegnungszentrum der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen statt. Partner dieser Initiative sind die Gold-Kraemer-Stiftung und die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, die zusammen mit den Kommunen Stadt Köln, Rhein-Erft-Kreis und Stadt Frechen durch Fachtagungen und vielfältige Veranstaltungen Inklusion in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens fördern wollen.

Den Themenschwerpunkt setzt die Bildungsinitiative 2018 auf die Bedeutung von Inklusion vor Ort, in den Städten, Gemeinden, Vierteln und Quartieren. Das Thema stellt eine Herausforderung dar, die nicht alleine durch Fachleute gemeistert werden kann. „Wollen wir eine Gesellschaft, die konkret und auf Augenhöhe alle Mitglieder einer Gemeinschaft mit ihren Potentialen einbindet, erfordert das einen tiefgreifenden Kulturwandel im Denken und Handeln“, sagte Professorin Brigitte Caster vom Kompetenzzentrum „Soziale Innovation durch Inklusion“ der Technischen Hochschule Köln. Die Ingenieurin für Architektur warb mit ihrem Vortrag „Neue Räume – Inklusion im Quartier“ bei den rund 100 Vertreter*innen aus Wohlfahrtsorganisationen, Kommunen, Selbsthilfegruppen, Wohn-, Kultur-, und Sportanbietern für einen notwendigen Perspektivwechsel unter Beteiligung aller gesellschaftlicher Organisationen und der betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Inklusion könne man nicht delegieren. Sie sei Sache aller Mitglieder der Gesellschaft.

Die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben stößt nicht nur durch eine oft fehlende oder mangelhafte barrierefreie Infrastruktur an manche Grenzen. „Es fehlt eher die Erkenntnis, dass jede sichtbare äußere Barriere ihren Ursprung in unseren Denkmustern und Gewohnheiten hat“, so Brigitte Caster, „das, was als ‚normal’ gilt, ist sozial konstruiert und kein Naturgesetz. Normalitätserwartungen können also verändert werden.“

„Nur durch ein sich stetig weiterentwickelndes Netzwerk können wir die großen Herausforderungen vor der eigenen Haustüre meistern“, sagte Johannes Ruland, Vorstandsvorsitzender der Gold-Kraemer-Stiftung bei seiner Rede. Deshalb biete „Inklusion konkret“ in 2018 eine Reihe von Fachtagungen mit Blick auf eine neue Sozialraumentwicklung, die die Lebensbereiche Wohnen, Kultur, Sport, Freizeit und ehrenamtliches Engagement einschließt. „Insbesondere durch die Befähigung von Menschen mit Behinderung zu mehr Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft sowie die Informationsvermittlung und Schulung von Fachleuten in Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen als Experten in eigener Sache wollen wir einen Veränderungsprozess bei der Wohnraumgestaltung anstoßen“, so Johannes Ruland weiter.

Für die Kommunen, Stadtviertel und Quartiere ist eine offene, Teilhabe ermöglichende Gesellschaft neben aller Herausforderung vor allem aber auch eine Chance, ganz neue innovative Konzepte bei der Wohnraumgestaltung zu entwickeln. „Inklusion ist kein `Gutmenschentum`, sie ist vielmehr eine kluge und weitsichtige Vorgehensweise und führt zur Erkenntnis, dass wir erst deutliche Fortschritte bei der Gestaltung unserer Heimat machen, wenn wir ALLE Ressourcen integrieren“, lautete das Credo der Wissenschaftlerin. Jede und jeder sei gefordert, den eigenen Beitrag zu leisten, in den vielfältigen Bildungseinrichtungen, in den Vereinen, in der Nachbarschaft oder zuhause. Inklusion ist ein Veränderungsprozess und umfasst mehr, als gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder Menschen in höherem Alter mit zunehmenden körperlichen oder geistigen Einschränkungen. „Die Gesellschaft steht vor einem grundlegenden Wandel des Miteinanders, der allen dient und niemandem schadet“, so Brigitte Caster.

Weitere Informationen zur Fortbildungsreihe finden Sie auch auf der Homepage "Inklusion konkret".

Das Programm 2018 im Überblick:

  • 15. März 2018 Fachtag „Kultur vor Ort“ – Möglichkeiten inklusiver Freizeitgestaltung im Sozialraum
  • 03. Mai 2018 Fachtag „Bewegung vor Ort“ – Neue Wege für Bewegung und Mobilität im Sozialraum
  • 18. Mai 2018 Exkursion zum Kirschblüten-Carré Hürth
  • 21. Juni 2018 Fachtag „Wohnen inklusiv“ – Innovative Wohnkonzepte für Menschen mit und ohne Behinderung
  • 13. September 2018 Fachtag „Ehrenamt vor Ort“ – Das Ehrenamt für alle nutzen
  • 21. September 2018 Stadtführung in Einfacher Sprache – Die Kölner Altstadt ganz einfach erkunden
  • 04. Oktober 2018 Seminar „LEA-Leseklub“ – Sozialräumliche Teilhabe mit Lesen
  • 12. Oktober 2018 Stadtbegehung in Bergheim – Barrieren im Alltag erkennen und vermeiden
  • 22. November 2018 Abschlussveranstaltung – Dokumentation und Ausblick