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Gepanzerte Ritter auf Freiersfüßen

14.08.15 11:18 Uhr
Beim Kreis häufen sich Meldungen von zugelaufenen Landschildkröten
Bild von: Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat
Foto eines Fundtieres
© Rhein-Erft-Kreis, Der Landrat

Carmen Reinders, Sachbearbeiterin für Artenschutz beim Veterinäramt, hat gerade erneut eine telefonische Meldung erhalten, dass eine griechische Schildkröte auf der Straße gefunden wurde. "Das ist jetzt im Sommer und in der heißen Wetterphase schon der sechste gepanzerte Ritter."

Dabei handelt es sich ausschließlich um ältere männliche europäische Landschildkröten, die bevorzugt bei warmen Temperaturen aus ihrem Zuhause ausbüchsen und sich auf Wanderschaft zwecks Suche nach einer Partnerin begeben. Sie können durchaus weitere Strecken zurücklegen und machen auch vor Gartenzäunen und Mauerabsätzen keinen Halt. Mancher Besitzer habe sich schon gewundert, wie schnell eine sonst eher gemächliche Schildkröte werden kann, wenn sie eine offene Gartenpforte oder ein nicht geschlossenes Garagentor entdeckt hat.

Die Artenschutzsachbearbeiterin hält es für möglich, dass die Besitzer in Urlaub sind und Tiere und Garten von Dritten betreuen lassen. So kann es sein, dass der Verlust eines Tieres nicht sofort bemerkt wird. "Leider hat sich in diesem Sommer kein rechtmäßiger Eigentümer bei mir gemeldet, der eine Landschildkröte vermisst", so Reinders.

Fundtiere müssen kurzfristig in die Obhut von Tierschutzvereinen und Tierheimen im Kreis und erfahrenen Reptilienhaltern gegeben werden.

Die europäischen Landschildkröten gehören nämlich zu den streng geschützten Tierarten. Die Haltung dieser Tiere muss bei der Artenschutzbehörde des Kreises im Amt für Verbraucherschutz, Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung gemeldet werden, ebenso auch der Verlust oder der Zugang als Fundtier. Die Besitzberechtigung muss auch bei der Behörde nachgewiesen werden.

Für die griechischen und maurischen Landschildkröten gibt es seit einigen Jahren hierfür entsprechende Dokumente mit Fotos der Tiere, die jeder Halter hat. Diese Unterlagen erleichtern die Zuordnung der Tiere. Wenn jemand behauptet, Besitzer von vermissten Schildkröten zu sein, dann muss er das auch durch die Anmeldung bei der Behörde und durch die Vorlage eines besonderen artenschutzrechtlichen Dokumentes oder eines Schildkrötentierpasses belegen können.

Reinders hofft darauf, dass die momentan untergebrachten Fundtiere in der nächsten Zeit wieder in ihr heimisches Domizil zurückkehren können.

Einige vermisste Exemplare konnten in den letzten Jahren erfahrungsgemäß auch schon wieder dank Aushängen, Internetaufrufen, aufmerksamen Nachbarn und Informationsaustausch über die zuständige Sachbearbeiterin des Amtes oder die Tierheime an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden.

Laut der Abteilung Artenschutz sind aber auch sicher wieder einige Tiere dabei, die keinem rechtmäßigen Besitzer zugeordnet werden können und die auch nicht als vermisst gemeldet werden. Vielen ist immer noch nicht bekannt, dass die Tiere angemeldet werden müssen und auch der Verlust des Tieres auch beim Veterinäramt anzeigepflichtig ist.

Diese Tiere sollen dann aber nach der Quarantänezeit im Spätsommer durch den Kreis vermittelt werden. Wer an der dauerhaften Übernahme eines oder mehrerer dieser Fundtiere interessiert ist und die Haltungsvoraussetzungen wie z.B. Unterbringung im Garten mit z.B. Frühbeet oder beheiztem Gewächshaus und artgemäße Ernährung gewährleistet, kann sich an die zuständige Sachbearbeiterin im Veterinäramt in Bergheim wenden, die telefonisch unter 02271/83-4215, per Fax unter 02271/83-2354 und per E-Mail unter veterinaeramt@rhein-erft-kreis.de erreichbar ist.