Mund- und Zahngesundheit bei Kindern
...von Anfang an! Daten zu Mund- und Zahngesundheit bei Kindern
Der Jugendzahnärztliche Dienst des Rhein-Erft-Kreises besteht aus vier Teams, welche in allen Kindertagesstätten und Schulen regelmäßig Reihenuntersuchungen der Kinder durchführen.
Sie sind der wichtiger Bestandteil der Zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe, welche vor allem das Ziel hat Kindern und Jugendlichen ein zahnbewusstes Verhalten beizubringen.
Die Gruppenprophylaxe umfasst die Untersuchung der Mundhöhle und die Anfertigung eines Zahnstatus nach einem standardisierten Verfahren, Fluoridierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Schmelzqualität (Zahnhärtung), Ernährungsberatung und Anleitung zur Mundhygiene. Für Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko ist eine Intensivprophylaxe nötig.
Erstmals sind die Daten aller Teams der vergangenen zehn Jahre (1996–2006) zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet worden. Danach haben sich in allen Einrichtungen die Raten der Kinder mit kariesfreien Gebissen erhöht. Allerdings sind die Raten einrichtungsspezifisch unterschiedlich. Dabei stechen vor allem Förderschulen und Hauptschulen heraus. Die Raten von 36,3% (Förderschulen) bzw. 40,7% (Hauptschulen 2007) sogenannter naturgesunder Gebisse bei diesen SchülerInnen sind deutlich niedriger als bei sonstigen Einrichtungen (Grundschulen: 45,2%, Kitas: 72,8%) , die nicht nur erklärt werden können mit steigendem Alter. Vielmehr ist hier ein deutlicher Zusammenhang mit in der Regel niedrigerem Sozialstatus und Mund- und Zahngesundheit zu verzeichnen.
Prophylaxe – individuell und in Gruppen: Arbeitskreis Zahngesundheit
Ist es eine Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Kinder zum Zähneputzen zu bringen? Eine solche Fragestellung ist verkürzt. Vielmehr geht es bei den gruppenprophylaktischen Aktivitäten des ÖGD um die grundlegende Einübung gesundheitsbewussten Umgangs mit sich selbst, wobei die Mund- und Zahngesundheit ein wesentlicher Baustein ist.
Im einzelnen sieht das Konzept vor:
- Beginn im Kindergartenalter
- einheitliche, inhaltlich und zeitlich koordinierte Vorgehensweise
- Kontinuität
- kognitiv, pragmatisch und emotional ausgerichtetes Lernkonzept
- regelmäßige Wiederholung
- Kooperation mit Eltern und ErzieherInnen und
- flächendeckende Versorgung.
Um alle Kinder zu erreichen, ist die abgestimmte und genau geplante Zusammenarbeit im Arbeitskreis Zahngesundheit nötig.
Dieser besteht im Rhein-Erft-Kreis seit über 20 Jahren aus dem (vertraglich abgesicherten) Arbeitskreis Zahngesundheit, in dem alle Krankenkassen und der Öffentliche Gesundheitsdienst zusammenarbeiten.
Die Prophylaxefachangestellten werden in Poolfinanzierung von den Krankenkassen gestellt, der ÖGD liefert das Personal des Zahnärztlichen Dienstes.
Damit liegt im Bereich der Mund- und Zahngesundheit ein wegweisendes Modell für Prophylaxemaßnahmen vor.
Wozu Gesundheitsberichterstattung Mund- und Zahngesundheit (auch) dienen kann ...
Die Auswertung der Daten der vergangenen zehn Jahre hat deutlich gemacht:
- es gibt eine bestimmte (leider konstante) Rate von Risikokindern
- für sie müssen intensivere und speziellere Maßnahmen erfolgen als bislang
- die Datenerhebung sollte einerseits auf sozioökonomische Faktoren erweitert werden, andererseits kompatibilisiert und verschlankt werden
Wie geht es weiter?
Ein weitergehender Schritt wäre – wie in anderen Bundesländern – der Einbezug der niedergelassenen Zahnärzteschaft in den AK Zahngesundheit.
Dringend erforderlich ist die Ausweitung der Basisprophylaxe für alle Kinder auf die Intensivprophylaxe für diejenigen rund 20% der Kinder, die es nötig haben. Will man die Erfolge in der Basisprophylaxe nicht gefährden, ist ein entsprechender Ressourceneinsatz nötig.
Das oben beschriebene und im Rhein-Erft-Kreis seit langem bewährte Modell für Prophylaxemaßnahmen bei Mund- und Zahngesundheit ist als ‚benchmark’ für den gesamten Bereich der Kindergesundheit nützlich. Erste Erfahrungen damit liegen beispielsweise in Hamburg vor.
Diese kooperative und verantwortliche Gesundheitsvorsorge ist ein Baustein von ‚Kinderfreundlichkeit‘ resp. Kindergerechtigkeit, wie er auch 2006 im Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung (NAP) formuliert wird: Für ein kindergerechtes Deutschland 2005–2010.
