Derzeitige Grippesituation im Rhein-Erft-Kreis
Aufgrund einer erneut bevorstehenden Grippewelle und erheblichen Nachfragen informiert das Gesundheitsamt des Rhein-Erft-Kreises die zurzeit meist gestellten Fragen und Antworten der Bürgerinnen und Bürger zur aktuellen Grippesituation.
Was bedeutet "Schweinegrippe"?
Bei der Schweinegrippe handelt es sich um eine neue Grippe (Influenza) des "Influenzavirus Typ A-H1N1" die 2009 zum ersten Mal aufgetreten ist. Sie wird daher allgemein auch als "Neue Grippe" bezeichnet. Sie ist vermutlich von Schweinen auf den Menschen übergesprungen und ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Nach dem derzeitigen Stand (Anfang 2011) sind ca. 75% aller Influenzaerkrankungen diesem neuen Typ zuzurechnen.
Wie gefährlich ist die "Neue Grippe"?
Nach derzeitigem Kenntnisstand ist der Verlauf der Erkrankung eher moderat. Die Symptomatik ähnelt der einer saisonalen Influenza (alljährlich auftretende Grippeerkrankungen). Das Virus hat sich gegenüber der letzten Grippesaison auch nicht verändert.
Viele Erkrankungen hatten bisher eine eher schwache Verlaufsform oder verliefen sogar symptomlos. Auffallend ist, dass sich die Influenza unter Kindern und Jugendlichen besonders rasch ausbreiten kann.
Die bisher aufgetretenen Todesfälle betrafen häufig (aber nicht ausnahmslos!) Risikopatienten, z.B. Personen mit schweren Vorerkrankungen, chronisch Kranke etc.
Komplikationsbehaftete Verläufe und mitunter auch Todesfälle sind auch bei vermeintlich Gesunden nicht ganz auszuschließen.
Welche Symptome können auftreten?
- Plötzlich auftretendes Krankheitsgefühl
- Fieber über 38°C und/oder Schüttelfrost
- Erhöhte Müdigkeit
- Schnupfen
- Halsschmerzen
- Husten
- Kopf- und Gliederschmerzen
- manchmal Erbrechen und Durchfall
Der Unterschied einer echten Grippe zu einem grippalen Infekt (Erkältungskrankheit) ist von der Symptomatik her nicht immer eindeutig abgrenzbar. So gibt es Grippeerkrankungen mit eher schwach ausgeprägter Symptomatik, wie jetzt häufig auch bei der "Neuen Grippe", aber auch Erkältungskrankheiten mit den o.g. Symptomen.
Tritt die Krankheit ganz plötzlich auf "wie angeflogen" und gleichzeitig auch mit Fieber über 38°C, haben wir es eher mit einer echten Influenza zu tun. Die Symptome einer Erkältung (grippaler Infekt) erfolgen in der Regel in verschiedenen Phasen, beginnend mit Halskratzen, Halsschmerzen, dann Schnupfen, Husten, eventuell auch Kopf- und Gliederschmerzen und leichtes Fieber.
Wer ist besonders gefährdet?
Personen, die an chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Asthma, Bronchitis, Herzerkrankungen, Diabetes, starkem Übergewicht, Krebs oder Leukämie leiden (insbesondere während einer Strahlen- oder Chemotherapie), sollten im Krankenhaus behandelt werden, ebenso Personen mit einer schwer verlaufenden Grippe. Als in erhöhtem Maße infektionsgefährdet gelten auch Schwangere.
Diese Personenkreise sollten sich bei den ersten Beschwerden sofort in ärztliche Behandlung begeben. Bei Kindern und Jugendlichen kann sich die Grippe zwar rasch ausbreiten. In der Regel wurde bei diesem Personenkreis jedoch eine eher schwach verlaufende Symptomatik festgestellt.
Bei folgenden Symptomen benötigt ein Kind jedoch dringend medizinische Versorgung:
- Hohe Atemfrequenz und/oder erschwerte Atmung
- Blassgraue Hautfarbe
- Trinkverweigerung
- Erhöhte Müdigkeit, schwere Erweckbarkeit, Teilnahmslosigkeit
- Erhöhte Berührungsempfindlichkeit
- Erneutes Auftreten von Fieber und schwerem Husten nach ersten Abklingen von Erkältungssymptomen
- Fieber mit einem Hautausschlag
Was ist speziell bei Kindern und Jugendlichen noch zu beachten?
An Influenza erkrankte Kinder und Jugendliche sollen Kindergärten, Schulen und sonstige Gemeinschaftseinrichtungen generell nicht besuchen. Sie sollen den Kontakt während ihrer Erkrankung insbesondere zu anderen Kindern und Jugendlichen, wenn möglich auch zu Erwachsenen meiden.
Wie kann vermieden werden, andere Personen anzustecken?
Meiden Sie im Verdachtsfall oder bei Erkrankung den Kontakt mit anderen Menschen soweit möglich. Bleiben Sie zuhause und gehen Sie nicht zur Arbeit.
