Fragen und Antworten zur "Neuen Influenza A" (sog. "Schweinegrippe")
Allgemeine Fragen
Was bedeutet „Schweinegrippe“?
Bei der Schweinegrippe handelt es sich um eine neue Grippe (Influenza) des „Influenzavirus Typ A- H1N1“. Sie wird daher allgemein auch als „Neue Grippe“ bezeichnet. Sie ist vermutlich von Schweinen auf den Menschen übergesprungen und ist von Mensch zu Mensch übertragbar.
Da in der Bevölkerung gegenüber diesem neuen Erreger noch keine Immunität besteht, kann sich die Grippe, zunächst von Mexiko kommend, rasch ausbreiten. Wir sprechen jetzt von einer „Pandemie“ (weltweite Epidemie). Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat die höchste Warnstufe (Stufe 6!) ausgerufen.
Wie gefährlich ist die „Neue Grippe“?
Nach derzeitigem Kenntnisstand ist der Verlauf der Erkrankung eher moderat. Die Symptomatik ähnelt der einer saisonalen Influenza (alljährlich auftretende Grippeerkrankungen). Viele Erkrankungen hatten bisher eine eher schwache Verlaufsform oder verliefen sogar symptomlos. Auffallend ist, dass sich die Influenza unter Kindern und Jugendlichen besonders rasch ausbreiten kann. Die bisher aufgetretenen Todesfälle betrafen häufig Risikopatienten, z.B. Personen mit schweren Vorerkrankungen, chronisch Kranke etc..
Welche Symptome können auftreten?
- Plötzlich auftretendes Krankheitsgefühl
- Fieber über 38 °C und/oder Schüttelfrost
- Erhöhte Müdigkeit
- Schnupfen
- Halsschmerzen
- Husten
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Manchmal Erbrechen und Durchfall
Der Unterschied einer echten Grippe zu einem grippalen Infekt (Erkältungskrankheit) ist von der Symptomatik her nicht immer eindeutig abgrenzbar. So gibt es Grippeerkrankungen mit eher schwach ausgeprägter Symptomatik, wie jetzt häufig auch bei der „Neuen Grippe“, aber auch Erkältungskrankheiten mit den o.g. Symptomen.
Tritt die Krankheit ganz plötzlich auf „wie angeflogen“ und gleichzeitig auch mit Fieber über 38 ° C , haben wir es eher mit einer echten Influenza zu tun.
Die Symptome einer Erkältung (grippaler Infekt) erfolgen in der Regel in verschiedenen Phasen, beginnend mit Halskratzen, Halsschmerzen, dann Schnupfen, Husten, eventuell auch Kopf- und Gliederschmerzen und leichtes Fieber.
Wer ist besonders gefährdet?
Personen, die an chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Asthma, Bronchitis, Herzerkrankungen, Diabetes, starkem Übergewicht, Krebs oder Leukämie leiden (insbesondere während einer Strahlen- oder Chemotherapie), sollten im Krankenhaus behandelt werden, ebenso Personen mit einer schwer verlaufenden Grippe. Als in erhöhtem Maße infektionsgefährdet gelten auch Schwangere.
Diese Personenkreise sollten sich bei den ersten Beschwerden sofort in ärztliche Behandlung begeben (nach vorherigem telefonischen Kontakt).
Bei Kindern und Jugendlichen kann sich die Grippe zwar rasch ausbreiten. In der Regel wurde bei diesem Personenkreis jedoch eine eher schwach verlaufende Symptomatik festgestellt.
Bei folgenden Symptomen benötigt ein Kind jedoch dringend medizinische Versorgung:
- Hohe Atemfrequenz und/oder erschwerte Atmung
- Blassgraue Hautfarbe
- Trinkverweigerung
- Erhöhte Müdigkeit, schwere Erweckbarkeit, Teilnahmslosigkeit
- Erhöhte Berührungsempfindlichkeit
- Erneutes Auftreten von Fieber und schwerem Husten nach ersten Abklingen von Erkältungssymptomen
- Fieber mit einem Hautausschlag
Was ist speziell bei Kindern und Jugendlichen noch zu beachten?
An Influenza erkrankte Kinder und Jugendliche sollen Kindergärten, Schulen und sonstige Gemeinschaftseinrichtungen generell nicht besuchen. Sie sollen den Kontakt während ihrer Erkrankung insbesondere zu anderen Kindern und Jugendlichen, wenn möglich auch zu Erwachsenen meiden.
Wie kann vermieden werden, andere Personen anzustecken?
Sofern Sie nicht sowieso in ein Krankenhaus überwiesen werden, meiden Sie im Verdachtsfall oder bei Erkrankung den Kontakt mit anderen Menschen soweit möglich. Bleiben Sie zuhause und gehen Sie nicht zur Arbeit. Im Erkrankungsfall wird Sie der Arzt in der Regel ohnehin für ca. eine Woche krank schreiben.
