Reden des Landrates - Eröffnung einer Wasserstoff-Tankstelle in Hürth


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Eröffnung einer Wasserstoff-Tankstelle in Hürth

07.05.10 12:36 Uhr
Grußwort von Landrat Werner Stump anlässlich der Eröffnung einer Wasserstoff-Tankstelle in Hürth am Freitag, 07. Mai 2010, 11.00 Uhr, Chemiepark Knapsack (es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Dr. Möllmann,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Boecker,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Kreuzberg,
sehr geehrte Damen und Herren,

als im Jahre 1926 der amerikanische Entwickler Lee de Forest feststellte, dass der Betrieb eines Radios theoretisch und technisch machbar erschien, hielt er es aber dennoch für kommerziell und finanziell nicht für realisierbar. Wie sehr der Mann auf dem Holzweg war, weiß heute jeder.

Doch Grund zur Häme gibt es wenig: Ist es nicht auch heute noch oft so, dass wir das Potenzial neuer Ideen und Technologien verkennen? Gerade im Bereich der Energietechnologie.

Sicher ist es schwer, die durchsetzungsfähigen Trends zu erkennen und sich im Wirrwarr der Anbieter und Möglichkeiten zurecht zu finden. Anderseits wächst die Notwendigkeit nach sauberer Energietechnik.

Meine Damen und Herren,

Wasserstoff als Energieträger kann in Zukunft viele Bereiche unseres Lebens verändern. Zusammen mit der Brennstoffzelle hat er das Potenzial, die gesamte Energieversorgung zu revolutionieren. Ob als Treibstoff im Verkehr oder als Energielieferant zur Strom- und Wärmeerzeugung.

Mit HyCologne haben wir im Rhein-Erft-Kreis einen eifrigen Verfechter der Strategie, Wasserstoff langfristig als Energieträger zu etablieren. Denn es bieten sich Anwendungen vor allem im Verkehrsbereich an. In der Umgebung konventioneller Wasserstofferzeuger aus der Chemie, wie hier in Hürth der PVC-Hersteller Vinnolit, kann in einer ersten Phase eine kostengünstige Einführung und Erprobung stattfinden. Hierdurch könnte sich innerhalb weniger Jahre ein ökonomischer Markteinstieg eröffnen, der mittelfristig auch über andere Wasserstoffquellen tragfähig ausgebaut werden könnte.

Alle Verkehrsmittel, die wir heute kennen, lassen sich prinzipiell mit Wasserstoff antreiben. Es gibt dafür zwei Möglichkeiten: Der Wasserstoff wird in ganz normalen Motoren verbrannt und ersetzt das Benzin. Die andere Option ist die Verwendung von Brennstoffzellen, die im Fahrzeug elektrische Energie für einen Elektromotor erzeugen, mit dem dann das Fahrzeug angetrieben wird. In jedem Fall eine umweltschonende Angelegenheit.

Einen Meilenstein auf unserem Weg zu genau dieser sauberen, alternativen und modernen Technik, feiern wir heute mit der Eröffnung der ersten in Nordrhein-Westfalen öffentlich zugänglichen Wasserstofftankstelle hier in Hürth.

Dieses Vorhaben, Wasserstoff für die Betankung von Wasserstoff- und Brennstoffzellenfahrzeugen öffentlich bereitzustellen, wird die zukünftige Energieversorgung im mobilen Bereich einen erheblichen Schritt nach vorne bringen. Es ist auch ein Schritt, den Rhein-Erft-Kreis als Energiekreis weit über seine Grenzen hinaus, ja, ich behaupte sogar, international bekannt zu machen.

Meine Damen und Herren,

trotz aller Euphorie an diesem besonderen Tag, werden wir vor dem Hintergrund unserer industriellen und energiewirtschaftlichen Situation noch für einen längeren Zeitraum fossile Energien nutzen müssen. Wir können das dann verantworten, wenn wir es auf die schonendste Weise tun und gleichzeitig die alternative Energienutzung so weiter entwickeln, dass sie möglichst bald wirtschaftlich ist.

HyCologne geht mit seinen Partnern diesen Weg. Die Inbetriebnahme dieser Wasserstofftankstelle ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität. Es ist vor allem ein schlagender Beweis dafür, dass es heute schon möglich ist, wasserstoffbetriebene Fahrzeuge im normalen Straßenverkehr einzusetzen und diese schnell und sicher zu betanken.

Meine Damen und Herren,

wir brauchen solche Signale, um den nötigen Umbau der Energiewirtschaft weiter erfolgreich voranzutreiben. Dass ein solcher Umbau dringender den je ist, zeigt sich zum einen in den immer deutlicheren Folgen des Klimawandels, zum anderen in unserer nach wie vor großen Abhängigkeit vom Öl – mit allen sicherheitspolitischen Konsequenzen.

Den sich bereits seit längerem vollziehenden Strukturwandel im Energiebereich zu bewältigen ist eine Herausforderung, vor denen die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft stehen.

Im Rhein-Erft-Kreis ist die notwendige Kompetenz vorhanden und damit die Voraussetzung, Entwicklungen aber auch Anwendungen neuer Energietechniken voranzutreiben.

Als Landrat habe ich mich immer für die Entwicklung und Förderung zukunftsfähiger Energietechnologien eingesetzt; denn diese sind auch ein Stück Zukunftssicherung, die der Schaffung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen dient.

Meine Damen und Herren,

in Sachen Wasserstoff und Brennstoffzelle sind wir mit HyCologne und seinen Partnern hier im Rhein-Erft-Kreis gut aufgestellt. Es wäre sicherlich vermessen zu sagen, dass wir das Ziel vor Augen haben, kurzfristig mit Wasserstoff viele Energieträger zu ersetzen. Auch wenn der Weg bis ans Ziel von allen Akteuren viel Engagement und Ausdauer abverlangt, so bin ich fest davon überzeugt, dass es ich für alle lohnt, dieses Engagement aufzubringen. Damit möchte ich den Initiatoren und Betreibern dieser Anlage, die ein kleines Stück Energiegeschichte geschrieben haben, danken.

Die erfolgreiche Realisierung dieses Projekts wird uns ein kleines Stück weiter auf den Weg hin zu einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und umweltschonenden Energieversorgung bringen. Gleichzeitig, und da bin ich mir sicher, wird es ein zusätzlicher Motivationsschub für andere Brennstoffzellen – und Wasserstoffakteure sein. Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist eben, sie zu gestalten – und das tun Sie.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen viel Erfolg und alles Gute.