Schutz des Feldhamsters
Jetzt ist die Situation völlig anders - die Feldhamsterpopulationen sind stark zurückgegangen. Im Rhein-Erft-Kreis ist es heute ein Glücksfall, wenn man einen Feldhamster in freier Feldflur entdeckt.
Aufgrund seiner starken Abnahme musste der Feldhamster 1999 in NRW in die Kategorie 1 "vom Aussterben bedroht" der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere Nordrhein-Westfalens aufgenommen werden. Gemäß Bundesartenschutzverordnung gehört er zu den besonders geschützten Tierarten.1992 wurde er wegen seines auch europaweiten Rückgangs zudem in die Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie zu den europaweit bedrohten, streng zu schützenden Tierarten aufgenommen. Dies verpflichtet die europäischen Mitgliedsstaaten, die notwendigen Schutzmaßnahmen zu treffen und die Lebensraumbedingungen zu optimieren.
Kennzeichen
Der etwa 20 bis 35 cm große Nager zeichnet sich durch eine auffällig bunte Fellzeichnung aus - das gelblich-braune Rückenfell steht im Kontrast zu dem schwarzen Bauchfell. Kopf und Flanken weisen weiße Flecken auf, auch die Pfoten sind weiß, der kurze Schwanz rotbraun.
Der Feldhamster erreicht ein Gewicht von 200 bis 500 g. Mit seinem kräftigen, gedrungenen Körperbau, den mittelgroßen runden Ohren und den kurzen Beinen mit kräftigen Füßen ist er an das Leben unter der Erde gut angepasst.
Lebensweise
Der überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Feldhamster wohnt in selbst gegrabenen unterirdischen Bauen. Er wird erst zwischen Ende März und Anfang Mai aktiv. Feldhamster sind Einzelgänger und kommen nur in der Paarungszeit zusammen. Die Weibchen bringen im Sommer 1 bis 2 Würfe mit jeweils 2 bis 5 Jungen zur Welt. Die Weibchen sind sehr standorttreu und leben in relativ kleinen Revieren (0,1 bis 0,5 ha). Die Reviere der Männchen umfassen mehrere Weibchen-Reviere und sind 1 bis 2 ha groß. Beide Geschlechter legen auch schon mal größere Entfernungen von einigen 100 Metern zurück.
Feldhamster ernähren sich überwiegend vegetarisch von grünen Pflanzenteilen und Samen; aber auch Insekten, Schnecken, Regenwürmer und sogar Feldmäuse werden nicht verschmäht.
In den Bördelandschaften des Rheinlands legen die Hamster ihre Baue bevorzugt in Getreidefeldern (vor allem Winterweizen) an, die wegen des im Frühjahr vorhandenen dichten Bewuchses bessere Lebensbedingungen bieten als Rüben- und Maisflächen, die erst später im Jahr genügend Deckung aufweisen.
Jedes Tier besitzt einen eigenen Bau. Im Sommer befinden sich die Baue meist 40 bis 50 cm unter der Erdoberfläche, im Winter bis zu 2 m tief (frostgeschützt). Sie sind in Nest-, Vorrats- und Kotkammer gegliedert.
Für die Winterruhe von Oktober bis April "hamstert" er im Spätsommer Getreidekörner, Erbsen, Wildkrautsamen etc., die er in seinen Backentaschen in den Bau einträgt.
Verbreitung in NRW und im Rhein-Erft-Kreis
Der Feldhamster besiedelt in NRW nur die Ackerbaugebiete mit tiefgründigen Lehm- und Lössböden und tiefen Grundwasserspiegel /<120 cm) mit einem Hauptverbreitungsgebiet in der Niederrheinischen Bucht westlich des Rheins. Im Rhein-Erft-Kreis sind bisher Vorkommen bei Bergheim und Pulheim bekannt.
Nachweise
Ob Feldhamster in einem Bereich vorkommen, kann am ehesten durch das Vorhandensein von Bauten festgestellt werden, denn die Tiere sind aufgrund ihrer Lebensweise nur selten zu beobachten. Die Baue selbst erkennt man gut im April, wenn die Vegetation noch niedrig ist, aber auch nach dem Abernten der Getreidefelder vor der ersten Bodenbearbeitung.
