Neujahrsempfang 2011 des Rhein-Erft-Kreises im Phantasialand in Brühl
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich begrüße Sie heute Abend alle als Ehrengäste des Rhein-Erft-Kreises ganz herzlich und heiße Sie zum diesjährigen Neujahrsempfang willkommen. Erfreut bin ich darüber, dass Sie so zahlreich erschienen sind.
Es ist bekannt, dass ich jedes Jahr den Veranstaltungsort neu auswähle. Damit will ich erreichen, dass sich bei der Durchführung dieser Traditionsveranstaltung keine Routine einschleicht. Ein kleines Stück Neugierde soll mitschwingen, wenn zu diesem Zusammentreffen eingeladen wird und sich die Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und aus vielen gesellschaftlichen Kreisen zusammenfinden. In diesem Jahr habe ich mich für das Phantasialand als Treffpunkt entschieden. Der Familie Löffelhardt danke ich für Ihre Gastgeberschaft.
Meine Damen und Herren,
wir sind sicher alle mit großen Hoffnungen und Erwartungen in das neue Jahr gestartet. Die allgemeinen Konjunkturdaten sind verheißungsvoll, die Menschen zeigen sich konsumfreudig und die Arbeitslosenzahlen lassen sinkende Zahlen erwarten.
Allein für unseren Kreis haben wir aufgrund großer Firmenansiedlungen die Erwartung auf ca. 2.500 neue Arbeitsplätze in den kommenden drei Jahren. Diese Zukunftsaussicht ist außerordentlich erfreulich. In der Stadt Bedburg siedelt sich die Firma SANY mit ca. 600 neuen Arbeitsplätzen und in der Stadt Bergheim die Firma TK Maxx mit ca. 1.000 Arbeitsplätzen an. In der Stadt Erftstadt handelt es sich um eine Betriebserweiterung des Deutschen Paketdienstes aus der Stadt Frechen mit zusätzlich 200 neuen Arbeitsplätzen. Und die Telekom verlagert ihr Call Center von Bonn aus in die Schlossstadt Brühl mit ca. 700 Arbeitsplätzen.
Der Rhein-Erft-Kreis erweist sich erneut als ein interessanter und wirtschaftsstarker Kreis in Nordrhein-Westfalen. Danken möchte ich in diesem Zusammenhang allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die mit ihrer Planungshoheit einen guten Job machen. Danken möchte ich auch den vielen Unternehmern und Betriebsleitern sowie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit ihrem Wirken den Wirtschaftsplatz an Rhein und Erft nachhaltig stärken.
Der Rhein-Erft-Kreis ist ein "Starker Kreis", ein starker Kreis in einer starken Region. Diese Feststellung war und ist von mir immer das Credo meiner Neujahrsansprachen, wenn Sie so wollen der "Rote Faden" in meinen Ausführungen. So teile ich Ihnen heute Abend mit, dass der Rhein-Erft-Kreis weiterhin der erste Kreis in Nordrhein-Westfalen ist, der keine Bankverbindlichkeiten hat, also keine Zinsen und Tilgungen zahlt und damit schuldenfrei ist. Heute, auf den Abend genau, besteht die Schuldenfreiheit exakt 1.286 Tage und damit seit weit über drei Jahren. Auch in diesem Jahr werden wir wahrscheinlich keine neuen Kredite aufnehmen. Wir wollen, solange dies gelingt, schuldenfrei bleiben.
Meine Damen und Herren,
die Stärke des Kreises ist keine Selbstverständlichkeit. An diesem Ziel müssen viele mitwirken, Sie aus der Politik, der Administration, der Wirtschaft und der Gesellschaft. Es lohnt sich. Daher bleibe ich auch im neuen Jahr bei meiner Linie, die Vernetzungsstrukturen in diesem Kreis deutlich zu erweitern. Dieses Bemühen steht in einem engen Zusammenhang mit meiner Absicht, die Zukunftsperspektive des Kreises in ein "Leitbild 2025" zu fassen. Damit wird der Kompass entwickelt, um unser gemeinsames Wirken auf ein Ziel auszurichten, das da heißt: "Die Zukunft unseres Kreises gemeinsam zu gestalten".
