Reden des Landrates - Neujahrsempfang 2012


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Neujahrsempfang 2012

10.01.12 14:47 Uhr
Rede von Landrat Werner Stump anlässlich des Neujahrsempfanges 2012 des Rhein-Erft-Kreises am Freitag, 06. Januar 2012, 19.30 Uhr, Walzwerk in Pulheim

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,

Ortswechsel, nach dem Phantasialand im vergangenen Jahr habe ich Sie heute in die Kranhalle des ehemaligen Walzwerkes Pulheim eingeladen, ein Ort, der nach vollzogenem Strukturwandel in eine Ideen- und Kreativwerkstatt umgewandelt wurde, vielen innovativ ausgerichteten Unternehmen eine neue Wirkungsstätte gegeben hat und seit geraumer Zeit auch Standort der neu gegründeten Fachhochschule des Mittelstandes, hier mit dem Schwerpunkt der technischen Fächer, geworden ist. Ihr Interesse darf ich auf den Informationsstand der Fachhochschule lenken.

Ich habe Sie zum traditionellen Empfang des Kreises eingeladen, um mit Ihnen zu überlegen, wie wir diesen hochinteressanten Wirtschaftskreis an Rhein und Erft weiter entwickeln können.

Aber zunächst eine schlechte und dann eine gute Nachricht:

Wenn in einer Tageszeitung unseres Raumes am 28.12.2011 rückblickend auf das Jahr 2011 berichtet wird, dass Deutschland noch nie so viele öffentliche Schulden hatte wie heute, nämlich deutlich über 2 Billionen Euro (2.027.500.000.000 Euro), dann muss uns das alle erschrecken. Das war die schlechte Nachricht.

Wenn ich aber klein und bescheiden die Verhältnisse auf den Rhein-Erft-Kreis runterbreche und ich Ihnen mitteilen kann, dass der Rhein-Erft-Kreis im fünften Jahr in Folge weiter schuldenfrei ist, dann ist das die gute Nachricht.

Dieser Weg ist die Grundlage, um neue Kräfte freizusetzen. Ziel für eine Weiterentwicklung des Kreises ist, einen Lebensraum zu gestalten, der den Ansprüchen der Zukunft gerecht wird. Was heißt das? Die Antwort ist einfach und klar:

Wer stehen bleibt, verliert den Anschluss. Also müssen wir auf den vorhandenen Strukturen aufbauen und gemeinsam an einem Lebensraum arbeiten, in dem die Menschen ein schönes Zuhause haben, eine Chance auf einen qualifizierten Arbeitsplatz vorfinden und über Rahmenbedingungen verfügen, die es zulassen, das Leben individuell wie auch in Gemeinschaft würdevoll zu gestalten.

Internationale Finanzkrise, weltweiter Klimawandel, Rohstoff- und Flächenverknappung, Energiewende, öffentliche Verschuldung, Sättigung der Märkte, weltweite Migration, religiös-kulturelle Identitätsverschiebungen, demographischer Wandel und vieles andere mehr verändern unsere Lebenslagen jetzt und in naher Zukunft gewaltig. Und dies mit einer immer größeren Schnelligkeit, als die uns lieb ist. Anpassungsstrategien sind unausweichlich. Dazu gehört Kraft, Intelligenz und Mut.

Ich habe in den Neujahrsansprachen 2010 und 2011 deutlich gemacht, dass wir Leitlinien gestalten müssen, die uns einen Weg aufzeigen, in überzeugender Weise kommunale Verantwortung wahrnehmen zu können. Hier steht eine Gemeinschaftsleistung aller politisch und gesellschaftlich relevanten Kräfte an. Dazu zähle ich auch Sie.

