Neue Wege - neue Freunde
Bericht über die Projektwochen zur Suchtvorbeugung in den Schulzentren Elsdorf & Bedburg
Höchstwahrscheinlich gehen zumindest die Sechstklässler der Schulzentren in Elsdorf und Bedburg einmal im Jahr ganz besonders gerne zur Schule. Im Verlauf einer alljährlich stattfindenden Projektwoche können sie nämlich Kletterabenteuer erleben, akrobatische Zirkusnummern einstudieren oder die neuesten Tanzschritte ihrer Popstars ausprobieren statt Mathe oder Englisch zu pauken.
Die Schüler der Haupt- und Realschulen sowie der Martin-Luther-Schule verteilen sich hierbei auf schulgemischte Workshops, die von Lehrern, externen Fachkräften oder aber von Vertretern der örtlichen Jugend- und Sportverbände angeleitet werden. Die jeweiligen Arbeitsergebnisse präsentiert man den beteiligten Schülern, deren Eltern sowie Lehrern und Referenten abschließend in Form einer bunten Bühnenshow.
Allerdings geht es hierbei nicht so sehr um die Vorstellung perfekter Arbeitsergebnisse.
Viel wichtiger sind das gemeinsame Kennenlernen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit und der Aufbau von gegenseitigem Vertrauen. In den verschiedenen Workshops sollen die Schüler vor allem Gemeinschaft erleben und ihre Fähigkeit verbessern, miteinander zu kommunizieren und Konflikte gewaltfrei auszutragen. These: wer gemeinsam "in einem Boot" gelacht und geschwitzt hat, wird sich später wohl kaum die Köpfe einschlagen. Viele Schüler gewinnen darüber hinaus an Selbstvertrauen, da in den Workshops vor allem kreative, körperliche und soziale Talente zur Entfaltung kommen und anerkannt werden.
Entwickelt und konzipiert wurden die Projektwochen 1996 von Mitarbeitern des Kreisjugendamtes und der Fachstelle für Suchtprävention gemeinsam mit den Beratungslehrern der betreffenden Schulzentren. Die Projektwochen sind heute fest im Schulalltag verankert und werden von den Schulen völlig selbstständig organisiert. Kreisjugendamt und Fachstelle übernehmen lediglich noch eine beratende Funktion und beteiligen sich nach wie vor an der Finanzierung externer Referenten.
Frust, Langeweile oder Überforderungen im Alltag sind oft die Ursache für den Konsum von Suchtmitteln oder aggressives Verhalten. Neugier, Gruppendruck und die Lust auf grenz-überschreitende Erlebnisse, spielen hierbei ebenfalls eine große Rolle. Damit junge Menschen zur Kompensation von Defiziten nicht auf Ersatzmittel bzw. -handlungen zurückgreifen, ist es wichtig, dass sie genügend Selbstvertrauen besitzen und ein verständnisvolles Umfeld sowie ein breites Spektrum an Handlungsmöglichkeiten vorfinden.
Die Projektwochen tragen dazu bei, das Arbeits- und Beziehungsklima in den betreffenden Klassen zu verbessern und sorgen gleichzeitig für ein Plus an Selbstwertgefühl und Wohlbefinden bei den beteiligten Schülern. Darüber hinaus können sie Impulse für eine sinnvolle und erlebnisbetonte Freizeitgestaltung vermitteln und leisten auch insofern einen nicht unerheblichen Beitrag zur Sucht- und Gewaltprävention vor Ort.