Anlässlich des Neujahrsempfanges 2010 hatte ich die ersten fünf Teilbilder für ein "Leitbild 2025" vorgestellt. Es handelte sich um die Themen:
- Verwaltungssteuerung/Verwaltungskompetenz
- Energiewirtschaft/Energiekompetenz
- Bildungskompetenz/Qualifikation
- Sozialkompetenz/Menschenwürdige Gesellschaft
- Metropolregion Rheinland
An diesen Leitbildern wurde im abgelaufenen Jahr konsequent gearbeitet. Allein das Leitbild von einer zukunftsfähigen Kreisverwaltung wurde durch die Verfasserin, Frau Kreisdirektorin Dauber, zwischenzeitlich abgeschlossen. In den nächsten Tagen werde ich dieses Leitbild den politischen Gremien und der Öffentlichkeit vorstellen.
Ein wesentliches Ziel bleibt die "Virtuelle Dienstleistungsverwaltung". Bundesweit sind wir z.B. ein Modellkreis im Kfz-Onlineverfahren und mit der Einheitlichen Behördenrufnummer 115 und dem Behördenlotsen haben wir weitere Maßstäbe im Sinne der Kundenfreundlichkeit und Verwaltungseffizienz gesetzt.
Für 2011 strebe ich zusammen mit der Deutschen Post an, Modellkreis für den neuen E-Postbrief zu werden; ein Beitrag zur weiteren Verwaltungseffizienz im Kreis. Ich sehe hier eine echte Chance. Aber, bei aller Online-Begeisterung: Die Verwaltung muss heute und in Zukunft multikanalfähig und diskriminierungsfrei bleiben, also alle erreichen – auch die, die nicht per Internet mit uns kommunizieren wollen oder können. Deshalb können die Bürger mit uns im neuen Jahr über einen weiteren und sicheren Kanal kommunizieren. Mein Ziel ist: den Service für Bürger sowie Unternehmen zu verbessern. Im Zeitalter von Spamwahnsinn und Cyberkriminalität fordern Bürger und Unternehmen ein Höchstmaß an Sicherheit.
Der E-Postbrief bietet – im Gegensatz zur E-Mail – diese Möglichkeit. Er ist so verschlüsselt, dass unbefugte Dritte die Inhalte nicht lesen oder verändern können. Alle Nutzer sind eindeutig identifiziert – man kann also sicher sein, dass Absender und Empfänger auch die sind, für die sie sich ausgeben. Und der E-Postbrief ist hybrid. Mit ihm kommuniziert die Verwaltung multikanal. So erreicht die Verwaltung auch die Bürger, die nicht online sind. In diesen Fällen druckt die Deutsche Post den elektronischen Brief aus, kuvertiert ihn und stellt ihn per Briefträger zu.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich eine Kernaussage zu dem "Leitbild 2025" machen, die meine ganz persönliche Meinung wieder gibt: "Wir müssen uns damit abfinden, unseren Wohlstand in allen Lebensfeldern zu überdenken". Damit treffe ich zugleich eine Aussage zu der aktuellen Vertrauenskrise zwischen Politik und Bürgern und dem kreierten Begriff vom "Wutbürger".
Wir alle nehmen wahr, dass das Unbehagen der Menschen am Staat zunimmt. Ursache hierfür ist für mich u.a., dass die Politik mehr verspricht, als der Staat in der Lage ist noch zu leisten. Und weil der Erwartungshorizont durch diese Art der öffentlichen Zusagen hoch gehalten wird, verlangen die Menschen mehr von ihrem Staat, mehr als das, was er überhaupt noch leisten kann. Da "Anspruch und Wirklichkeit" nicht mehr in eine Übereinstimmung gebracht werden kann, entsteht ein Vertrauensverlust durch Überforderung.
Dieser Vertrauensverlust hat auch im Verhältnis der Kommunen zum Land und Bund zugenommen. Es werden immer weiter Leistungsgesetze beschlossen, ohne den Finanzausgleich mit zu liefern. Was nützt es, wenn jedem Kind ein Kindergartenplatz garantiert wird und die Kommunen diesen Anspruch nicht umsetzen können. Dieses Beispiel und viele andere Beispiele dokumentieren den Widerspruch zwischen "Anspruch und Wirklichkeit".
