Veranstaltung unter dem Titel „60 Jahre Europäische Einigungsgeschichte – Erfolgsbilanz und Herausforderungen für die Zukunft”

Bild zeigt Michael Kreuzberg (vierter v. l.) und Hans-Jürgen Petrauschke (zweiter v. r.) mit den Referenten und dem Leiter der Staatskanzlei Franz-Josef Lersch-Mense (zweiter v. l.)
© Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat
Michael Kreuzberg (vierter v. l.) und Hans-Jürgen Petrauschke (zweiter v. r.) mit den Referenten und dem Leiter der Staatskanzlei Franz-Josef Lersch-Mense (zweiter v. l.)

Gestern Abend haben der Rhein-Erft-Kreis und der Rhein-Kreis Neuss, die gemeinsam das Europe Direct Informationszentrum Mittlerer Niederrhein unterhalten, den diesjährigen Europatag im Lichthof des Kreishauses Neuss ausgerichtet.

Der Einladung der beiden Landräte Michael Kreuzberg und Hans-Jürgen Petrauschke zur öffentlichen Diskussionsrunde folgten etwa 80 Gäste.

Alljährlich wird Anfang Mai der Europatag als Mahnung zu Frieden und Einheit in Europa begangen. Während der 9. Mai der Jahrestag der Schuman-Erklärung ist, der damalige französische Außenminister Robert Schuman beschwor 1950 in einer berühmten Rede seine Idee einer europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, ist das Kriegsende am 8. Mai 1945 auch als Tag der Befreiung in die deutsche Geschichte eingegangen.

Der diesjährige Europatag stand vor dem Hintergrund des 60. Jahrestags der Römischen Verträge unter dem Titel „60 Jahre Europäische Einigungsgeschichte – Erfolgsbilanz und Herausforderungen für die Zukunft”.

Als Gäste begrüßten die Landräte u. a. Franz-Josef Lersch-Mense, Chef der Staatskanzlei und Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie die hochkarätigen Referenten Mirja Hannele Ahokas, stellvertretende Leiterin der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, Karl-Heinz Florenz, Europaabgeordneter für die Region Niederrhein, sowie Walter Leitermann, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas sowie etwa 80 Gäste.

Landrat Michael Kreuzberg betonte in seinem Grußwort die wechselhafte Integrationsgeschichte Europas und trat damit dem Eindruck entgegen, der Austritt Großbritanniens sei der Anfang vom Ende der EU.

„Der Brexit ist für sich genommen der vielleicht größte Rückschritt der europäischen Integration, er ist aber nicht der erste und nicht ihr Ende. Aber: Es bedarf aus meiner Sicht mehr Ehrlichkeit und Realismus, wenn Ansprüche an die Europäische Union formuliert werden. Wir müssen den Bürgern eine Perspektive von Europa vermitteln, die dessen Nutzen darstellt. Europa oder gar ein „mehr davon“ sind nicht Selbstzweck“, so Kreuzberg.

Weiter betonte er die Notwendigkeit, die demokratische Diskussions- und Partizipationskultur zu stärken, da diese unabdingbar für die Kräftigung von Legitimation und Rückhalt Europas sei: „Während heute populistische Hasardeure in vielen EU-Staaten antieuropäische Stimmungen schüren, waren es vor 60 Jahren Frauen und Männer vom Format eines Konrad Adenauers oder eines Charles de Gaulles, die wenige Jahre nach den schlimmsten Verheerungen, die unser Kontinent je gesehen hat, die Größe und die Weitsicht besaßen, Europa als Friedens- und Einheitsprojekt neu zu begründen. Nun sind es Namen wie Petry, Gauland oder Le Pen, die mit diesem Erbe brechen wollen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür Sorge tragen, dass solche Personen keinen dauerhaften Schaden anrichten können.“

Nachdem die Referenten in ihren Beiträgen eine ehrliche Bilanz der Europäischen Einigungs- und Integrationsgeschichte gezogen hatten, diskutierten Experten wie Gäste gemeinsam angeregt über den weiteren Weg der Union. Der abschließende Imbiss ließ Zeit für den weiteren Gedankenaustausch.