Umwelthygiene und Infektionsschutz - Herbstgrasmilbe


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Herbstgrasmilbe

Die Art Neotrombicula autumnalis kommt in ganz Mitteleuropa vor. Daher ist sie auch in ganz Deutschland anzutreffen.

Aussehen der Milbe

Die Herbstmilbe Neotrombicula autumnalis gehört zur Familie der Laufmilben (Trombiculidae). Wissenschaftlich werden ca. 1500 verschiedene Arten in der Familie der Laufmilben unterschieden, von denen in Deutschland die häufigste Neotrombicula autumnalis (Ernte- oder Herbstmilbe) ist. Wie alle Milben haben sie ein sechsbeiniges Larvalstadium, während die Nymphen und erwachsenen Milben acht Beine haben. Milben allgemein gehören daher zu den Spinnentieren, nicht zu den Insekten.Nur die Larve der Herbstmilbe lebt parasitisch und sticht Tiere und Menschen, nicht die erwachsenen Milben. Die Herbstmilbenlarven sind 0,2 - 0,3 mm lang und rötlich gefärbt. Auf einer weißen Unterlage sind sie also mit bloßem Auge gerade noch zu erkennen. Sie bewegen sich für ihre geringe Körpergröße außerordentlich schnell.Die erwachsenen Milben sind 1-2 mm groß und nur noch schwach gelblich bis fast durchscheinend gefärbt.

Vorkommen der Herbstmilben

Die Art Neotrombicula autumnalis kommt in ganz Mitteleuropa vor. Daher ist sie auch in ganz Deutschland anzutreffen. Ihr Vorkommen ist allerdings nur auf einige Stellen begrenzt, sozusagen inselartig, häufig in Hausgärten im Stadtrandbereich.

Entwicklungszyklus der Herbstmilbe

Aus den Eiern schlüpfen Larven, die auf einen Wirt überlaufen und sich mit Zellflüssigkeit (nicht mit Blut) vollsaugen. Finden die Larven keinen geeigneten Wirt, sterben sie nach einigen Wochen ab. Wirte können Mäuse, Wühlmäuse, Kaninchen, Maulwürfe, Vögel, Hunde, Katzen etc. aber auch der Mensch sein.Nachdem sich die Larven vollgesogen haben, fallen sie ab und wandeln sich im Erdboden über ein Ruhestadium zu Nymphen um, die acht Beine haben. Dabei ist die Weiterentwicklung zu Nymphen aber nicht nach einer "Mahlzeit" auf jedem der o.g. Wirte möglich. Wenn eine Herbstmilbenlarve z.B. am Menschen gesogen hat, stirbt sie ab. Der Mensch ist ein sogen. Fehlwirt.Die Umwandlung von der vollgesogenen Larve zur Nymphe geschieht innerhalb eines Monats. Aus den Nymphen schlüpfen später im Jahr, wiederum nach einem Ruhestadium, die erwachsenen Milbenmännchen und -weibchen. Die Nymphen und erwachsenen Milben leben im Boden und fressen kleinere Insekten und Insekteneier. Nach der Befruchtung legen die Milbenweibchen einige hundert Eier in den Boden, aus denen dann wieder neue Larven schlüpfen. Der Zyklus kann dann von neuem beginnen. Es gibt aber nur einen solchen Zyklus im Jahr. Da Larven sowohl im Frühjahr als auch im Sommer/Herbst auftreten, ist noch weitgehend unbekannt, welches Stadium der Herbstmilben überwintert.

Biologie der Herbstmilbenlarven

Die Larven der Herbstmilben suchen bei warmen Wetter auf den Befallsflächen erhöhte Pflanzenteile wie z.B. Grashalme auf, um von dort auf vorbeilaufende Wirte überzugehen. Herbstmilbenlarven sitzen dabei im allgemeinen nicht höher als 5-20 cm über dem Boden. Sie laufen auch nicht aktiv zu ihren Wirten, sondern warten bis ein Wirt an ihnen vorbeistreift. Daher ist ein Befall in Wohnungen fast unmöglich. Bei kühlerem Wetter sind sie nicht so aktiv. Auf den Wirten werden immer die gleichen bevorzugten Stellen aufgesucht, wie beim Menschen solche, wo Kleidungsstücke eng anliegen (Gummizüge), oder in Hautfalten. Dies geschieht offenbar sehr schnell. Die Milbenlarven ritzen dann mit ihren Mundwerkzeugen die obersten Hautschichten an und geben ein Speichelsekret ab, das die darunter liegenden Hautschichten auflöst. Der entstehende Brei aus Speichelsekret und Zellflüssigkeit wird dann wieder aufgesogen und dient den Milben als Nahrung. Die Stichtiefe ist selten so groß, das Blutgefäße erreicht werden. Den starken Juckreiz verursacht vermutlich das Speichelsekret. Die Saugdauer beim Menschen beträgt ca. 4-8 Stunden, so daß beim Einsetzen des Juckreizes (meist nachts unter Bettwärme) die Milbenlarven bereits wieder abgefallen sind, oder durch Scheuerbewegungen zwischen Kleidung und Körper entfernt worden sind.Diese Tatsache hat lange Zeit das Erkennen der Ursache für den Juckreiz erschwert, da nie ein Tier gefunden oder beobachtet worden ist, welches den Menschen gestochen hatte.Bei Tieren ist die Saugdauer mit bis zu sechs Tagen erheblich länger. An Haustieren ist der Befall oft erkennbar, da sich hier zahlreiche Milbenlarven an bestimmten Stellen sammeln und nicht wie beim Menschen die Larven einzeln verteilt sitzen. Diese Bereiche sind bei Hund und Katze vor allem die Zwischenzehenbereiche, Ohr- und Nasengegend. Der Befall sieht aus wie eine rötliche Schorfkruste, bestehen aus zahlreichen Milbenlarvenkörpern.