Aber wie soll es weiter gehen? - Wir, dass heißt die deutsche Gesellschaft, werden älter, weniger und bunter. Über die künftige Entwicklung, die von vielen gravierenden Veränderungsprozessen begleitet wird, machen sich viele Menschen Sorgen.
Der Zukunftsforscher Matthias Horx stellt für die Zukunft drei Megatrends heraus: Die Wissensökonomie, die Individualisierung und die Demografische Veränderung. Diese Megatrends werden unser Leben verändern. Seine Schlussfolgerung für den Einzelnen lautet: "Prestige gewinnt der, der mit sich und seinem Leben zufrieden ist und nicht der, der sich immer mehr leisten kann".
Auch ich bin davon überzeugt, dass der Abschied von einem "immer mehr" die Zukunft bestimmen wird. Der Fahrstuhleffekt, wonach wir stetig nach oben fahren in eine Welt, in der es uns immer besser geht, wird nicht durchzuhalten sein. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Prestige gewinnt, der mit seinem Leben zufrieden ist und Verantwortung, auch im Gemeinsinn, zeigt und nicht der, der auf Kosten der künftigen Generationen, also zulasten unserer Kinder und Enkelkinder, sein Leben einrichten möchte. Diese Erkenntnis muss unsere Grundeinstellung im gesellschaftlichen Zusammenleben bestimmen. Daher müssen Parteien, Wirtschaft und Gewerkschaften umdenken, um die Entfernung zwischen Menschen und den eigenen Institutionen nicht zu vergrößern. Nicht das "Mehr" hat Zukunft, sondern das "Verantwortbare". Nur so lässt sich Wohlstand neu definieren und gestalten. Hierbei handelt es sich um einen Prozess des Umdenkens, der vielen sehr schwer fällt, zu dem es aber keine Alternative gibt.
Meine Damen und Herren,
die "Zufriedenheit" ist auch die Kernsubstanz von fünf weiteren Leitbildern, die ich Ihnen heute Abend kurz vorstellen möchte. Es handelt sich um Themen, die allgemein als weiche Themen bezeichnet werden und doch lebenswichtig für ein gesundes und erbauendes Leben in nächster Umgebung sind. Sie orientieren sich an den Bedürfnissen der Menschen in ihrem Wohn- und Heimatraum. Um folgende fünf Leitbilder handelt es sich:
- Gestaltung der Naturlandschaft
- Bewahrung des Historischen Erbes
- Wahrnehmung der Kulturlandschaft
- Kreativität durch Kunst und Kultur
- Gestaltung von Freizeit und Erholung
Gestaltung der Naturlandschaft
Wenn wir die kartografischen Luftaufnahmen von der Besiedelung des Rheinlandes und damit auch die von unserem Lebensraum mit denen aus den Jahren 1950, 1980 und 2010, also mit Abschnitten von jeweils dreißig Jahren, vergleichen, dann würden wir feststellen, wie wir einen Landverbrauch betrieben haben, der so nicht weiter fortgesetzt werden darf. Wir leben in einer sehr unterschiedlich gestalteten Landschaft:
Da sind es im Norden des Kreises die Flusslandschaften des alten Rheins, im Süden sind wir Teil des Vorgebirges, in der Mitte liegt die rekultivierte Ville mit einer Seenlandschaft, während im Norden hin der Königsdorfer Wald und verkipptes Land das Landschaftsbild prägen. Im Westen des Kreises verläuft die Erftauenlandschaft und weiter westwärts liegt die fruchtbare Börde.
Ich hatte im Jahr 2000 die Initiative ergriffen, der Grünraumvernetzung, verbunden mit dem Freihalten von Naturraumkorridoren, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Es ist, so sehe ich das, unsere Pflicht nachzudenken, nachrückenden Generationen einen Lebensraum mit Freiräumen zu überlassen, in dem man noch atmen und sich frei bewegen kann.