Charakteristisch für Hamsterbaue ist das Vorhandensein von wenigstens einer senkrechten runden Fallröhre von mind. 30 cm Tiefe und 6 bis 8 cm Durchmesser, in die sich der Hamster bei Gefahr stürzt. Die Röhren von bewohnten Bauen sind innen glatt geputzt. Schräge Röhren können zusätzlich vorhanden sein. Oft liegt neben ihnen eine größere Menge ausgeworfener Erde; die Pflanzen um die Röhren herum sind häufig abgefressen.
Gefährdung und Schutz
Hauptursache für den Rückgang der Feldhamster sind die Veränderungen der landwirtschaftlichen Bearbeitungsmethoden im Laufe der letzten Jahrzehnte.
So führen das Abernten auch großer Felder innerhalb kürzester Zeit und das sofortige Umbrechen der Getreidestoppeln nach der Ernte bei den Hamstern zu Nahrungsmangel - gerade dann, wenn sie mit dem Sammeln der Wintervorräte beginnen. Zusätzlich werden durch den Einsatz von Bioziden, durch die Verschmälerung von Feldrainen sowie die Beseitigung von Kleinstrukturen in der Feldmark mögliche Nahrungsquellen des Feldhamsters vernichten oder zumindest stark reduziert. Hinzu kommt der Rückgang des Getreideanbaus auf den fruchtbaren Böden zugunsten von Mais-, Kartoffel- und Gemüseanbau.
Ein langfristiger Schutz des Feldhamsters in der intensiv genutzten Agrarlandschaft ist durch eine extensivere Ackernutzung zu erreichen. Eine reich strukturierte Agrarlandschaft, die dem Feldhamster Deckung und ein ausreichendes Nahrungsangebot bietet, ist die Voraussetzung für das Überleben des Feldhamsters.
Dies soll auf freiwilliger Basis durch die Änderung der Bewirtschaftungsformen durch die ortsansässigen Landwirtinnen und Landwirte erfolgen.
Das Land NRW hat deshalb nach Auslaufen des "Artenhilfsprogramms Feldhamster" den Vertragsnaturschutz um Maßnahmenpakete zum Schutz des Feldhamsters ergänzt, die für solche Flächen abgeschlossen werden können, auf denen selbst oder angrenzend Feldhamsterbaue nachgewiesen wurden.
Die maximal mögliche Prämie für eine solche „hamsterfreundliche“ Ackerbewirtschaftung liegt bei 1.469,- € / ha. Grundsätzlich sind dabei die folgenden Bewirtschaftsmaßnahmen einzuhalten:
- Fruchtfolge: Innerhalb von 5 Jahren muss mindestens 3 Jahre Wintergetreide oder eine der folgenden Feldfrüchte Sommergetreide, Körnerleguminosen, Luzerne, Klee / Kleegras angebaut werden
- Bodenbearbeitung: Pflügen nur bis 30 cm Tiefe und keine Bodenbearbeitung zwischen dem 1.4. und 15.10. (bei anschließendem Anbau von Wintergerste bis 20.9.)
- Stoppelruhe auf dem gesamten Schlag: Belassen der Stoppeln als Deckung mind. 20 cm hoch bis 15. Oktober; hächseln bis 20 cm Stoppelhöhe zulässig
- Pflanzenschutz: ganzjähriger Verzicht auf Rodentizide
Zusätzlich können verschiedene andere Bewirtschaftsmaßnahmen (ganzjähriger Verzicht auf Dünger, Jauche, Gülle und/oder Klärschlamm, auf Tiefenlockerung, der Ernteverzicht auf Teilflächen, die Beschränkung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes oder die Einsaat von Luzerne oder Klee/Kleegras) durchgeführt werden.
Falls Sie Interesse haben, den Feldhamster zu unterstützen und am Vertragsnaturschutz zum Schutz des Feldhamsters im Rhein-Erft-Kreis teilnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an die
Biologische Station Bonn
Auf dem Dransdorfer Berg 76
53121 Bonn
Tel: (02 28) 24 95-799
info@BioStation-Bonn.de
www.BioStation-Bonn.de
