Karg-Preis 2011 – Von klugen Kindern und kleinen Kugeln
Die Sieger des Karg-Preises 2011 sind ermittelt. Die Jury wählte aus den eingegangenen bundesweiten Nominierungen zwei herausragende Projekte, die sich den mit 50.000 Euro dotierten Karg-Preis teilen: Das Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland in Brühl sowie das Billardprojekt des Wilhelm-Ostwald-Gymnasiums in
Leipzig.
Der Karg-Preis wird seit 2009 verliehen und zeichnet in zweijähriger Folge Modellprojekte in der Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher aus. Er ist einer der höchstdotierten deutschen Bildungspreise. Auch in 2011 wurden der Stiftung wieder eine Reihe innovativer Projekte vorgeschlagen: Kita- und Schulprojekte, Außerschulisches sowie Beratungskonzepte.
"Alle Vorschläge stellen das Recht aller Kinder, aber eben auch hochbegabter auf eine ihnen angemessene individuelle Förderung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Und viele wagen im Interesse Hochbegabter lokal oder deutschlandweit Neues, weisen auf Fehlstellen im Bildungssystem hin und erarbeiten Zukunftsweisendes in der individuellen Förderung", so Ingmar Ahl, Vorstand der Karg-Stiftung.
Die Jurymitglieder, Experten der Hochbegabtenförderung in Wissenschaft und Praxis, haben in 2011 zwei Institutionen ausgezeichnet, die sich seit längerem für Hochbegabte engagieren und immer wieder das Thema voranbringen: Das Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland in Brühl, getragen durch den Rhein-Erft-Kreis, unterstützt seit mehr als 10 Jahren im ganzen Rheinland junge Menschen, deren Familien sowie das Bildungssystem im "Finden und Fördern" besonderer Begabungen. Ausgehend von einem Diagnostik- und Beratungsangebot unternimmt das HBZ Fortbildungen im Thema Hochbegabung und unterhält eigene Förderangebote.
"Von einem ganzheitlichen Begabungsbegriff ausgehend, der die Umweltbedingungen der Biographie einbezieht, gelingt dem HBZ die wirksame individuelle Förderberatung und die Gestaltung der Bildungslandschaft für Hochbegabte. Eigene Förderangebote nehmen neue Zielgruppen wie Kinder mit
Migrationshintergrund oder Auszubildende in den Blick. Zudem wird die Arbeit des HBZ konsequent wissenschaftlich begleitet und so auf Wirksamkeit überprüft", würdigt die Jury.
Auch das HBZ möchte sich der Underachieverthematik widmen:
"Das Preisgeld ist eine große Chance für uns, denn wir wollen ein wirksames Programm zur Förderung von Underachievern umsetzen", so Anton-Josef Cremer, Geschäftsführer des HBZ.
Im Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig, einem Gymnasium mit vertiefter mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung, hat die Förderung hochbegabter Schüler und Schülerinnen Tradition. Doch sorgt sich die Schule hierbei auch um Underachiever: Kinder und Jugendliche, deren Begabungsentfaltung von
Lern- und Verhaltensstörungen behindert wird. Das Projekt "Von Kugeln, Köpfchen und kleinsten Teilchen", angeboten im Unterricht, im Nachmittagsbereich oder als Ferienakademie, vermittelt anhand des Billardspiels naturwissenschaftliches Wissen auf höchstem Niveau und führt so auf ungewohntem Weg wieder an schulisches Lernen heran. Zudem unterstützt es durch die Erfahrung sozialer Akzeptanz die positive Persönlichkeitsentwicklung und soziale Wiedereingliederung junger Menschen.
Die Jury würdigte ausdrücklich die davon ausgehenden Impulse "für die Weiterentwicklung der Hochbegabtenförderung" gerade an naturwissenschaftlichen Gymnasien: die gelungene Verbindung von fachlicher Hochbegabtenförderung im MINT-Bereich mit ganzheitlicher Persönlichkeitsbildung gerade für schwierige Begabungen.
"Mit Hilfe des Preisgeldes soll das Projekt ausgebaut werden. Eigene Räume sollen zukünftig der Billard-Lernwerkstatt eine offene Lernumgebung ermöglichen, die Zusammenarbeit mit Grundschulen und Eltern soll intensiviert und erworbenes Wissen an andere Schulen weitergegeben werden", freuen sich Dr. Steffen Jost, Schulleiter des Gymnasiums sowie Dr. Heike Hagelgans, Leiterin des Billard-Projekts.