Das "immer mehr" an Besiedelung der Fläche darf so nicht weiter gehen. Wir haben besiedelte Flächen planungsrechtlich neu zu definieren und einer neuen zeitgerechten Bebauung zuzuführen. Hier ist Intelligenz von allen Handelnden gefragt. Aus meiner damaligen Anregung an den Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma, westlich von Köln "Grünkorridore" zu gestalten und aufbauend auf der Stadtplangestaltung des ehemaligen Oberbürgermeisters von Köln, Dr. Konrad Adenauer, nach einem ersten und zweiten Grüngürtel einen "Dritten Grüngürtel" mit der Ville und der Erftauenlandschaft auszugestalten, wurde ein neuer Denkansatz geprägt, der zwischen dem Kreis und der Domstadt neue Handlungsräume eröffnet hat.
Diesem Projektgedanken folgten rechtsrheinisch die Kreise mit der Wupper-, Agger-, Dhünn-, Strunde- und Siegaue. In der Stadt Bonn gesellte sich zu dieser Grünraumplanung ein sog. "Grünes C" hinzu und in der Stadt Leverkusen wurde das Gelände der ehemaligen Landesgartenschau in die regionale Grünraumplanung mit einbezogen. So entstand der gemeinsame Wille, einen Masterplan "RegioGrün" zu gestalten, der die Grundlage für vernetztes Handeln im südlichen Rheinland werden sollte.
Wir alle haben uns in der Region das neue Ziel einer Grünraumplanung verschrieben, dieses Ziel definiert und zur Handlungsmaxime erklärt. Dazu gehört das innerstädtische Grün ebenso wie auch die vielfältigen Naturlandschaften, die wesentlich von den drei anerkannten Naturparken "Bergisches Land", "Siebengebirge" und "Rheinland" geprägt werden.
Den Masterplan "RegioGrün", meine Damen und Herren, gibt es vergleichbar in seiner Qualität und Planungstiefe in ganz Deutschland kein zweites Mal mehr. Er stellt die Richtschnur gemeinsamen Handelns für jetzt und in der Zukunft sicher. Und dies bis heute schon mit großem Erfolg. Mit finanzträchtigen Förderzusagen durch das Land, den Bund und durch die Europäische Union haben wir Unterstützung gefunden. Allein in den vergangenen Tagen erreichte uns ein Fördervolumen von 13,3 Mio. Euro, wovon allein 9,4 Mio. Euro in Projekte des Rhein-Erft-Kreises fließen.
Hinzu kommt das umfangreiche Programm zur Renaturierung der Erft in der Verantwortung des Erftverbandes. Ziel ist es, die Erft zu einem gesunden Gewässer weiter zu entwickeln und eine Durchgängigkeit für die Fische zu schaffen. So wird die Erft auch aus dem technischen Baudenkmal, dem Erftflutkanal, genommen und wieder mäandrierend in die Landschaft gelegt. Diese Veränderungsprozesse verstärken die Qualität unserer Landschaft als Lebens- und Erholungsraum für unsere Menschen hin zu einer Naturlandschaft, die den Standort an Rhein und Erft stärkt. Um hier ein nachhaltiges, bürgerschaftliches Engagement folgen zu lassen, rege ich die Gründung einer Stiftung "Grünraum Rhein-Erft" an. Hierzu werde ich Repräsentanten aus diesem Kreis zur Mitarbeit bewegen. Ich bin sicher, auch das wird gelingen.
Bewahrung des Historischen Erbes
In einem engen Zusammenhang wird die Bewahrung des Historischen Erbes mit der Naturlandschaft stehen. Hier wird es um die Frage gehen, wie wir es schaffen, die Historie dieses Raumes für jedermann erfahrbar zu machen und so eine weitere Identifizierung mit dem eigenen Wohn- und Heimatraum auszulösen. Bei dieser Projektarbeit kam uns die Regionale 2010 zur Hilfe. In Köln wird man regelmäßig von historischen Funden überrascht. Beim Thema Praetorium und Grabungsfunden wird heftig gestritten. Gleichwohl, wir streben thematisch eine Vernetzung mit der römischen Besiedelung in Köln an.
Wir setzten bei unseren Bemühungen mit den römischen Spuren an Rhein und Erft an und wollen so die historischen bzw. die römischen Heerstraßen wie die "Via Agrippa" von Köln über Hürth und Erftstadt nach Trier und die "Via Belgica" von Köln über Frechen, Bergheim und Elsdorf nach Boulogne-sur-Mer (franz. Kanalküste) in Wert setzen. In der gemeinsamen "Erftstädter Erklärung" haben sich alle Anliegerkommunen zur Zusammenarbeit verpflichtet.