Symptome des Milbenbefalls und Gefahren durch Milbenstiche

In Deutschland scheinen die Herbstmilben keine Krankheitserreger zu übertragen, wie dies in Südasien durch andere Laufmilbenarten der Fall ist. Ganz geklärt ist ihre Bedeutung als Überträger jedoch nicht. Die Stiche der Milbenlarven beim Menschen beginnen ca. 4-36 Stunden später zu jucken. Es bilden sich rötliche Papeln, die in rötliche Flecken übergehend nach drei bis sieben Tagen im allgemeinen wieder verschwinden. Der Juckreiz hält über mehrere Tage an und verstärkt sich unter Bettwärme. Oft werden die Stichstellen aufgekratzt, was zu Sekundärinfektionen und Entzündugen führen kann, die dann wesentlich länger andauern.Die Empfindlichkeit und Reaktionen auf Stiche sind sehr unterschiedlich. Es können nach mehrmaligem Befall sowohl allergische Reaktionen als auch Gewöhnungseffekte auftreten.Bei Kleinkindern wird oft auch der Kopfbereich befallen. Hier können sich durch Kratzen dann Schorfkrusten bilden, die für die Betroffenen sehr unangenehm sind.

Behandlung der Stiche und Vorbeugemaßnahmen

Bei Haustieren mit Verdacht auf Herbstmilbenbefall sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Die Behandlung ist im allgemeinen erfolgreich, wobei ein Neubefall oft nicht zu verhindern ist, wenn die Tiere kurze Zeit später die Befallsflächen wieder betreten.Beim Menschen muß die Behandlung anders erfolgen, da hier in der Regel keine lebenden Milbenlarven mehr zu finden sind, diese also nicht mehr abgetötet werden müssen. Eine Behandlung mit Akariziden ist daher beim Menschen mit Herbstmilbenstichen nicht erforderlich. Es können Antihistaminika gegeben werden, die den Juckreiz lindern und dadurch auch direkt ein Aufkratzen der Stiche verhindern.Erfolg verspricht auch das Einreiben mit 70% igem Alkohol. Nach wenigen Sekunden verschwindet der Juckreiz. Die Wirkung hält mehrerer Stunden an.Als Abschreckungsmittel können handelsübliche Mückenrepellents (Autan) verwendet werden. Je nach Empfindlcihkeit wirkt das eine oder andere Mittel besser. Hier hilft nur Ausprobieren.Es sollten Arme und Beine eingerieben oder besprüht, und eventuell zusätzlich ein Kleidungsrepellent benutzt werden, welches auf die Hosenbeine gesprüht wird. Die Milben sind jedoch weniger empfindlich als Stechmücken, so daß die Schutzdauer geringer sein kann.Für die Daueranwendung sollten Repellents allerdings nicht genutzt werden.Einen Schutz durch Kleidung zu erreichen, scheint bei der Gartenarbeit kaum möglich. Gummistiefel und darin verstaute Hosen helfen nur wenig. Aufgrund ihrer geringen Größe laufen sie durch alle denkbaren Kleidungslücken bis zur Haut hindurch. Dies geschieht so schnell, daß auch sofortiges Duschen nach der Gartenarbeit einen Befall nicht vollständig verhindern kann.Da sich die Milbenlarven bevorzugt an Stellen mit eng anliegender Kleidung festsetzen, ist der Hinweis interessant, daß nackt im Garten spielende Kleinkinder fast nicht gestochen worden sind. Das umgekehrte Verhalten, möglichst luftige Kleidung anzuziehen, wurde daher auch oft empfohlen.Bei nicht allzu starkem Befall kann man auch von der Tatsache Gebrauch machen, daß die Milbenlarven in den frühen Morgenstunden recht inaktiv sind, und dann beispielsweise seinen Garten für die Erledigung der Gartenarbeit aufsuchen. Völlige Sicherheit wird dadurch allerdings nicht geboten.

Bekämpfung der Milben

Bislang gibt es weder chemische Bekämpfungsmittel die nur gegen Herbstmilben wirken und somit ökologisch verträglich sind, noch ist mit chemischen Mitteln eine erfolgreiche Milbenbekämpfung gelungen. Die Befallsflächen sind in der Regel aber auch zu umfangreich, um an einen sinnvollen Einsatz von chemischen Präparaten denken zu können.Neben der Meidung von Befallsflächen und der Anwendung von Repellents, gibt es derzeit keine Möglichkeit der Bekämpfung von Herbstmilben.