Reden des Landrates - Informationsgespräch mit Vertreter/-innen der Land- und Forstwirtschaft sowie das Gartenbaus


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Informationsgespräch mit Vertreter/-innen der Land- und Forstwirtschaft sowie das Gartenbaus

30.11.10 08:00
Grußwort des Landrates Werner Stump anlässlich des Informationsgespräches mit Vertreter/-innen der Land-
und Forstwirtschaft sowie das Gartenbaus am
Montag, 29. November 2010, 19.00 Uhr, Schloss Bedburg

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Landwirte,

herzlich willkommen auf Schloss Bedburg. In großer Tradition treffen wir uns an diesem Ort. Es ist aber schon mehr als nur Tradition, es ist eine gewachsene Partnerschaft und Freundschaft untereinander, die uns im Alltag den Umgang miteinander erleichtert. Sie erleben heute das Schloss noch mit den Umrissen, mit denen uns dieses Denkmal bekannt ist. Gleichwohl, im nächsten Jahr wird es uns um den Teil der Ritterakademie und der Schlosskirche verkleinert empfangen. Ursächlich sind Senkungsschäden. Unser Standort hier in diesem Teil des Schlosses ist von dieser Veränderung nicht betroffen.

Meine Damen und Herren,
wir treffen uns nicht nur aus einem geselligen Anlass, nein, auch um über gemeinsam berührende Inhalte zu sprechen. Das Schloss Bedburg war, ist und wird es auch weiter bleiben, ein Ort, an dem sich Fachkompetenz in landwirtschaftlichen Fragen und Sorgen vertiefen lassen. Das werden wir heute Abend auch wieder tun. Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten einen gravierenden Wandel erlebt, den ich nun nicht im Einzelnen beschreiben möchte. Dafür sitzen hier zu viele Fach- und Sachkundige. Wahr aber ist, dass die Landwirte, denen man gerne eine nicht so flexible Handlungsweise nachsagt, genau das Gegenteil unter Beweis stellen. Sie werden nicht zuletzt durch die Veränderung der Märkte und den immer wieder strengeren Vorgaben aus Brüssel, dem Bund und dem Land zu Anpassungen gezwungen. Dabei erkenne ich immer wieder, wie auch neue Geschäftsideen aufgegriffen werden.

In den letzten Tagen hatte ich die Ehre, an der Sitzung des Kreisstellenbeirates der Landwirtschaftskammer in Auweiler teilzunehmen. Die Fachvorträge waren auch für mich wieder ein Stück Selbststudium in Sachen landwirtschaftlicher Fragestellungen. Das ist ja das schöne an meinem Amt, ich lerne durch die Vielfalt meines Amtes täglich dazu. So konnte ich jetzt auch einiges über den eingeführten Maiswurzelfresser erfahren. So nett sich dieser Hinweis anhört, so ernst steht es um den kleinen Käfer, der bei uns eingeschleppt wird und zur Plage der Landwirte werden kann. Die Strategie gegen die Verbreitung dieses Käfers war das Thema. Gleichzeitig wird deutlich, wie global die Welt immer wieder ist, wenn es um die Einführung eines kleinen Tieres geht, das hier sein Unwesen treiben kann.

Meine Damen und Herren,
ich gehe davon aus, dass Herr Fassbender in seinem Grußwort die aktuellen Themen der Landwirte ansprechen wird. Um Wiederholungen zu vermeiden, gehe ich auf den Vertragsnaturschutz ein, der als eine gelungene Form der Zusammenarbeit zwischen dem Kreis und den Landwirten zu werten ist. In diesem Jahr werden im Rahmen des Vertragsnaturschutzes insgesamt 50 Verträge mit einem Gesamtvolumen von knapp 100.000 Euro und einem EU-Förderanteil von ca. 45.000 Euro an die Landwirte im Rhein-Erft-Kreis ausgezahlt. Neue Verträge und Vertragsverlängerungen werden in Kürze bewilligt. Auch im kommenden Jahr stehen wieder Fördersummen für Ackerextensivierungsmaßnahmen zur Verfügung. Auch, was den Schutz der Natur betrifft, konnte ein Vogelschutzprogramm erfolgreich weiter geführt werden.

In diesem Sommer wurde mit großem Engagement der Landwirte im Bereich der Zülpicher Börde (Erp und Umgebung) ein Projekt zum Schutz der Rohr- und Wiesenweihen mit Erfolg zum Abschluss gebracht – hier gilt ein besonderer Dank auch dem Kreislandwirt Herrn Everhard Fassbender für seine aktive Unterstützung. Die beteiligten Landwirte verpflichteten sich freiwillig, das Umfeld der Brutplätze erst nach dem Ausfliegen der Jungvögel zu Mähen und erhielten dafür von der Kreisverwaltung eine Entschädigung von 400 Euro pro Brutplatz. Das Projekt wurde gemeinsam mit den Nachbarkreisen Euskirchen und Düren umgesetzt. Dies ist einmal mehr ein gutes Beispiel für eine gelungene Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, die auf einem gemeinsamen Interesse am Erhalt der seltenen bis stark gefährdeten Greifvogelarten (Rote Liste -Arten) in der freien Feldflur und auf einer unbürokratischen Unterstützung und Abwicklung basiert.