- Bedecken Sie Ihren Mund bzw. Ihre Nase, wenn Sie husten oder niesen, allerdings möglichst nicht mit der Hand (In den Ärmel oder ins Einweg-Taschentuch husten/niesen!).
- Händehygiene ist jetzt außerordentlich wichtig! Regelmäßig Händewaschen, möglichst mit warmen Wasser und Seife, insbesondere dann, wenn diese mit Tröpfchen aus Mund und Nase in Kontakt gekommen sind (z.B. beim Husten und Niesen).
- Wenn Händedesinfektionsmittel zur Verfügung stehen, auch die Hände desinfizieren.
- Grundsätzlich in der Ansteckungsphase keine Gemeinschaftshandtücher und Stückseifen benutzen!
- Das Tragen von Schutzmasken ist derzeit nicht zu empfehlen!
Wie lange ist eine erkrankte Person ansteckend?
Vom Tag vor den ersten Beschwerden bis zu weiteren 7 Tagen, Kinder bis zu 10 Tage. Diesen Zeitraum sollten auch Erkrankte zu Hause bleiben, die Kontakte zu besonders gefährdeten Personengruppen haben (chronisch Kranke, Schwangere etc.).
Alle anderen Erkrankten (auch Kindergartenkinder, Schulkinder etc.) bleiben bis einen Tag nach Abklingen des Fiebers zu Hause. Bei mindestens einen Tag fieberfreien Personen wird die Ansteckungsgefahr als ausreichend abgeklungen angesehen.
Für Kontaktpersonen zu Erkrankten bestehen keine besonderen Regelungen. Solange sie keine Krankheitssymptome aufweisen, können sie weiterhin zur Arbeit, zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Ausnahme: bei Kontakt zu besonders gefährdeten Personengruppen.
Wie können Grippeerkrankungen behandelt werden?
Es gibt verschiedene antivirale Wirksubstanzen, die gegen Influenza-Viren eingesetzt werden können. Es handelt sich hier um die Präparate "Tamiflu" und "Relenza". Der behandelnde Arzt entscheidet, ob Medikamente verabreicht werden müssen.
Bei schwach ausgeprägter Symptomatik ist eine Behandlung mit Medikamenten bei ansonsten gesunden Personen nicht zwingend erforderlich.
Was kann ich tun, wenn ich glaube mich angesteckt zu haben?
Im Erkrankungsfall wenden Sie sich an Ihren Hausarzt/Hausärztin bzw. an den Kinderarzt. Ihr Arzt kann dann, wenn erforderlich, entsprechende Abstriche durchführen und an ein hierfür geeignetes Labor zur Auswertung übersenden. Wenn Ihr Hausarzt oder sein Vertreter nicht erreichbar sein sollte, wenden Sie sich bitte im Notfall an den ärztlichen Notdienst.
Kann ich mich vor einer Ansteckung mit dem neuen Grippevirus sicher schützen?
Das wird sehr schwierig sein, da bei vielen Infizierten die Krankheitssymptome gegebenenfalls nur schwach ausgeprägt, teilweise auch gar nicht vorhanden sind. Man kann also infizierte Personen nicht immer erkennen.
Die Übertragung der Grippeviren erfolgt überwiegend durch Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen verbreitet werden. Zudem erfolgt die Verbreitung häufig auch über die Hände (z.B. beim Händeschütteln) und Kontaktflächen die von Händen berührt werden, z.B. Türklinken. Daher spielt die Händehygiene, wie bereits weiter oben beschrieben, eine wichtige Rolle.
Meiden Sie den Kontakt mit Infizierten oder Ansteckungsverdächtigen, soweit diese bekannt sind! Die Ansteckungsgefahr ist natürlich immer da am Größten, wo viele Menschen zusammenkommen.
Wer soll sich impfen lassen?
Chronisch Kranke in jedem Lebensalter, Personen über 60 Jahre, Schwangere und Medizinpersonal sollten jedes Jahr rechtzeitig vor Beginn der Grippewelle gegen Influenza geimpft werden. Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland empfiehlt die Grippeimpfung.
Der Wirkstoff gegen die Schweinegrippe ist in dem neuen saisonalen Impfstoff enthalten. Die Impfung kann jetzt noch nachgeholt werden. Sie ist nach ca. 2 Wochen wirksam.
Die Impfungen können beim Hausarzt, Kinderarzt etc. durchgeführt werden, für Berufstätige u.U. auch beim jeweiligen Betriebsarzt. Diese Ärzte beraten Sie auch im Hinblick auf die Notwendigkeit der Impfung und geben individuelle Auskünfte. Eine Praxisgebühr fällt bei alleiniger Durchführung der Impfung nicht an.
Weitere Antworten erhalten Sie:
- Gesundheitsamt des Rhein-Erft-Kreises:
Tel.: 02271/83-4310 - Robert-Koch-Institut:
http://www.rki.de - Ärztlicher Notfalldienst der Kassenärztlichen Vereinigung:
Tel.: 0180/5044100