Bisher habe ich zu 10 solchen Leitbildern gesprochen. Es sind die Themen:

  • Verwaltungssteuerung/Verwaltungskompetenz
  • Energiewirtschaft/Energieeffizienz hin zur Energiewende
  • Bildungskompetenz in Verbindung mit Qualifikation
  • Sozialkompetenz, Grundlagen einer "Menschenwürdigen Gesellschaft"
  • Gestaltung der Naturlandschaft
  • Bewahrung des Historischen Erbes
  • Wahrnehmung der Kulturlandschaft
  • Kreativität durch Kunst und Kultur
  • Gestaltung von Freizeit und Erholung
  • Metropolregion Rheinland

Heute füge ich fünf weitere Leitbilder hinzu.

  • Lebensphilosophie und Lebenskultur
  • Wissensbasierte Regionalentwicklung;
  • Überregionale Einflüsse auf unseren Lebensraum
  • Kreativwerkstatt durch Innovationen
  • Gesundheitswirtschaft mit Kompetenzanspruch

Bei der Erstellung meiner Rede habe ich gemerkt, wie schwierig es auch für mich wird, die Zielorientierung zu halten. Das mache ich mit drei Feststellungen deutlich:

  • Die Ansprüche an unseren Lebensraum nehmen trotz abnehmender Bevölkerung weiter zu.
  • Die Vorstellungen über die Bewältigung von Zielkonflikten verändern sich gravierend.
  • Die Handlungsmöglichkeiten finden sehr oft die eigenen Grenzen.

Allein die heute ausgewählten Themenbereiche machen solche Konfliktlagen deutlich.

Lebensphilosophie und Lebenskultur

Ich hatte im vergangenen Jahr bereits ausgeführt:"Prestige gewinnt der, der mit sich und seinem Leben zufrieden ist und nicht der, der sich immer mehr leisten kann." Hierfür steht das Wort "Suffizienz" oder übersetzt "Genügsamkeit". In einer wissenschaftlichen Arbeit, veröffentlicht durch das Wuppertal Institut, wird Suffizienz wie folgt definiert:

"Suffizienz verbindet sich für mich mit Wohlbefinden, Zufriedenheit, einem neuen Wohlstandsverständnis; mit Maß und Maßhalten, mit der Übereinstimmung von Überzeugen und Handeln, von Zielen und Mitteln, von der Beziehung zwischen dem, was benötigt und dem, was produziert wird, mit der Bevorzugung des Optimismus vor dem Maximum, mit dem Verhältnis von materiellen Gütern und immateriellen Bedürfnissen, mit aufgeklärtem Eigennutz und mit Solidarität".

Hier wird eine Lebensphilosophie angesprochen, ein Prozess der persönlichen Entschleunigung, nicht Stillstand, gekoppelt an ein nachhaltiges Wirken. Es handelt sich um einen Weg der Selbstfindung verbunden mit einer Absage an Stress und Ausbrennen, ein Prozess hin zu neuer Lebensqualität.

Ich will gestehen, dass ich mich ganz persönlich mit diesen Gedanken beschäftige, je älter ich werde, so wie es viele andere mit mir gleich tun.

Unabhängig, wie jeder selbst sein Lebensmuster sucht und findet, heißt das aber im übertragenen Sinn auch für den Staat und damit auch für die kommunale Ebene:

Wir können uns nicht mehr alles so leisten, wie wir dies gewohnt sind. Wir können auch nicht mehr alles tun, was wir gerne machen würden. Und wir müssen einsehen, dass die Selbstbegrenzung auch ein Weg zu Neuem bedeutet. Und das Neue kann auch genug und gut sein.

Wir leben egoistisch, indem wir nahezu vorsätzlich, weil eigennützig, die Folgen unseres Tuns ausblenden und dabei bewusst in Kauf nehmen, dass wir mit dem Strickmuster von heute die Lebensbedingungen unserer Kinder von morgen ganz erheblich begrenzen.

Was bedeutet das für uns vor Ort an Rhein und Erft im Bereich des öffentlichen Handelns?

