Kreisplanung und Naturschutz - Vogelfütterung im Winter


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Vogelfütterung im Winter

20.11.11 07:51
Für das Naturerleben ist die Winterfütterung eine schöne Sache. Nicht nur Kinder haben am Futterplatz Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu beobachten. Bei der Winterfütterung der gefiederten Gäste muss man jedoch einige Grundregeln beachten, damit man keinen Schaden anrichtet und sich das winterliche Füttern nicht nachteilig auf die Vögel auswirkt.

Allerdings - bei dem Thema Vogelfütterung scheiden sich die Geister. Einerseits ist der Wunsch verständlich, etwas Gutes für die Vögel zu tun und sie während der Wintertage auch beobachten zu können. Andererseits ist eine Winterfütterung in der Regel überflüssig und kann bei falscher Durchführung eher schaden. Von der Fütterung im Winter profitieren ohnehin nur die häufigsten heimischen Vogelarten wie Blaumeise, Kohlmeise, Amsel, Haussperling, Buchfink oder Rotkehlchen. Sie sind auch in Gebieten zahlreich, wo nicht gefüttert wird.

Heimische Vögel haben schon lange vor der "Erfindung" der Winterfütterung in Mitteleuropa überwintert und dafür die unterschiedlichsten Nahrungsquellen erschlossen (z.B. Früchte heimischer Pflanzen, Samen und Körner, überwinternde Insekten). Selbst so eifrige Futterhausbesucher wie Meisen bevorzugen ganzjährig eigentlich Insekten. Vogelfutter stellt für die meisten Arten nur ein "leicht verdientes Zubrot" dar.

Wer in seinem Garten kein Fallobst, Reisig, keine Laubhaufen oder verwelkte Blumen und Stauden hat, aber die Vögel im Winter trotzdem heranlocken und beobachten möchte, der muss bei der Vogelfütterung unbedingt folgende Regeln beachten.

Wann und wie kann gefüttert werden?

  • Erst bei dauerhaft geschlossener Schneedecke, bei Vereisungen oder wenn der Boden hart gefroren ist, sollte gefüttert werden. Dann aber auch regelmäßig. Ein vorzeitiges Füttern zur Eingewöhnung ist nicht erforderlich. 
  • Auf Sauberkeit am Futterplatz ist zu achten, da sich sonst Krankheiten verbreiten. Wählen Sie Futterspender, in denen die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können. Die Futterhäuschen sollen so konstruiert sein, dass das Futter nicht durchnässt werden kann, da es ansonsten verdirbt. Ebenso muss das Futter vor Vereisung geschützt werden.
  • Im Winter finden die Vögel in Form von Schnee und Reif genug Wasser. Das Anbieten von vorgewärmten Wasser ist deshalb überflüssig. Insbesondere dürfen keine Vogel-Badewannen hingestellt werden, da das durchnässte Gefieder der Tiere bei Frost vereisen kann.
  • Platzieren Sie Futterspender mit genügend Abstand zu Glasscheiben (mindestens 2 Meter) und an einer übersichtlichen Stelle, so dass sich keine Katzen anschleichen können.
  • Geeignet zum Füttern sind Sonnenblumenkerne, Hanf, Getreidekörner, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, Obst, Rosinen, Wildbeeren, Futterringe und Futterknödel, Kokosnusshälften mit Rinderfett oder Rindertalgstücke.
  • Füttern Sie nie Speisereste, kein gesalzenes oder gewürztes Futter, kein reines Fett (z.B. Margarine, Butter, auf keinen Fall Speckschwarten). Schon geringe Salzmengen können zum Tod der Vögel führen. Auch Brot sollte nicht angeboten werden, da es im Magen der Vögel aufquillt.
  • Je nach Witterung muss die Winterfütterung im Februar/März eingestellt werden. Die Futtermenge sollte allmählich verringert werden, damit die Tiere wieder lernen, sich ihr Futter selbst zu suchen. 
  • Keinesfalls darf über den Winter hinaus gefüttert werden. Wer seine Meisen während der Brutzeit füttert, handelt verantwortungslos. Die Altvögel verfüttern nämlich die leicht erreichbaren Sonnenblumenkerne an die Jungvögel, deren Verdauungstrakt nur auf leicht verdauliche tierische Nahrung eingestellt ist. Schwerverdauliche Sämereien führen zum Tod der Jungtiere.
  • Aufpassen beim Vogelfutterkauf: Die Allergie auslösende Pflanze Ambrosia wird u.a. auch durch Vogelfutter verbreitet. Ehemals aus Nordamerika eingeschleppt, breitet sich Ambrosia, deren Pollen starke Allergien hervorrufen können, jetzt auch in Deutschland immer weiter aus.