- Bedecken Sie Ihren Mund bzw. Ihre Nase, wenn Sie husten oder niesen, allerdings möglichst nicht mit der Hand. (In den Ärmel oder ins Einweg-Taschentuch husten/niesen!)
- Händehygiene ist jetzt außerordentlich wichtig! Regelmäßig Händewaschen, möglichst mit warmen Wasser und Seife, insbesondere dann, wenn diese mit Tröpfchen aus Mund und Nase in Kontakt gekommen sind (z.B. beim Husten und Niesen).
- Wenn Händedesinfektionsmittel zur Verfügung stehen, auch die Hände desinfizieren.
- Grundsätzlich in der Ansteckungsphase keine Gemeinschaftshandtücher und Stückseifen benutzen!
- Das Tragen von Schutzmasken ist derzeit nicht zu empfehlen!
Wie lange ist eine erkrankte Person ansteckend?
Vom Tag vor den ersten Beschwerden bis zu weiteren 7 Tagen, Kinder bis zu 10 Tage.
Diesen Zeitraum sollten auch Erkrankte zu Hause bleiben, die Kontakte zu besonders gefährdeten Personengruppen haben (chronisch Kranke, Schwangere etc., siehe oben!).
Alle anderen Erkrankten (auch Kindergartenkinder, Schulkinder etc.) bleiben bis einen Tag nach Abklingen des Fiebers zu Hause. Bei mindestens einen Tag fieberfreien Personen wird die Ansteckungsgefahr als ausreichend abgeklungen angesehen.
Wie kann die „Neue Grippe“ behandelt werden?
Es gibt verschiedene antivirale Wirksubstanzen, die gegen Influenza-Viren eingesetzt werden können. Es handelt sich hier um die Präparate „Tamiflu“ und „Relenza“.
Der behandelnde Arzt entscheidet, ob Medikamente verabreicht werden müssen.
Bei schwach ausgeprägter Symptomatik ist eine Behandlung mit Medikamenten bei ansonsten gesunden Personen nicht zwingend erforderlich.
Was kann ich tun, wenn ich glaube mich angesteckt zu haben?
Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt/Hausärztin bzw. an den Kinderarzt, und zwar zunächst generell nur telefonisch. Schildern Sie die Beschwerden und teilen Sie ihm/ihr mit, ob sie sich kürzlich in einem Risikoland aufgehalten haben. Klären Sie mit ihm/ihr die weitere Vorgehensweise ab. Gehen Sie nicht direkt ohne Vorankündigung in die Arztpraxis und meiden Sie öffentliche Verkehrsmittel!
Ihr Arzt kann dann gegebenenfalls die erforderlichen Abstriche durchführen und an ein hierfür speziell geeignetes Labor zur Auswertung übersenden.
Wenn Ihr Hausarzt oder sein Vertreter nicht erreichbar sein sollte, wenden Sie sich bitte an den ärztlichen Notdienst (siehe unten).
Kann ich mich vor einer Ansteckung mit dem neuen Grippevirus sicher schützen?
Das wird sehr schwierig sein, da bei vielen Infizierten die Krankheitssymptome gegebenenfalls nur schwach ausgeprägt, teilweise auch gar nicht vorhanden sind. Man kann also infizierte Personen nicht immer erkennen.
Die Übertragung der Grippeviren erfolgt überwiegend durch Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen verbreitet werden. Zudem erfolgt die Verbreitung häufig auch über die Hände (z.B. beim Händeschütteln) und Kontaktflächen die von Händen berührt werden, z.B. Türklinken. Daher spielt die Händehygiene, wie bereits weiter oben beschrieben, eine wichtige Rolle.
Meiden Sie den Kontakt mit Infizierten oder Ansteckungsverdächtigen, soweit diese bekannt sind!
Die Ansteckungsgefahr ist natürlich immer da am Größten, wo viele Menschen zusammenkommen.
Muss ich bei Auslandsreisen etwas beachten?
Von Mexiko über Nordamerika hat sich die „Neue Grippe“ weltweit ausgebreitet. Im bevorstehenden Winterhalbjahr ist von einer 2. Grippewelle auszugehen, die u.U. heftiger verlaufen kann als die 1. Welle im Sommer.
Das Ansteckungsrisiko ist in den meisten Hauptreiseländern ähnlich hoch wie bei uns einzustufen. Auch in Deutschland erfolgen bereits die meisten Infektionen innerhalb des Landes ohne Kontakt zum Ausland oder Auslandsreisenden. Insofern gelten im Ausland die gleichen Verhaltensregeln wie hier. Derzeit sind keine Reiseeinschränkungen vorgesehen.
Risikopatienten mit Reisen in exotische Länder sollten sich allerdings erkundigen, wie es dort mit der medizinischen Versorgung bestellt ist. Fragen Sie Ihren Haus- oder Facharzt über diesbezügliche Vorsorgemaßnahmen.