Wir müssen die Kraft haben, auf bisherige Denkstrukturen zu verzichten. Wir müssen erkennen, dass in der Gemeinsamkeit die Stärke liegt und gemeinsame Strukturangebote nichts Schlimmes sind, vor allem dann nicht, wenn damit die Wirtschaftlichkeit beachtet wird. Die kommunale Planungshoheit stößt immer mehr
an die eigenen Grenzen. Es fehlt aber weitgehend der Mut, das einzugestehen und danach zu handeln. Und das will ich an dem folgenden Leitbild deutlich machen.

Wissensbasierte Regionalentwicklung

Die bisherige Siedlungsentwicklung des Rheinlandes wird anhand der beiden Projektionen, die ich Ihnen hier an die Wand werfen lasse, deutlich. Sie können eindrucksvoll erkennen, dass wir siedeln, siedeln, siedeln. Und da der Siedlungsdruck auf das Rheinland immer weiter zunimmt, werden sich weiter lokale Ansprüche durchsetzen wollen. Allein im Verkehrsbereich erwarten wir dramatische Entwicklungen, auf die ich beim nächsten Leitthema eingehen werde.

Und hier stellt sich die Verantwortung für die handelnden Kräfte unseres Raumes. Wir, die wir Verantwortung haben, haben zu verantworten, was wir heute tun und heute zulassen. Und dabei müssen wir aufhören, immer nur unsere Sichtweisen zu trainieren. Wir haben die Zukunft zu gestalten, die Zukunft unserer Kinder! Unsere Pflicht ist es, spätestens jetzt dafür einzutreten, zusammenhängende Freiund Lebensräume zu erhalten und abzusichern. Der Masterplan RegioGrün, für den ich u.a. die Verantwortung trage, ist eine erste richtige Antwort gewesen, eine erste Freiraumsicherung anzupacken. Dieser Plan muss jetzt gemeinsam mit weiterem Leben erfüllt werden.

Wir kommen nicht umhin, gezielt ein regionales Flächenmanagement zu betreiben. Die Landes- und Regionalplanung wird strengere Vorgaben machen müssen und sie wird es mit dem Projekt "Allianz für die Fläche" auch tun. Darauf haben wir uns vorzubereiten.

Eine solche Entwicklung geht dann allerdings, das muss man wissen, eindeutig zulasten der kommunalen Planungshoheit. Und das heißt im konkreten Fall auch Verzicht. Ich halte diesen Weg für richtig und weiß in diesem Moment, dass ich hierfür gescholten werde. Wenn ich damit eine Diskussion in Gang setzen kann, dann soll das in Ordnung gehen. Gleichwohl, und das sage ich voraus, diese Entwicklung wird so oder so kommen. Und vielleicht lehrt uns diese Prognose, dass wir rechtzeitig mehr darüber nachdenken müssen, wie wir die Innenräume der vorhandenen Besiedelung neu ausschöpfen, statt immer weiter in die Fläche zu gehen.

Daher gehören für mich zu einer wissensbasierten Regionalentwicklung "Interkommunale Raumanalysen" und "Kommunale Zweckverbände". Zwei Beispiele hierzu, die ich Ihnen kurz skizzieren möchte, stehen sich wie ein Kontrastprogramm gegenüber:

Die Stadt Köln plant in die Nähe zum Rhein-Erft-Kreis den neuen Großmarkt anzusiedeln. Jeder von uns benötigt diesen Markt mittelbar, denn jeder will durch seinen Einzelhändler tagesfrisch beliefert werden. Den Markt als Standort aber will keiner. Protest und Bürgerinitiativen sind die Folge. Die Politik auf beiden Seiten der kommunalen Gemarkungsgrenzen erhitzt sich, schließlich geht es um Wählerstimmen. Das Drehbuch läuft ab wie an jedem anderem Punkt in der Republik zu gleichen Vorgängen.

Und dann kommt der Markt. Der Wutbürger wird immer neu geboren. Und nicht nur der, sondern auch der Nicht-Wähler.