Wir wollen die historisch begründete Siedlungsstruktur an Rhein und Erft aufgreifen. Dabei kommt uns das Projekt der Regionale 2010 "Mühlen und Hämmer links und rechts des Rheins" entgegen. Mit dem Mühlendokumentationszentrum auf der Gymnicher Mühle wollen wir die Mühlen- und Siedlungskultur aufbereiten und jedem zugänglich machen. Mühlen wurden u.a. da angesiedelt, wo Menschen mit Wasser und Korn ihre Lebensgrundlage fanden. Hierbei handelt es sich um ein ganz spannendes Thema nachgeschichtlicher Aufbereitung. Kernstück wird eine gefundene Mühlenanlage aus der karolingischen Zeit sein, also um 800, die wir auf der Gymnicher Mühle präsentieren werden.
Die Burgen und Schlösser wie auch die bedeutenden Hofanlagen prägen unsere Naturlandschaft nachhaltig. Der Erhalt dieser Zeitzeugnisse ist daher wichtig und auch eine öffentliche Aufgabe. Zur Sicherung der historischen Anlagen gehören aber auch Nutzungskonzepte, die die Grundlage für den dauerhaften Erhalt garantieren. Hier gibt es noch großen Handlungsbedarf. Gleichwohl ist es eine lohnende Aufgabe, hier erfolgreich zu sein.
Ich lasse seit geraumer Zeit alle Kleindenkmäler wie Wegekreuze, Gedenksteine, Kleinkapellen und anderes Historisches fotografieren und kartieren. Über 400 Kleindenkmäler dieser Art konnten festgestellt und beschrieben werden. Wenn nur 50 Standorte davon in einem Sonderprogramm zu einem Rastplatz unter dem Titel "Ein Denkmal, ein Baum, eine Bank" gestaltet werden, entstehen flächendeckende Plätze des Innehaltens und der Besinnung an historischen Orten mit ihrer Kleingeschichte. Teil der historischen Bezüge sollen auch alte Pilgerwege werden. So soll der Jakobspilgerweg quer durch den Rhein-Erft-Kreis in Richtung Trier ebenso eine klare Ausprägung erhalten wie auch der Matthias-Pilgerweg mit dem gleichen Ziel. Auch der Kolping-Pilgerweg von Kerpen nach Köln wird hier Beachtung finden.
Meine Damen und Herren,
wir können unsere Naturlandschaft mit vielen historischen Bezügen versehen und kenntlich machen und so zusammen eine Natur- und Kulturlandschaft besonderer Güte präsentieren. Ich sehe darin auch das Bemühen, die Identifizierung mit dem eigenen Wohn- und Lebensraum zu erhöhen.
Wahrnehmung der Kulturlandschaft
Ich bin außerordentlich froh darüber, dass es gelungen ist, im Rahmen des Projektes "Regionale 2010" alle beteiligten Kommunen links und rechts des Rheins zur Unterzeichnung der "Grüngürtel-Charta" zu bewegen, eine Vereinbarung zur Entwicklung und Sicherung des regionalen Kulturlandschaftsnetzwerkes. Diese Charta und viele andere wechselseitigen Verpflichtungen hatte ich in der Region Köln für nicht durchsetzbar gehalten. Gleichwohl, ich habe an eine solche Zusammenarbeit immer geglaubt und dafür gearbeitet. Mit Erfolg, wie man jetzt weiß.
Dieses Kulturlandschaftsnetzwerk findet Zugang in dem digitalen Netzwerk "KULADIG". Auf diese digitale Plattform, die ständig fortgeschrieben wird, soll der Zugang für jedermann, der sich interessiert zeigt, geschaffen werden. Die nächsten Schritte sind, die Verbände der Geschichtsforschung mit denen des Naturschutzes zu einer stärkeren Zusammenarbeit zu bringen.