Mit besonderer Aufmerksamkeit habe ich die Einflüsse bei den Bienenstöcken unserer Landschaft wahrgenommen. Die Imker und ihre Bienen haben große wirtschaftliche Bedeutung für die Bestäubung der Kulturpflanzen. Daher ist auch die wirksame amtliche Bekämpfung von Bienenseuchen Aufgabe des Rhein- Erft- Kreises. In diesem Sommer wurde die bösartige Faulbrut im Kreis festgestellt. Daraufhin mussten an 5 Standorten etwa 50 Bienenvölker untersucht und 40 Bienenvölker mussten zur Seuchenbekämpfung abgetötet werden. Nach mehrmonatiger Sperre und aufwändigen Untersuchungsmaßnahmen im kreisgrenzenübergreifenden Sperr- und Beobachtungsgebiet konnte die Faulbrut im Oktober als erloschen gemeldet werden. In diesem Zusammenhang gilt unser Dank für die gute Zusammenarbeit den Bienensachverständigen Frau Bävenroth und Herr Salomon sowie dem Nachbarkreis Düren.

Bemerkenswert ist auch, dass das alte Handwerk der Imkerei wieder auf viel Interesse stößt und die Zahl der Hobbyimker wieder ansteigt. Auch dies trägt zur Pflege unserer Landschaft und zur Bereicherung des Angebotes unserer heimischen Produkte bei.

Für die Milchviehhalter endete 2010 das "Tal der Tränen". Die historischen Tiefstpreise für Rohmilch aus dem Jahr 2009 war für die Familienbetriebe eine Katastrophe. Nur langsam steigen seit dem Frühjahr 2010 die Milchpreise, aber eine Entspannung der Finanzlage in den Betrieben kann nur erfolgen, wenn die Erholung der Märkte lange anhält.

Aus den Rinderbeständen kann von guten Fortschritten der Sanierungsbemühungen hinsichtlich der BHV und der BVD berichtet werden. Hier hat sich die gute Zusammenarbeit der Landwirte mit dem Veterinäramt ausgesprochen positiv ausgewirkt.

Ich möchte auch noch auf die Pferdezucht eingehen. Mit dem Jahr 2010 geht ein hocherfolgreiches Zuchtjahr für den Kreispferdezuchtverein Rhein-Erft e.V. zu Ende. Auf der diesjährigen Pferdeausstellung, die gemeinsam mit dem Kreispferdezuchtverein Mönchengladbach-Grevenbroich- Neuss im Pferdezentrum Schloss Wickrath ausgerichtet wurde, konnten 4 der begehrten Goldmedaillen an die heimischen Zuchtstätten verliehen werden - ein einzigartiger Erfolg, der einmal mehr die intensive Mühe und Arbeit unserer Züchter unterstreicht. Die Pferdezüchter aus dem Rhein-Erft-Kreis sind online! Dank der ehrenamtlichen Tätigkeit der Vereinsmitglieder wird diese Seite aktuell gestaltet und ist mit vielen wichtigen Berichten, Informationen und Veranstaltungstipps versehen.

Meine Damen und Herren,
ich bin in den vergangenen Jahren immer wieder auf das Projekt "Regionale 2010" eingegangen und damit auch auf das Projekt "RegioGrün/Projekt Erftauenpark". Wir sind in dem Jahr der Regionale 2010 angekommen. Mit 840 Veranstaltungen feiern wir die Regionale im Rheinland ab. Und eng mit den Veranstaltungen stehen auch die Fortentwicklungen der Projekte. Für das Gesamtprojekt RegioGrün werden noch vor Weihnachten Städtebaumittel (d.h. Bundes- und Landesmittel), kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE), in Höhe von insgesamt ca. 13,5 Millionen Euro bewilligt. Damit können Projekte wie das Naturparkzentrum Gymnicher Mühle im Landschaftspark Erftaue, der Pulheimer Nordpark, Weiler Bach und Stotzheimer Bach, Bodenentdeckerzentrum Friesheimer Busch etc. nach langer Vorbereitungsphase umgesetzt werden. Auf den neuen Wiesen- und Weidenflächen in der Erftaue Gymnich wird im nächsten Jahr bereits eine Mutterkuhherde der vom Aussterben bedrohten Rinderrasse Glan-Donnersberger die Flächenpflege übernehmen. Die Flächen wurden im Rahmen des Regiosaatgut-Projektes von einem Landwirt als Vertragspartner mit gebietseigenem Saatgut von Wildblumen und -gräsern eingesät.

Herr Dr. Lindner, Vorstand des Erftverbandes, wird über das Renaturierungsprogramm der Erft referieren. Dieses Programm steht in einem engen Zusammenhang mit dem Projekt RegioGrün. Ja. Wir verändern die Landschaft, aber wir entwickeln sie weiter und ordnen und schützen sie damit. Wir wollen die Freiräume für die Landwirtschaft und die für die Naherholung sichern. Wir wollen die Natur erhalten und den Nutzern, den Menschen, sagen, wie sie sich in dieser Landschaft auch zu benehmen haben. Das ist ein Prozess, an dem alle Beteiligten arbeiten müssen.

Meine Damen und Herren,
im vergangenen Jahr habe ich Ihnen gesagt, dass ich eine Initiative für die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte starten möchte. Mit den vielen guten Vorgesprächen befinden wir uns auf einem wirkungsvollen Weg. Daher werde ich Ihnen sagen, dass ich das Thema im nächsten Jahr konkret aufrufen werde.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und möchte mit einer Rechenaufgabe enden und für ein wenig Schmunzeln sorgen, bei dem die Weisheit der Landwirte siegt.