Warum? – Weil, wie es bei diesem Beispiel deutlich wird, es keine raumzusammenhängenden Standort- und Verkehrsplanungen gibt. Weil kommunale Planungshoheit wie ein Credo vor sich hergetragen wird. Weil Sprachlosigkeit ursächlich ist und weil der Mut fehlt mit den betroffenen Menschen nicht nur rechtzeitig zu sprechen sondern auch ihnen die Wahrheit zu sagen. Die Lösung? - Die anderen sind es immer schuld. Klappe zu: Das Drehbuch steht. Der Vorhang fällt in diesem Theater.

Das Beispiel "terra nova" zeigt einen anderen Weg auf. Die Städte Bergheim, Bedburg und Elsdorf beschreiten vorbildlich einen Weg der Gemeinsamkeit. Das Ergebnis wird außergewöhnlich und damit auch gut für den Rhein-Erft-Kreis sein. "Terra nova" wird Teil eines größeren regional gewürdigten Projektes sein, ein Projekt, das eine "Landschaft im Wandel" zum Ziel hat. Der Kommunale Zweckverband von Bergheim/Bedburg/Elsdorf, ergänzt durch die Mitarbeit des Rhein-Erft-Kreises und des Bergbautreibenden, wird eine Erfolgsstory der Gemeinsamkeit.

Teilräume, wie das Projekt "Indeland", das Projekt "terra nova", die Entwicklung einer "Bergwelt Sophienhöhe", die "Rekultivierung einer bergbaubezogenen Landschaft", die "Renaturierung der Erft" und die inhaltliche Ausgestaltung zu einem Frei- und Lebensraum besonderer Güte bis hin zu einer Landschaft, die die Energiewende mitgestaltet und E-Mobilität auch bei uns zu einem Markenzeichen macht, gestalten zusammen ein neues Profil einer Landschaft, einer Landschaft im Aufbruch.

Ich will mit diesen Beispielen aufzeigen, dass wir uns gemeinsam aufstellen müssen, um Räume zu sichern und zu ordnen. Und warum das der richtige Weg ist, zeigt folgende Entwicklung, die ich unter dem Leitbild "Überregionale Einflüsse auf unsren Lebensraum" näher betrachte.

Überregionale Einflüsse auf unseren Lebensraum

Eine wissensbasierte Regionalentwicklung kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir gemeinsam die überregionalen Raumansprüche an unseren Lebensumfeld erkennen, beachten und letztendlich auch beeinflussen.

Unbestritten ist, dass der Schwerlastverkehr im Rheinland von heute bis zum Jahr 2025 um 2/3 steigen wird. Ich verweise auf die Schaubilder. Und selbst wenn ich den Zeitraum auf das Jahr 2030 erweitere und nur von einer 50%-igen Zunahme ausgehe, bleibt für mich erkennbar die Dramatik gleich hoch.

Während wir es uns leisten, den Ausbau des Godorfer Hafens zum Spielball politischer Konstellationen zu machen, werden im benachbarten Belgien und Holland Hafenkapazitäten aufgebaut, deren Folgen wir zu spüren bekommen. Die Rede ist von den ZARA-Häfen, den Häfen von Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam.

Allein in Rotterdam entsteht zurzeit ein neuer Güterterminal auf einer Fläche von 1.000 ha. Oder, wenn Sie wollen, 10 Mio. , die als neues Land im Meer aufgeschüttet werden. Die anderen Häfen folgen. Und auch der Binnenhafen in Lüttich, gerade mal 100 km von hier entfernt, entwickelt sich als Umschlaghafen besonderer Güte.

Die Verkehrsströme, die über Emmerich, Venlo und Aachen auf die Rheinschiene zukommen, sind gewaltig. Wir in NRW sind auf diese Entwicklung nicht vorbereitet.

Der Ausbau der Betuwelinie oder des Eisernen Rheines oder auch die Ertüchtigung der Schiene zwischen Aachen und dem Raum Köln, haben noch nicht einmal konkret das Planungsstadium erreicht.

