Demenz - Hilfe heute und in der Zukunft
Demenz ist ein Schicksal, das immer mehr Menschen betrifft. Etwa 1,2 Millionen ältere Menschen in Deutschland, sind an einer Form von Demenz erkrankt, die meisten leiden an Alzheimer. Allein im Rhein-Erft-Kreis leben ca. 10.000 Menschen mit diesem Krankheitsbild.
"Bereits vor Jahren haben mich diese Zahlen nachdenklich gemacht und zu der Überlegung geführt, wie ich es möglich machen kann, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und Ihren Angehörigen im Rhein-Erft-Kreis zu verbessern.", so Landrat Werner Stump.
Dieser Herausforderung stellt sich der Rhein-Erft-Kreis in Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum NRW Region Köln und das südliche Rheinland seit 2006 kontinuierlich. Landrat Werner Stump freut sich um so mehr, dass es nun gelungen ist, das Thema Demenz auch in den Fokus der deutsch-polnischen Partnerschaft zu stellen.
Mit dieser Idee hat sich der Rhein-Erft-Kreis an der Ausschreibung eines Partnerschaftswettbewerbes seitens der Landesregierung Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahres 2011/2012 beteiligt. Bei der Preisverleihung wurde die Idee mit einer Summe in Höhe von 8.000 Euro honoriert. Dieser Betrag wird genutzt, um den Grundstein für einen grenzübergreifenden Austausch zum Thema Demenz zu legen. Statistischen Angaben zu Folge leben die Menschen in Deutschland heute über 30 Jahre länger als noch vor 100 Jahren. Der Anteil der Älteren und Hochaltrigen nimmt deutlich zu.
Bei sinkender Gesamtbevölkerungszahl wird bis zum Jahr 2030 bereits jeder dritte Bundesbürger älter als 60 Jahre sein. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Häufigkeit demenzieller Erkrankungen stark an. Diese Entwicklung macht jedoch an den Staatsgrenzen der Bundesrepublik Deutschland nicht halt, sondern findet auch in anderen europäischen Staaten statt. Alterung ist ein globales Phänomen. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung sinken erfahrungsgemäß die Kinderzahlen, während die Lebenserwartung steigt. Parallel zu dieser Entwicklung wird auch die Zahl von Menschen mit Demenz ansteigen. Dabei ist eines jedoch klar: Demenz kann jede und jeden von uns jederzeit treffen – sowohl in Deutschland als auch in Polen.
Sowohl in Deutschland als auch in Polen gibt es Menschen. die vom Krankheitsbild betroffen sind, Angehörige, die lernen müssen, damit umzugehen, dass geliebte Menschen sich aufgrund der Krankheit verändern, Mediziner und professionelle Pflegekräfte, die eine gute Versorgung von Menschen mit Demenz sicherstellen sollen.
Kaum etwas in unserem Leben fürchten Menschen mehr, als im Alter den Verstand zu verlieren. Damit die Krankheit einen Teil ihres Schreckens verliert und somit Stück für Stück verstanden und händelbar wird, braucht das Thema "Demenz" Öffentlichkeit. Die öffentliche Unterstützung benötigen sowohl die betroffenen Menschen und die mitbetroffenen Angehörigen als auch Mediziner und professionelle Pflegekräfte.
Nicht nur für die an Demenz erkrankten Personen stellt die Erkrankung einen erheblichen Einschnitt in das bisherige Leben dar. Von den Auswirkungen und Begleiterscheinungen im individuellen Krankheitsverlauf sind stets die Familien und Angehörigen in besonderem Maße und in mehrfacher Hinsicht mitbetroffen.
Überwiegend werden Demenzkranke zu Hause, in vertrauter Umgebung, vom Ehepartner oder den Kindern gepflegt. Hier variieren die Zahlen zurzeit noch. Werden in Deutschland etwa 72 % aller von Demenz
betroffenen Menschen zu Hause versorgt, sind es in Polen nach Angaben des statistischen Bundesamtes heute ca. 97 %.
"Ich habe großen Respekt vor diesen Menschen, denn ein an Demenz erkrankter Angehöriger bedeutet für die pflegende Familie, dass alles anders wird. Rollen kehren sich um, aus Eltern werden Kinder, Träume
und Lebenspläne zerplatzen und die gemeinsamen Erinnerungen drohen zu verschwinden.", so Landrat Werner Stump.
Neben psychischer und physischer Beanspruchung sind zusätzlich finanzielle und soziale Probleme zu bewältigen. Immer wieder hört man, wie belastend es ist, wenn ein nahe stehender Mensch sich plötzlich völlig verändert, teilweise sogar aggressiv auf die Angehörigen zugeht oder sie überhaupt nicht mehr erkennt. Immer wieder hört man, dass tiefe Schuldgefühle bei den Angehörigen entstehen, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, immer freundlich auf das Verhalten ihrer Angehörigen reagieren zu können.
Im weiteren Lebensumfeld fehlt es immer noch an Verständnis für das oftmals irritierende Verhalten Demenzkranker, für deren Ängste und Bedürfnisse sowie das Verständnis für die Sorgen und Nöte der
pflegenden Angehörigen. Pflegende verdienen einerseits mehr gesellschaftliche Anerkennung und andererseits mehr gesellschaftliche Unterstützung.
Erkrankte und pflegende Angehörige dürfen nicht alleine gelassen und zu Bürgern 2. Klasse werden. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir uns mit unserem befreundeten Kreis in Bielsko-Biala entschlossen, das Thema Demenz auch in den Fokus unserer partnerschaftlichen Freundschaft zu stellen.
Landrat Werner Stump: "Bei meiner Rede zum 10-jährigen Jubiläum der Partnerschaft habe ich gesagt, dass mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsverträge in 2001 das Fundament für eine große Freundschaft gelegt wurde. Viele Projekte im Bereich Kultur, Tourismus, Kinder und Jugendliche sind bisher zu tragenden Säulen dieser Freundschaft geworden. In diesem Jahr erhält dieses "Haus der Freundschaft" einen weiteren Ausbau. Bereits am 16.06.2011 hat in Bielsko-Biala sehr erfolgreich die 1. Fachtagung mit dem Titel "Hilfe heute und in der Zukunft" stattgefunden."
