Staatssekretär Dr. Edmund Heller zu Gast im Kreishaus

Staatssekretär Edmund Heller (l.) und Sozialdezernent Christian Nettersheim in einer Demenz-Musterwohnung, die alltägliche Hindernisse für Demenzkranke veranschaulicht.
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Rhein-Erft-Kreis

Staatssekretär Edmund Heller (l.) und Sozialdezernent Christian Nettersheim in einer Demenz-Musterwohnung, die alltägliche Hindernisse für Demenzkranke veranschaulicht.

Der Rhein-Erft-Kreis wächst, aber er altert auch. 27 % der Bevölkerung sind 60 Jahre und älter, die Zahl der Hochbetagten, also Menschen über 80 Jahre, liegt bei über 25.000 und entspricht mehr als 5 % der Bevölkerung an Rhein und Erft. Mit dieser demographischen Lage und der prognostizierten Entwicklung der kommenden Jahre und Jahrzehnte ergeben sich Herausforderungen, denen der Kreis gerecht werden will.

Deshalb findet vom 21.-28. April die 4. Demenzwoche Rhein-Erft unter Schirmherrschaft des Landrats, organisiert vom Amt für Familie, Generationen und Soziales und in enger Abstimmung mit vielen Kooperationspartnern statt.

Anlässlich der feierlichen Eröffnung im mit über 100 Personen voll besetzten Großen Sitzungssaal des Kreishauses dankte Kreissozialdezernent Christian Nettersheim am Samstag bei der Eröffnungsveranstaltung insbesondere dem Demenz-Service-Zentrum Region Köln und das südliche Rheinland unter Leitung von Stefan Kleinstück. Mit Engagement und Ehrgeiz sei es dem Gespann aus Demenz-Service-Zentrum und Kreis in den letzten Jahren gelungen, „viel im Sinne von Menschen mit Demenz im Rhein-Erft-Kreis in Gang zu bringen und umzusetzen.“

„Demenz darf kein Tabu sein“ ist das Leitmotiv aller Demenzwochen. Standen allerdings bisher eher Aufklärung, Sensibilisierung und Vernetzung von Gleichgesinnten auf der Agenda, sollte die Perspektive in diesem Jahr erweitert werden. Das diesjährige Leitthema „Demenz & Kultur“ wurde daher bewusst gewählt, um weiterführende Anknüpfungspunkte zu finden.

In seinen einleitenden Worten erklärte Christian Nettersheim, dass „Kunst mit all ihren Facetten Türen für und zu Menschen mit Demenz öffnen sowie Erinnerungsanstöße geben kann“. Für Menschen mit Demenz zähle nur noch die Gegenwart, wenn auf das Gedächtnis kein Verlass mehr sei. „Deshalb ist es so wichtig, dass demenziell veränderte Menschen Impulse bekommen, Erinnerungen wachzurufen – auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist.“ Damit lege die Demenzwoche in diesem Jahr besonderen Wert auf den Aspekt der gesellschaftlichen Teilhabe, damit Menschen mit Beeinträchtigungen „Teil der Gesellschaft bleiben und soziale Kontakte pflegen können“.

An der 4. Demenzwoche, beteiligen sich viele Akteure und Institutionen aus allen zehn Kommunen des Kreises. Dazu zählen Musikschulen, Stadtbüchereien und Bibliotheken, der Sängerkreis Rhein-Erft, Theatergruppen, die Gold-Kraemer-Stiftung und viele Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet. Das vollständige Programm steht auf der Homepage des Kreises zur Verfügung.

Nach der Einleitung des Sozialdezernenten sprach der Staatssekretär des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Edmund Heller, ein Grußwort. Darin betonte er, dass die zunehmende Häufigkeit von Demenz die öffentlichen Erklärungen wie „Demenz gehört in die Mitte der Gesellschaft“, „Demenz gehört zu unserem Leben“ oder auch „Demenz muss als gesellschaftlicher Normalfall begriffen werden“ rechtfertige. Wichtig sei es aber auch, darauf zu achten, dass niemand das Wort „Normalität“ missverstehe. Die Demenz sei für die Betroffenen der Ausnahmezustand und alles andere als etwas Normales.

Den fachlichen Abschluss der Eröffnungsveranstaltung bildeten die Vorträge der Kunsthistorikerin Irmgard Schifferdecker vom Max-Ernst-Museum Brühl und des Theologen Stefan Knor. Frau Schifferdecker erläuterte wie ein Museumsbesuch für Menschen mit Demenz ansprechend und nachvollziehbar gestaltet werden kann. Herr Knor referierte zur Einbeziehung von Menschen mit demenziellen Veränderungen in die Gesellschaft. Exemplarisch stellte er dies in seinem Vortrag zur Kunst von demenziell erkrankten Menschen vor und verdeutlichte dies auch an einer Reihe mitgebrachter Exponate.