Es wird deutlich, Handlungsbedarf ist erforderlich und dieser kann nur mit einem Geist der regionalen Gemeinsamkeit gestaltet werden. Ich nenne hierfür ein Beispiel:

Gleich neben an plant zurzeit unser Nachbarkreis Düren einen Güterterminal auf einer Fläche von zunächst bis zu 100 ha. Wir nehmen diese Planung kaum wahr. Wir sollten aber mit großer Aufmerksamkeit die Planung des Nachbarn unterstützen. Was dort an Kapazitäten entwickelt wird, hilft unserem Wirtschaftsraum ebenso. Und die neuen Arbeitsplätze dort sind auch unsere Arbeitsplätze von morgen.

Ich fordere, damit wir uns aus dem Stadium der Selbstbeschäftigung entfernen, für die Großregion Rheinland ein schlüssiges und überzeugendes Verkehrskonzept, einen Masterplan, der in der Lage ist, die regionalen Entwicklungspotentiale mit den überregionalen Ansprüchen zu vernetzen. Zu den Forderungen gehören:

  • Unterstützung des geplanten Güterterminals im benachbarten Kreis Düren und Aufbau eines Güterterminals im Schnittpunkt des Kölner Nordens/des Rhein-Kreises Neuss und des Rhein-Erft-Kreis – unter Einbeziehung eines Managements für Containerplätze und LKW-Abrufplätze.
  • Aufbereitung des vorhandenen Schienennetzes einschl. der bisher betrieblich genutzten Gleisanlagen und die Ertüchtigung des vorhandenen Schienennetzes in schlüssiger Absprache mit dem belgischen/niederländischen Raum (3. Gleis für den die Strecke Köln- Aachen).
  • Anlegung eines zusätzlichen Güterterminals rechtsrheinisch als Voraussetzung für eine neue Direktverbindung per Schiene zwischen Köln und Bad Hersfeld, sowohl für den Personen- und Güterverkehr, hier auf der europäischen Achse der A 4 mit ihrer Reichweite über Dresden, Krakau bis in die Ukraine. Konkret: Verlagerung des LKW-Verkehrs auf die Schiene und damit auf dem internationalen Verkehrsband mit großer Zukunft.
  • Entwicklung eines Hafenkonzeptes auf der Rheinschiene zwischen Düsseldorf und Köln/Bonn, dieses auch im Zusammenhang mit der Vernetzung der einzeln auszuweisenden Logistikplätze.
  • Bau einer zusätzlichen Rheinbrücke zwischen Wesseling und Niederkassel als Logistikstraße zwischen dem Güterterminal Eifeltor/Knapsack und dem Frachtflughafen Köln/Bonn.

Was ich hier im Paket konkret vorschlage ist die Grundlage für einen eigenständigen Masterplan "Regionale Anpassungsstrategien" für den Wirtschaftsraum Rheinland als Antwort auf die Aktivitäten im BeNeLux-Raum.

Meine Damen und Herren, es kann nicht sein, und hier bleibe ich bei meiner Linie, dass jeder für sich ein Stück Planung betreibt, der Gesamtraum in vielfältiger Form aber einen Schaden erleidet. Wenn sich die Probleme verdichten und der Bürger diese wahrnimmt, fragt er dann vor Ort nach den Hintergründen und Zusammenhängen, dann wird ihm zur Entschuldigung des eigenen Fehlverhaltens erklärt, dass die anderen Schuld sind. Und dann sind wir wieder bei dem Wutbürger angekommen.

Nein, nein, so einfach können und dürfen wir uns das nicht mehr machen. Die Menschen nehmen uns das nicht mehr ab. Wir, die wir in der Verantwortung stehen, haben zu begreifen und zu handeln.

Kreativwirtschaft durch Innovationen

Mit diesem Themenbereich schlage ich einen gleichen Weg ein. Wir leben in einem Raum mit der größten Dichte an Universitäten, Hochschulen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungszentren. Klasse für unseren Raum. Aber nutzen wir diese Klasse? Ich will nicht verschweigen, dass vieles in Bewegung gekommen ist. Klar aber ist, die Ressourcen, über die wir verfügen, müssen zielorientiert aufeinander zugeführt werden. Hier ist die Fundgrube für neue Ideen und Konzepte, für neue Arbeitsplätze von Morgen und vor allem für neue Standbeine, die dieser Region eine Tragfähigkeit und zugleich ein einheitliches Gesicht verleiht und dies weltweit.