Weitere Informationen über die Situation im Ausland erhalten Sie über das Auswärtige Amt (siehe unten).
Fragen zur Grippeimpfung
Wer soll sich impfen lassen?
Im bevorstehenden Winterhalbjahr ist von einer 2. Grippewelle auszugehen, die u.U. heftiger verlaufen kann als die 1. Welle im Sommer. Daher ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Geimpft werden soll in jedem Fall das sogenannte „Schlüsselpersonal“, also Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Feuerwehr, Polizei etc. Wichtig ist hier insbesondere, dass sich Personen impfen lassen, die als Arzt oder Pflegepersonal Kontakt zu Kranken und Pflegebedürftigen haben.
Außerdem Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (chronische Erkrankungen, Immundefekte etc.) sowie Schwangere. Darüber hinaus können sich alle Personen ab einem Alter von 6 Monaten impfen lassen.
Chronisch Kranke und Schwangere sollten sich vor einer Impfung aber eingehend von ihrem Haus- oder Facharzt beraten lassen! Es ist angedacht, für Schwangere in absehbarer Zeit einen hilfsmittelfreien Impfstoff zur Verfügung zu stellen.
Wann und wo kann man sich gegen die neue Grippe impfen lassen?
Seit dem 26.10.2009 steht der Pandemieimpfstoff zur Verfügung.
Da aber davon auszugehen ist, dass anfangs weder ausreichend Impfstoff noch Personal zur Verfügung steht um die ganze Bevölkerung zu impfen, ist für die verschiedenen Personengruppen ein zeitlicher Ablauf vorgesehen:
- Vorrangig wird das sogenannte „Schlüsselpersonal“ (Gesundheitsdienst, Polizei, Feuerwehr etc.) geimpft. Diese werden in der Regel von den zuständigen Betriebsärzten der entsprechenden Einrichtungen geimpft.
- Danach (ca. ab Anfang/Mitte November) werden zunächst Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung (Herz-/Kreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Schwächung des Immunsystems) geimpft und dann die übrige Bevölkerung. Für diese Impfung haben sich im Rhein-Erft-Kreis zahlreiche Allgemeinmediziner und Fachärzte zur Verfügung gestellt. Diese Ärzte werden in einer sogenannten Impfarzt-Liste bekannt gegeben.
Wenn Sie sich impfen lassen wollen, wenden Sie sich bitte an einen in der Liste aufgeführten Arzt. Er wird Ihnen dann den Impftermin bekannt gegeben. Die Impfaktion wird voraussichtlich bis Mitte/Ende März 2010 andauern.
Welcher Impfstoff wird in Deutschland verwendet?
Der Impfstoff, der derzeit in Deutschland für die Impfkampagne zur Verfügung gestellt wird, ist der von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA zugelassene und vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) freigegebene Impfstoff „Pandemrix“ der Herstellerfirma GlaxoSmithKline“.
Gegenüber dem saisonalen Impfstoff enthält „Pandemrix“ Hilfsmittel zur Verstärkung der Impfwirkung. Daher könnten hier Nebenwirkungen etwas häufiger auftreten als beim saisonalen Impfstoff. Fragen Sie Ihren Impfarzt!
Es ist angedacht, für Schwangere in absehbarer Zeit einen hilfsmittelfreien Impfstoff zur Verfügung zu stellen!.
Wie häufig muss geimpft werden?
Nach der vorläufigen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts sind folgende Impfdosierungen vorgesehen:
- Kinder von 6 Monate bis 9 Jahre 2 halbe Erwachsenendosen (0,25 ml) im Mindestabstand von 3 Wochen
- Personen von 10 bis 60 Jahre 1 ganze Erwachsenendosis (0,5 ml)
- Erwachsene über 60 Jahre 2 ganze Erwachsenendosen (0,5 ml) im Mindestabstand von 3 Wochen
Weitere Antworten erhalten Sie:
Informationshotline des
- Rhein-Erft-Kreises: 02271/83-4050
- Bundesgesundheitsministeriums: 030/346465100
Über das Internet:
- Robert-Koch-Institut: http://www.rki.de/
- Paul-Ehrlich-Institut: http://www.pei.de/
- Gesundheitsministerium NRW: http://www.mags.nrw.de
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): http://www.who.int/csr/en/
- Auswärtiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/
Ärztliche Notdienste im Rhein-Erft-Kreis:
- Ärztlicher Notfalldienst der Kassenärztlichen Vereinigung: 0180/5044100 (Diese Rufnummer gilt für den ganzen Rhein-Erft-Kreis mit Ausnahme der Stadt Brühl. Die Brühler Bürger müssen sich vor Ort, z.B. in der örtlichen Medien erkundigen, welcher Arzt Notdienst hat.)