Ich setzte mir weiter das Ziel, Menschen zu bewegen, sich mit der Natur- und Kulturlandschaft auseinanderzusetzen und sich in der Generationen Akademie Rheinland zu "Kulturlandschaftsführern" ausbilden zu lassen. Es sollen Menschen sein, die Freude daran haben, mehr über den rheinischen Kulturraum wissen zu wollen und die bereit sind, andere Menschen in und durch diese Landschaft zu führen. Mit diesem Netzwerk der Akteure und Interessierten soll das Leitbild "Kulturlandschaft" entwickelt und geschrieben werden. Ich bin mir sicher, dass hier ein Profil für unseren Raum zustande kommt, das auch zugleich eine wesentliche Visitenkarte für einen bedeutenden Wirtschaftskreis sein kann.
Kreativität durch Kunst und Kultur
Die Freizeit zu gestalten wird von immer mehr Menschen gewünscht. Viele machen sich daran, ihre Talente zu entdecken. Sie finden neu oder anders Zugang zu sich selbst und finden in dieser neuen Lebensart auch ein Stück Erfüllung.
Wir haben mit dem Künstlernetzwerk begonnen, das mit einem neuen Schub versehen werden muss. Es scheint mir wichtig zu sein, alle Kreativschmieden wie Ateliers und Kunstaktionen besser zu vernetzen und sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Es sollten u.a. Überlegungen angestellt werden, wie es flächendeckend im Kreisgebiet gelingen kann, Standorte für Kunstwerke zu gestalten. Bei der Umsetzung dieses Gedankens ist bürgerschaftliches Engagement erforderlich. Viele gute Beispiele hierzu gibt es bereits.
Mit den internationalen KunstTagen in der Abtei Brauweiler wollen wir weiter einen Höhepunkt künstlerischer Präsentation gestalten. Stärker vernetzen möchte ich auch die Kulturangebote. Dazu gehören die Musik- und Konzertangebote, die Theater- und Literaturangebote, die Museen und vieles andere mehr. Wie bei der Wirtschaft, wo ich die führenden Köpfe zu werbenden "Botschaftern" des Kreises erkläre, möchte ich auch in der Kultur einen besonderen Weg gehen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir in unserem Kreisgebiet eine breite Bevölkerungsschicht haben, die sich für Kunst und Kultur interessiert. Häufig bleiben die Menschen aber im engeren kommunalen Sprengel, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihnen Angebote in der Nachbarstadt oder im Kreisgebiet nicht bekannt sind. Das Interesse an den Brühler Schlosskonzerten, den Brauweiler Open-Air-Nächten, an dem Erftkreis Zyklus oder auch an dem Max-Ernst-Museum und dem Keramion machen deutlich, dass die interessierten Menschen bereit sind, in unserem großen Flächenkreis zu reisen.
Ich beabsichtige, Menschen als "Kulturbotschafter" auszuzeichnen, wenn sie mindestens 25 Kunst- und Kulturangebote aus dem reichhaltigen Angebot von Bedburg bis Wesseling oder von Erftstadt bis Pulheim besucht haben und sich hierzu einen Nachweis des Besuchs geben lassen. Wer diese Auszeichnung erhält, verfügt schließlich über ein profundes Wissen, was den Kunst- und Kulturbereich des Kreises betrifft. So soll ein Beitrag zur Vernetzung eines Kreativraumes "Kunst und Kultur" an Rhein und Erft erreicht und ein weiterer Prozess der Identifizierung ausgelöst werden.
Gestaltung von Freizeit und Erholung
Meine Damen und Herren,
die Naturlandschaft, das Historische Erbe, die Kulturlandschaft wie auch die Angebotspalette von Kunst und Kultur bedeuten in der Gesamtheit einen reichen Schatz zur Gestaltung der Freizeit und damit auch der eigenen Erholung. Komplettiert wird das Angebot mit allen anderen Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Da gibt es neben den traditionellen Sportangeboten eine Landschaft mit ca. 130 Reiterhöfen wie auch eine dicht gestaltete Golflandschaft. Ergänzt werden diese Möglichkeiten durch ein gutes Angebot in Bereichen des Wassersports. Ein ausgeprägtes Radwegeangebot macht das Angebot der Möglichkeiten komplett.