Ich nehme ein Beispiel: Die Region Köln steht für eine Region der Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft. Der Aachener Raum, noch konkreter der Euro-Regionale Aachener Raum auch. Konkurrenz oder Wettbewerb ist die Frage oder aber die Herausforderung zur Zusammenführung der Kräfte. Ich entscheide mich für die zweite Variante.

Es muss gelingen, die vorhandenen Stärken aufeinander abzustimmen um damit die Grundlage für viele neue Innovationen für das Rheinland zu schaffen. Das heißt auch Verzicht auf den einen oder anderen Weg, den man gerne alleine gehen wollte.

Meine Damen und Herren, wenn es gelingt, den Geist des gemeinsamen Tuns und Handelns zu stärken, neuen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, Grundlagen für Unternehmensgründungen schaffen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Und doch, werden wir dann immer wieder feststellen müssen, dass die Realisierung von Vorhaben mit Hilfe einer europäischen oder auch staatlichen Förderung innovativer Ansätze letztlich an der erforderlichen Komplementärfinanzierung scheitert.

Von den Kommunen können wir aufgrund ihrer Haushaltslagen finanziell nicht viel erwarten und vom Land nur bedingt eine Unterstützung erhoffen. Hier verweise ich auf die öffentliche Berichterstattung.

Ich strebe daher im Zusammenhang mit der Innovationsregion Rheinisches Revier eine Clusterbildung von Stiftungen an. Es geht um Stiftungen, die bereit sind, ihr Anlagekapital in Projekte zu stecken und/oder auch erwirtschaftete Erträge dazu verwenden, um jungen Köpfen und neuen Ideen eine Chance zu geben, und zwar so, dass damit viele Impulse für den Wirtschaftsraum und für die Menschen ausgelöst werden.

Gesundheitswirtschaft mit Kompetenzanspruch

Ich hatte die Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft als ein Themenfeld mit Zukunft angesprochen. Ich sehe hier auch einen wichtigen Kompetenzansatz, den wir auch an Rhein und Erft ausgestalten müssen.

Ich werde in der Kreisverwaltung, also im eigenen Kompetenzbereich, ein eigenes Dezernat oder eine Stabsstelle bilden, das bzw. die sich umfassend mit den Themenfeldern der Gesundheit befasst. Zurzeit lasse ich das gesamte Netzwerk der Gesundheitsvorsorge wie auch der Nachsorge erfassen, wie es sich heute bei uns anbietet. Im Frühjahr werde ich dieses der Öffentlichkeit vorstellen. Mein Ziel ist, die Basisdaten der vorhandenen Angebotsstrukturen zu kennen und mittels einer Analyse der bestehenden Verhältnisse zusammen mit den Anbietern die Angebotsformen neu zu strukturieren und zu erweitern.

Wir müssen eine Angebots- und Versorgungsstruktur schaffen, die unseren Kindern die beste Entwicklung ermöglicht, unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern gegenüber ein Leistungsnetz vorhält, das den Bedürfnissen gerecht wird und unsere alten und kranken Menschen jegliche Hilfe zusichert.

Ich weiß, wie dick dieses Brett ist, das ich gerade beschrieben habe. Aber wenn man nicht da anfängt, wo wir unsere Klasse entdecken können, dann wäre das ein Fehler.

Beispielhaft werde ich in Kürze ein niederschwelliges Beratungs- und Hilfsangebot vorstellen, das in jedem Ort unseres Kreis die Menschen erreichen soll, u.a. auch die an Demenz erkrankten Menschen und auch die Menschen, die als pflegende Angehörige häufig überfordert werden.