Lebensräume für heimische Vogelarten

Häufig herrscht der Irrglaube vor, dass unsere Vogelwelt das winterliche Futter aus Menschenhand zum Überleben brauche. Dies ist in der Regel nicht der Fall. Aus Gründen des Artenschutzes ist eine Fütterung nicht notwendig. Nur etwa 10 Prozent der Brutvogelarten profitieren von der Fütterung auf dem Fensterbrett oder im Futterhaus. Der starke Rückgang vieler Vogelarten ist auf die Vernichtung bzw. drastische Verschlechterung ihrer Lebensräume zurückzuführen. Vielen Vogelarten wird durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und durch Überbauung und Versiegelung weiter Flächen die Lebensgrundlage entzogen.

Unsere Landschaft bietet kaum noch abwechslungsreiche, vielfältige Strukturen, wie z.B. Hecken, Feldgehölze, Dauergrünland, Feuchtwiesen, Feldraine oder artenreiche Waldränder. Fast alle Äcker und Wiesen werden intensiv genutzt und darüber hinaus mit Pestiziden behandelt. Nur naturnahe oder extensiv genutzte Flächen bieten den bei uns überwinternden Vögeln reichlich Nahrung und Lebensraum. Samen von Wildkräutern, Früchte von heimischen Gehölzen und Insekten, deren Eier und Larven in der Rinde alter Bäume oder in hohlen Pflanzenstängeln überwintern, sind die natürliche Nahrung heimischer Vögel. Das vorrangige Ziel für den Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist daher die Erhaltung von vielfältigen Lebensräumen.

Helfen Sie Vögeln das ganze Jahr über

Vogelfreunde, die wirklich helfen möchten, beschränken sich nicht auf die vorübergehende Futterbeschaffung im Winter. Sie können die gefiederten Freunde durch folgende Maßnahmen unterstützen und ganzjährig versorgen und somit auch das ganze Jahr über beobachten.

  • Pflanzen Sie einheimische, Früchte tragende Sträucher und Hecken. Pflanzen Sie Obstbäume, die v.a. im Spätsommer den Vögeln reichlich Nahrung bieten.
  • Die Fruchtstände vieler Blumen, Stauden und Gräser bieten Vögeln Nahrung, zudem finden Insekten fressende Vögel hier viele Kleinlebewesen. Wichtig ist, dass Gartenstauden im Herbst nicht geschnitten werden. In hohlen Stängeln, Blattachsen und Blütenresten überwintern viele Insekten, von denen sich Weichfresser wie Rotkehlchen, Kleinspechte und Zaunkönige ernähren. Die Samenstände der Stauden dienen Körnerfressern wie Finken, Ammern und Zeisigen als Nahrung. 
  • Bringen Sie Nisthöhlen an, falls Ihr Garten keinen älteren Baumbestand besitzt oder hängen Sie Halbhöhlen als Nisthilfen auf. 
  • Begrünen Sie Mauern und Fassaden mit Kletterpflanzen, die den Vögeln Nistplätze und Nahrung bieten. 
  • Lassen Sie das Laub im Herbst liegen oder kehren Sie es unter die Büsche. Unter den Blättern suchen Rotkehlchen, Amseln und Singdrosseln bevorzugt nach Nahrung. In Laub- und Komposthaufen können auch Igel, Kröten, Schmetterlinge und andere Kleinlebewesen überwintern. Außerdem bieten sie Zaunkönigen und Heckenbraunellen hervorragende Brutplätze. 
  • Erhalten Sie nach Möglichkeit Äste und Bäume mit Höhlen, auch wenn sie abgestorben sind. Dort finden Höhlenbrüter einen natürlichen Nistplatz. 
  • Entschärfen Sie gefahrenträchtige Glasfenster und Glasfassaden durch Greifvogelsilhouetten oder Streifenaufkleber.

Winterzeit im "unaufgeräumten" Garten

In punkto Vogelfütterung im Winter zeigt sich, wie angenehm Umweltschutz im eigenen Garten sein kann. Man spart Arbeit, wenn man im Herbst den Garten nicht wie ein Wohnzimmer aufräumt und damit den Tieren alle Nahrungsquellen ausräumt. Man spart Geld, wenn man nun kein Futter mehr zusätzlich kaufen muss. Auf den Besuch und die Beobachtungsmöglichkeiten der gefiederten Freunde braucht trotzdem nicht verzichtet zu werden - die Vögel kommen auch für das natürliche Angebot von Früchten, Insekten, Körnern und Samen in Ihren Garten.