Da das Radeln besonders in unserer Landschaft gute Möglichkeiten bietet, haben wir im Rahmen der Regionale 2010 einen Masterplan "RadRegion Rheinland" unter der Federführung des Rhein-Erft-Kreises entwickelt. Die weitere Vernetzung mit den Kreisen Euskirchen, Düren und Neuss wird angestrebt. Dieses gesamte Freizeitangebot findet sich in dem digitalen "Interaktiven Freizeitplaner" wieder, der als Projekt der Regionale 2010 im Naturpark Rheinland mit dem Sitz bei mir im Kreishaus entwickelt wurde.
Wir wollen die Menschen befähigen, Zugang zu allen Angeboten einschließlich der Öffnungszeiten und der Höhe der Eintrittsgelder, kombiniert mit den Fahrplänen der Bahn und der öffentlichen Busse, zu erhalten. Jeder soll in die Lage versetzt werden, sich sein Ausflugsprogramm selber zu Hause auszusuchen und zu gestalten. Ich möchte, dass die Menschen Freude haben, auf Tour zu gehen, um so ihren eigenen Wohn- und Heimatraum zu erkunden und zu erleben. Diese Natur- und Kulturlandschaft kann uns vieles zeigen, sie kann uns bewegen und sie kann uns öffnen für Neues in unserem näheren oder weiteren Wohnumfeld.
Der Rhein-Erft Tourismus e.V., den wir vor zehn Jahren gegründet haben, wird zusammen mit dem Naturpark Rheinland und den kreisangehörigen Kommunen eine vernetzte Gestaltung betreiben müssen und so ein Leitbild für Freizeit und Erholung entwickeln und fortschreiben.
Schlussbetrachtung
Meine Damen und Herren,
Sie haben nun immer wieder das Wort von der "Vernetzung" gehört. Ja, hier sehe ich das Wesentliche für einen starken Kreis. Nur aus den vorhandenen Stärken können wir zusammen neue Stärken entwickeln hin zu einer neuen starken Angebotsstruktur. Was stark ist, zieht auch Nachfrage nach sich und schließlich merken alle Akteure, dass sich nicht nur etwas verändert hat, sondern dass alle Gewinner sind. Und noch mehr: Der starke Wirtschaftskreis zieht Menschen an, die den Mehrwert für sich, ihre Familien und letztlich auch für ihren Betrieb im Sinne einer erhöhten Standortqualität erkennen.
Ich werde aber auch die weitere Vernetzung der Angebotsstrukturen in der Region Köln voran treiben. Wir sprechen hier über unseren gemeinsamen Lebensraum Rheinland, in dem 3 Mio. Menschen leben.
Am 28. März 2011 werde ich den Vorsitz im Region Köln Bonn e.V., in dem sich Köln, Bonn, Leverkusen und die umliegenden Kreise zur Zusammenarbeit gefunden haben, für zwei Jahre übernehmen. Ich trete dieses Amt mit dem festen Willen an, alle beteiligten Kommunen zu mehr Kooperation zu bewegen. Der Prozess der Regionale 2010 hat uns gezeigt, dass das geht. Wer sich verschließt, bleibt stehen. Das gilt auch für meine Aussage im vergangenen Jahr, wonach es Ziel sein muss, auch im eigenen Kreis die "geistigen Stadtmauern" einzureißen. Nur in der Kooperation liegen künftig die Lösungen.
Die Schaffung der Metropolregion Rheinland ist daher weiter mein festes Ziel. Dazu strebe ich auch Kooperationen mit den Räumen Aachen, dem Bergischen Städtedreieck wie auch mit dem Düsseldorfer Raum an. Mit der Mitgliedschaft des Rhein-Kreis Neuss in dem Region Köln Bonn e.V. sind wir ja bereits vor den Toren der Landeshauptstadt angekommen. Und auch die Kooperation mit dem Kreis Ahrweiler verdeutlicht, dass Landesgrenzen bei diesem Projekt nicht hinderlich sind.
Eine rheinische Identität ist mein Ziel. Wenn andere selbstbewusst über sich sagen, "Wir Bayern", "Wir Sachsen", "Wir Thüringer" oder "Wir Saarländer", so sollten wir unsere Identifikation in "Wir Rheinländer" finden. Ich bin mir sicher, auch wir kommen da an, wo andere längst angekommen sind und ihre Identität gefunden haben.
Meine Damen und Herren,
ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen im neuen Jahr alles erdenklich Gute, Gesundheit, Wohlergehen und eine gute Zusammenarbeit.