Die Preisverleihung findet am 29. November 2011 in Frankfurt am Main im Rahmen eines bundesweiten Fachtags zum Thema Underachievement an der Goethe-Lehrerakademie der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt. Dieser wird Einblick in die Arbeit beider Preisträgereinrichtungen bieten und Wissenswertes zum
Thema Underachiever vermitteln.
Die Preisträger
Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland
Das Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland ist eine durch den Rhein-Erft-Kreis getragene und seit über 10 Jahren bestehende gemeinnützige Bildungseinrichtung in Brühl bei Köln. "Erkennen, entfalten, fördern" – die drei Schlagworte verdeutlichen auf prägnante Art und Weise den zentralen Leitgedanken der Einrichtung. Im
Rahmen eines offenen Beratungsangebots wirken die Psychologen vertrauensvoll mit Kindern und Jugendlichen, deren Familien und Lehrern zusammen, um die Begabungsentfaltung als Teil der Entwicklung der gesamten Persönlichkeit des Menschen zu unterstützen. Das HBZ engagiert sich außerdem in der Fort- und
Weiterbildung von Erzieherinnen und Lehrkräften. Die von der Einrichtung entwickelten innovativen Förderprojekte richten sich an eine breite Zielgruppe: Teilnehmer der inner- und außerschulischen Fördermaßnahmen sind Vorschul- und Grundschulkinder, Schüler der Sekundarstufe sowie junge Erwachsene. Dabei vertritt das HBZ die Philosophie, wissenschaftlich fundierte Bildungsmöglichkeiten für Menschen unabhängig ihres finanziellen und sozialen Hintergrundes anzubieten.
Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland gGmbH
Michael Wolf, Diplom-Psychologe; Dr. Christian Zimmermann, Diplom-Psychologe
Schützenstraße 25, 50321 Brühl
Tel. 02232/50101-0
Fax: 02232/50101-20
michael.wolf@hoch-begabten-zentrum.de
christian.zimmermann@hoch-begabten-zentrum.de
www.hoch-begabten-zentrum.de
Wilhelm-Ostwald-Gymnasium
Das Wilhelm-Ostwald-Gymnasium Leipzig zählt im Freistaat Sachsen zu jenen Gymnasien, die für besonders begabte Schüler eine vertiefte Ausbildung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich anbieten. Nach bestandener Eignungsprüfung, Voraussetzung für die Aufnahme an der Schule, erlangen die Schüler eine solide Grundausbildung in allen Fächern und die allgemeine Hochschulreife. Neben diesem fundierten Fachunterricht in allen Fächern bietet die Schule mannigfaltige zusätzliche Angebote zur Förderung insbesondere in den MINT-Fächern. Für die vertiefte Ausbildung stehen in Mathematik, Biologie, Physik,
Chemie und Informatik zusätzliche Stunden zur Verfügung. Der wahlweise Unterricht in den Vertiefungsfächern erweitert den Horizont zusätzlich.
Fachübergreifendes Lernen wird durch Projektarbeit gezielt gefördert. Sehr häufig nehmen die Schüler an nationalen und internationalen Wettbewerben bzw. Olympiaden teil, wo sie sehr erfolgreich sind und vorderste Platzierungen belegen.
Darüber hinaus engagieren sich die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften ebenfalls im musisch-künstlerischen Bereich und können auch auf diesen Gebieten beachtliche Erfolge und Preise aufweisen. Im April 2011 wurde der Kinderchor gemeinsam mit dem Chor der Förderschule Werner Vogel mit dem
Europäischen Schulmusikpreis in Frankfurt/Main für ihr integratives Musikprojekt ausgezeichnet, welches die Schüler beider Schulen gemeinsam in der Adventszeit gestaltet haben.
Wilhelm-Ostwald-Gymnasium
Dr. Steffen Jost, Schulleiter; Dr. Heike Hagelgans, Projektleiterin
Willi-Bredel-Str. 15, 04279 Leipzig
Tel.: 0341/33 64 40
Fax: 0341/33 64 4-35
schulleiter@ostwaldgymnasium.de
hagelgans@ostwaldgymnasium.de
www.ostwaldportal.de