Zu der Fortentwicklung des Gesundheitsraumes an Rhein und Erft verstehe ich auch die Neugründung einer Fachhochschule für Naturheilkunde und Komplementärmedizin in Kerpen-Horrem, ausgelöst durch das dortige PRÄHAInstitut zusammen mit der Steinbeiss Universität in Berlin.

Ich binde diese Fachhochschule ein in ein weiter gestecktes Bild neuer Gesundheitswirtschaft. Die "Mind-Body-Medizin", die ich hiermit in Verbindung bringe, als sogenannte integrative Medizin, sollte auch verstärkt eine Verankerung im Rhein-Erft-Kreis erfahren. Mir geht es bei meiner Gesamtperspektive darum, Schulmedizin und Naturheilkunde zusammen zu bringen.

Hintergrund: Die Selbstregulierung des Menschen wird gefordert. Die Interaktionen und Beziehungen zwischen Gehirn, Geist, Körper und Verhalten gewinnen einen neuen Gestaltungsraum. Dazu gehören auch die Themen wie Ernährung, Bewegung, Entspannung und Stressvermeidung.

Wenn sich an anderen Stellen in Deutschland vergleichbare Bewegungen mit großem Zulauf etablieren, sollten wir diese Entwicklung auch hier bei uns voran treiben. Und weil die Themen hierzu alle so vielschichtig sind, halte ich es für geboten, bei mir in der Kreisverwaltung die Grundlage zu einem zielorientierten Handeln zu schaffen.

Schlussbetrachtung

Wir, an Rhein und Erft, müssen den Weg zu einer weiteren Stärkebildung gemeinsam gehen. Nur so wird es uns gelingen, als "Starker Kreis in einer starken Region" Mitgestalter zu sein.

Ich werde als Vorsitzender des Region Köln/Bonn e.V. den Regionalexpress "Rheinland" weiter vorantreiben. So strebe ich noch in diesem Jahr den förmlichen Beitritt des Kreises Ahrweiler als Mitglied des Region Köln/Bonn e.V. an. Auch gehe ich fest von einem Kooperationsvertrag mit dem Bergischen Städtedreieck Wuppertal/Remscheid/Solingen aus.

Und im Westen werde ich als stellv. Verwaltungsratsvorsitzender der "Innovationsregion Rheinisches Revier", zu dem der Raum Aachen genauso gehört wie die Gebiete der "Deutschsprachigen Gemeinschaft" mit Eupen in Belgien und Süd-Limburg in den Niederlanden, helfen, dass raumbezogene Impulse der Gemeinsamkeit ausgelöst werden.

Beide Entwicklungen zusammen, die auf der Rheinschiene und die im Großraum Aachen mit dem EuroRegionalen Anspruch, können auf dem Weg zu einem wiederentdeckten Rheinland Geschichte schreiben. Die Metropolregion Rheinland, die an keiner Gemarkungs-, Stadt-, Kreis- und Landesgrenze halt macht, ist und bleibt mein Ziel.

Ich persönlich werde diesen Weg altersbedingt nur noch eine bestimmte Zeitstrecke mitgehen. Wenn es mir aber gelingt, und davon bin ich überzeugt, die Pflöcke für den richtigen Weg unseres Heimat- und Lebensraumes helfe einzuschlagen, dann erfüllt mich dieser Gedanke mit großer Zufriedenheit.

Ich freue ich, dass Sie alle da sind, ich freue mich, dass Sie mir auch zugehört haben und ich würde mich auch freuen, wenn wir gemeinsam, bei den unterschiedlichen Anlässen, die uns zusammenführen, Taten folgen lassen.

Der Rhein-Erft-Kreis ist ein starker Kreis, er hat Potential, er ist inhaltlich und geistig richtig ausgerichtet und er sucht täglich neue Mitstreiter.

Ich wünsche Ihnen allen ein gutes Jahr 2012, bei dem das persönliche Wohlergehen wie auch der Gemeinsinn nicht zu kurz kommt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.